Handschlag auf dem Queen K und die Lücke im Zaun

Mark Allen und Dave Scott. Patrick Lange und Lionel Sanders. Und Chris McCormack und Andreas Raelert – sie alle sind sich in drei Epochen des Rennens an der gleichen Stelle begegnet.

Von > | 5. Oktober 2018 | Aus: SZENE

Schulter an Schulter, fast einen ganzen Tag lang – und dann setzt sich der ausgebuffte Chris McCormack ab.

Schulter an Schulter, fast einen ganzen Tag lang – und dann setzt sich der ausgebuffte Chris McCormack ab.

Foto >Volker Boch

Auf dem Queen Kaahumanu Highway gibt es eine Erhebung, die in keiner Landkarte so heißt: Den "Mark and Dave Hill" kennen nur Triathleten. Hier wurden Rennen gewonnen. Und verloren. Erstmals im Jahr 1989, beim Ironwar, dem Showdown, mit dem Mark Allen den großen Dave Scott entthronte.

Geschichte wiederholt sich

2010 sind es der Australier Chris McCormack und Andreas Raelert, die sich hier ein Duell Schulter an Schulter um den Sieg liefern: Raelert schwimmt neun Sekunden schneller als "Macca", verliert den Vorsprung aber schon in der Wechselzone. Das Duo bleibt sich auf dem Rad treu. Der Australier läuft dem Deutschen zwar zunächst davon (und jagt den wieder einmal enteilten Chris Lieto), doch nach 35 Kilometern finden sich die beiden wieder – jetzt an der Spitze des Rennens.

Keine der gegenseitigen Tempoverschärfungen ist erfolgreich, es kommt am "Mark and Dave Hill" zum legendären Handschlag auf dem Queen Kaahumanu Highway – und kurz vor der letzten Verpflegungsstelle beschleunigt McCormack noch einmal und kann sich absetzen. Der manchmal etwas ruppige "Macca" gewinnt mit 100 Sekunden vor Gentleman Raelert, Dritter wird der Belgier Marino Vanhoenacker, Timo Bracht finisht als Fünfter, Faris Al-Sultan als Zehnter. Bemerkenswert: Nur einer der Top-Ten-Finisher ist jünger als 32 Jahre.

Wellington sagt ab

Das Rennen der Frauen wartet schon vor dem Start mit einer Sensationsmeldung auf: Chrissie Wellington kann nicht starten! Macht das den Weg zum ersten deutschen Sieg durch Sandra Wallenhorst frei? Doch Wallenhorst schwimmt desolat, kommt mit 1:07 Stunden abgeschlagen aus dem Wasser. Weit hinter der Spitze eilt sie durch die Wechselzone auf dem Pier von Kailua-Kona, die Palani Road hinauf und ab auf den Kuakini Highway. Moment, fehlt da nicht die Runde durch das Industriegebiet und die Palani runter? Richtig.

Blackout

Als einzige der rund 2.000 Athletinnen und Athleten hat die Hannoveranerin eine kleine Lücke im Zaun an der Hot Corner als Wettkampfstrecke angesehen. Wallenhorst wird wegen Abkürzens der Radstrecke disqualifiziert. "Ich muss einen totalen Blackout gehabt haben", sagt die 38-Jährige nach dem Rennen. Dieses Rennen machen heute andere: Ironman-70.3-Weltmeisterin Julie Dibens aus England und die Schweizerin Caroline Steffen führen das Rennen lange an. Im Marathon dreht dann die Vorjahreszweite Mirinda Carfrae auf, sie läuft in der dritten Disziplin Streckenrekord und siegt 8:58:36 Stunden vor Steffen und Dibens.