Hartes Brot und ein Hilferuf nach Australien

Darüber nachzudenken, in Erwägung zu ziehen, eventuell überlegen zu müssen, nicht zu starten, ist echt schwer. Ich habe nur noch vier Monate. Und eine Planänderung.

Von > | 1. März 2018 | Aus: SZENE

Anita dreht durch.

Anita dreht durch.

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Erstens

Ich knabbere gerade an meinem Frühstück rum. Leider ist es keine Mahlzeit für einen knackigen Trainingstag. Sondern ein Pausenbrot. Ich hänge immer noch krank zu Hause rum, zwei Wochen schon. Ich habe sogar ein Antibiotikum bekommen, einen Drei-Tage-Klopper, der mich ziemlich platt gemacht hat. Wenn ich am Wochenende in Paris bin und den Semi-de-Paris-Halbmarathon trotzdem nicht mitlaufen kann, dann dreh ich am Kabel. Ich scharre schon mit den Hufen und fühle mich eigentlich langsam besser. Aber alleine darüber nachzudenken, in Erwägung zu ziehen, eventuell überlegen zu müssen, vielleicht nicht mitlaufen zu können, ist echt schwer. Hartes Brot. Ohne Belag.

Zweitens

Ich habe viel Zeit investiert, um meinen eigenen Trainingsplan zu schreiben. Ich habe mir einen eigenen Kalender ausgedruckt, 34 Seiten, für jede Woche eine. Den wollte ich mir an die Wand hängen, um einen Überblick zu haben, was zu tun ist. Und ich wollte regelmäßig meine geplanten Einheiten eintragen, so wie es sich gehört. In der Theorie war das eine super Idee. In der Praxis liegt aber ein recht leerer Stapel Zettel auf dem Tisch und verstaubt. Ich habe zwar die Vorbereitungsphasen ausgerechnet, kleine Wettkämpfe vorgesehen, Intervalle geplant und alles fein säuberlich mit gelben Post-Its an die entsprechenden Tage geheftet, aber die Zettel lassen sich ganz prima umkleben und austauschen. So habe ich am Ende meist nur nachgetragen. Und ihr könnt euch vorstellen, dass von einem Konzept nicht mehr viel zu sehen war. Im Winter war das ja ok. Aber für die zweite Phase, die eigentlich letztes Wochenende angefangen hätte, sehe ich schwarz. Und ich sehe: Der Plan geht nicht auf.

Hilferuf nach Australien

Die schleichende Panik, dass ich alles falsch mache, gepaart mit meinem Krankheitsausfall, macht mich verrückt. Deshalb habe ich mir überlegt, doch einen Trainer ins Boot zu holen. Aktuell ist es eher ein sinkendes Schiff, aber Micha Rundio weiß bestimmt, worauf er sich einlässt. Der ehemalige Fußballprofi ist mittlerweile erfolgreicher Triathlet, hat letztes Jahr beim Ironman Hawaii mitgemacht, und bereitet sich gerade für die 70.3-Weltmeisterschaft in Südafrika vor. Er ist Trainer in meinem Kölner Triathlon-Verein und zurzeit mit seiner Freundin auf Weltreise. Mein Hilferuf hat ihn in Australien erreicht. Und er übernimmt von jetzt an das Steuer. So habe ich eine externe Kontrollinstanz, die doch wichtiger zu sein scheint als ich dachte. Und keinen Grund mehr Panik zu schieben. Darüber nachzudenken zu starten, und zu wissen jetzt denken zu können, sicher zu sein, es doch schaffen zu können, ist plötzlich ganz leicht.