Horst Reichel: "Der Fokus liegt auf der Langdistanz"

Horst Reichels Weg nach Hawaii soll über eine Langdistanz in Deutschland führen. Welche Rennen der 35-Jährige noch geplant hat, verriet er uns im Interview.

Von > | 15. Februar 2018 | Aus: SZENE

Foto >TEAM SPORT FOR GOOD

Horst Reichel im Interview

Horst Reichel, nach der Saison 2017 haben Sie von einer sehr guten Saison gesprochen. Mit welchen Aspekten waren Sie besonders zufrieden?
Für mich war der zweite Platz beim Ironman Hamburg das Highlight der Saison, gerade weil ich in den letzten Jahren eine kleine Durststrecke auf der Langdistanz durchgemacht habe. Das Podium zu erreichen hat mich sehr zufrieden gestellt. Im Grunde genommen war die gesamte Saison konstant und ich war häufig auf Top-3-Kurs. Ich hatte zwar auch einige negative Erlebnisse wie die Aufgabe beim Ironman Frankfurt, aber ansonsten liefen alle großen Rennen wirklich gut. Gemessen an den letzten Jahren war die letzte Saison gerade mit Blick auf die Langdistanz mit Sicherheit eine der besseren, auch wenn Platz 7 beim Ironman Barcelona die Leistung dort nicht ganz widerspiegelt. Alles in allem kann ich sagen, dass 2017 definitiv ein gutes Jahr war.

Haben Sie vor dem Ironman Hamburg etwas Spezielles verändert, um die angesprochene Durststrecke zu beenden?
Ich hatte einige Wochen vorher in Frankfurt einen Rennabbruch, weil ich, wie schon in den Vorjahren, Schwierigkeiten mit der Energie-Verarbeitung hatte und auch nicht wusste, woran das liegt. Im Anschluss war ich bei einem Ernährungsmediziner, der ganz genau analysiert hat, wie ich mich in der Vorwoche und auch während des Rennens ernährt habe. Dabei hat er massive Fehler festgestellt und mir aufgezeigt, dass ich überhydriert war und in den Tagen zuvor viel zu viel getrunken habe. Ich habe mich dann an einige Regeln gehalten und zum Beispiel in der Woche vor dem Rennen auf Weizenprodukte verzichtet, was dann für den Ironman in Hamburg und auch in Barcelona sehr gut funktioniert hat. Ich habe einen sehr nervösen Magen und wenn dort eine Sache in der Ernährung nicht stimmt, wirft es mich für Tage komplett aus der Bahn. Das bedeutet nicht, dass ich eine Allergie oder Intoleranz hätte, aber ich reagiere sehr gereizt auf bestimmte Nährstoffe.

Den Ironman Barcelona haben Sie bereits angesprochen. Dort sind Sie beim Laufen nach Ihrer eigenen Einschätzung zu viel Risiko gegangen und haben zum Ende des Rennens einige Plätze verloren. Bleibt die aggressive Herangehensweise dennoch die Strategie für zukünftige Rennen?
In Barcelona bin ich wirklich sehr viel Risiko eingegangen, das stimmt. Das Problem war, dass das Rennen sehr taktisch war und ich mich zu Beginn der Laufstrecke mit Viktor Zemtsev duelliert habe. Ich wusste zwar, dass er ein sehr guter Läufer ist, aber auch, dass er einige Wochen zuvor eine Langdistanz gemacht hat und etwas angeknockt sein könnte. Von daher wollte ich ihn zu Beginn etwas reizen, wobei ich im Nachhinein nur mich selber geschwächt und schließlich komplett zerlegt habe. Ich glaube, dass ich mit einem konstanten Lauf in die Top-5 gekommen wäre, aber um das Podium zu erreichen, muss man auch mal Risiken eingehen. Ich konnte das Rennen zwar noch retten, aber gebracht hat mir das Rennen, was die Punkte für Hawaii angeht, nicht wirklich etwas. Aber auch daraus kann ich wieder einiges lernen.