Haug und Brownlee eröffnen Jagd auf die Triple Crown

Schon Anfang Februar steuert die Saison einem Highlight entgegen: In Dubai entscheidet sich, wer 2018 die Chance auf ein Millionenpreisgeld haben wird. Anne Haug und Alistair Brownlee bewerben sich darum.

Von > | 31. Januar 2018 | Aus: SZENE

Anne Haug beim Internationalen Duathlon auf Lanzarote.

Anne Haug beim Internationalen Duathlon auf Lanzarote.

Foto >James Mitchell / Club La Santa

Drei Siege für ein Halleluja: Das ist das Prinzip im Kampf um die "Triple Crown", die als bislang einzige Athletin die Schweizerin Daniela Ryf im Premierenjahr der Serie 2015 für sich entscheiden konnte. Damit verbunden war der Gewinn eines Schecks in Höhe von einer Million Dollar, durch den die Eidgenössin sich um ihre Finanzen vorerst wohl keine großen Sorgen mehr muss. Um einen solchen Scheck soll es auch 2018 wieder gehen: Wie die Pressemitteilung zur neuen Zusammenstellung des - wegen der Menschenrechtssituation im Heimatland Bahrain - streitbaren Teams "Bahrain Endurance 13" quasi in einem Nebensatz über die Pläne der eigenen Athleten verrät, wird die Serie, für die es schon 2017 keine "offizielle" öffentliche Ausschreibung gab, auch in diesem Jahr wieder im Rahmen des Ironman 70.3 Dubai starten. Außerdem dürften die Ironman-70.3-Weltmeisterschaften in Australien und der Ironman 70.3 Bahrain zur Triple Crown gehören, wobei das Bahrainer Rennen für 2018 noch nicht terminiert wurde. Die Frau und bzw. oder der Mann, denen es gelingen sollte, alle der drei Wettkämpfe zu gewinnen, dürften sich wie Ryf 2015 über einen Geldregen freuen.

Der nächste Sturmlauf?

Im Vorjahr scheiterten erst bei der letzten Station in Bahrain Javier Gomez und Daniela Ryf an der siegreichen Komplettierung der Serie - und 2018 werden sie sich gar nicht erst im Kampf darum versuchen. Beide haben auf eine Meldung für den Wettkampf in Dubai am Freitag zu diesem ungewöhnlichen Saisonzeitpunkt verzichtet. Was aber nicht heißt, dass nicht einige andere Athleten auf den Jackpot scharf sind: Allen voran Anne Haug dürfte sich Chancen auf das Preisgeld ausrechnen, denn das mutmaßliche zweite Serienrennen um die 70.3-Weltmeisterschaften gehört ohnehin zu ihren Saisonhighlights. Und dass sie schon jetzt in einer Form ist, die sie mit dem Sieg in Dubai liebäugeln lassen wird, bewies die 35-jährige Umsteigerin von der Kurz- auf die Langdistanz erst vor Kurzem mit ihrem Sieg beim Duathlon auf Lanzarote.

Allerdings kennt Haug auch schon die Rückansicht einer ihrer gemeldeten Konkurrentinnen. Denn beim Ironman 70.3 Bahrain, bei dem Haug unter anderem Daniela Ryf hinter sich ließ, war die Ironman-70.3-Weltmeisterin von 2016, Holly Lawrence (GBR), noch zehn Sekunden vor der Deutschen im Ziel - und diese Lawrence hat auch für das Rennen in Dubai gemeldet. Für Haug dürfte es daher darauf ankommen, im Wasser nicht zu viel Zeit auf die Britin zu verlieren, und dann darauf zu hoffen, dass die starke Radfahrerin Lawrence in der zweiten Disziplin keine Unterstützung findet. Denn beim Laufen war Haug in Bahrain fast sechs Minuten schneller unterwegs als Lawrence - eine Stärke der Deutschen, die der Konkurrenz nicht entgangen sein dürfte. Die ebenfalls für Dubai gemeldeten Profis Ellie Salthouse (AUS), Kimberley Morrison, Nikki Bartlett (beide GBR), Angela Naeth (CAN), Asa Lundstrom (SWE) und Annah Watkinson (RSA) werden Haugs Sturmlauf in Bahrain registriert haben und daran interessiert sein, zu versuchen, möglichst weit vor der Deutschen vom Rad zu steigen.

Masse und Klasse

Diese Hoffnung - also, auf dem Rad möglichst weit davoneilen zu können - dürften vor Beginn der vergangenen Saison die meisten Mittel- und Langdistanzathleten auch bezüglich Alistair Brownlee (GBR) gehabt haben. Dann absolvierte der aber seine ersten Mitteldistanzen - und zeigte dort prompt, dass er sich in der zweiten Disziplin auch vor Weltklasse-Langdistanztriathleten nicht verstecken muss. Auf der anderen Seite bewies sein vorzeitiges Aussteigen bei der Challenge-"Championship" in Samorin aber auch, dass die Mitteldistanz für den zweimaligen Olympiasieger kein Selbstläufer ist. Das kann der Konkurrenz für das Rennen in Dubai am Freitag einerseits Hoffnung machen - wogegen andererseits auch bekannt ist, dass der Brite eigentlich nie zu Rennen antritt, wenn er sich nicht fit genug fühlt, um dort auch zu gewinnen. Das traut sich Brownlee nach einer Hüftoperation im vergangenen Sommer offenbar schon wieder zu, nun hat er - der Pressemitteilung des Bahrainer Teams zufolge - die Triple Crown ins Visier genommen.

Dieses Selbstvertrauen ist selbst für Brownlee keine Selbstverständlichkeit, denn zu der Klasse, die das Frauenfeld ebenfalls aufweist, kommt bei den Männern in Dubai auch noch Masse: Ruedi Wild (SUI), Terenzo Bozzone (NZL), Sven Riederer (SUI), Maurice Clavel, Will Clarke (GBR), Ronnie Schildknecht (SUI), Patrik Nilsson (SWE) und Nicholas Kastelein (AUS) würden wohl bei jedem Ironman-70.3-Rennen der Welt zu den Podestanwärtern gehören und werden für Brownlee daher echte Gradmesser darstellen. Dazu stehen auf der über 40 Mann starken Profi-Meldeliste in Eneko Llanos (ESP) und Mark Buckingham (GBR) noch mindestens zwei weitere Athleten, die an einem guten Tag vorne mitmischen könnten. Zum deutschen Profi-Aufgebot für das Rennen am Freitag gehören neben Haug und Clavel auch Johann Ackermann und Niclas Bock.