Horst Reichels Leistungsdaten vom Ironman 70.3 Luxemburg

Horst Reichel absolvierte die Radstrecke beim Ironman 70.3 Luxemburg in 2:09:24 Stunden mit 330 Watt Normalized Power. Wir haben die Leistungsdaten ausgewertet.

Von > | 18. Juni 2019 | Aus: SZENE

Beim Ironman 70.3 Luxemburg fuhr Horst Reichel in der Verfolgergruppe mit und absolvierte den Radkurs in 2:09:24 Stunden (Archivbild).

Beim Ironman 70.3 Luxemburg fuhr Horst Reichel in der Verfolgergruppe mit und absolvierte den Radkurs in 2:09:24 Stunden (Archivbild).

Foto >Getty Images

Mit seinem vierten Platz beim Ironman 70.3 Luxemburg am vergangenen Wochenende gab sich Horst Reichel nach dem Rennen durchaus zufrieden. „Ganz knapp am Podium vorbei, aber mit Platz vier und der Ironman-70.3-WM-Quali bin ich trotzdem sehr happy. Es war wichtig für die Moral nach dem verkorksten Saisoneinstieg diesmal auf dem Rad sehr offensiv zu fahren – zwar zu Lasten meiner Laufbeine und zu Gunsten meiner ‚Mitfahrer‘. Der Halbmarathon war dann nur noch ein hölzernes Laufen, aber ich hatte Platz zwei und drei immer in Sichtweite. Es geht also in die richtige Richtung", sagte der 37-Jährige, der in der Verfolgergruppe hinter Sieger Lukasz Wojt fuhr und dort viel Führungsarbeit übernahm. Im Rennfazit hat Reichel die offensive Radfahrt bereits erwähnt, denn seine Leistungsdaten aus Luxemburg können sich sehen lassen. Er hat uns die Aufzeichnung seines Radcomputers zur Verfügung gestellt und wir haben die vielen Informationen und Zahlen ausgewertet. 

4,47 Watt pro Kilogramm Körpergewicht für 2:09 Stunden

Reichels offizielle Radzeit liegt bei 2:09:24 Stunden, 2:08:56 Stunden davon hat er aufgezeichnet. Für diesen Zeitraum hat sein Radcomputer 88,42 Kilometer mit 598 Höhenmetern erfasst. Daraus ergibt sich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 41,1 km/h, die Höchstgeschwindigkeit lag bei 75,7 km/h und wurde in der letzten steileren Abfahrt bei Kilometer 73 erzielt. Die durchschnittliche Trittfrequenz lag bei 90 Umdrehungen pro Minute. Zu den Wattzahlen: Reichel absolvierte die Strecke mit einer durchschnittlichen Leistung (AP) von 319 Watt und einer gewichteten beziehungsweise normalisierten Leistung (NP) von 330 Watt. Bei Reichels Körpergewicht von 74 Kilogramm entsprechen diese Werte 4,47 Watt pro Kilogramm (NP) und 4,31 Watt pro Kilogramm (AP) – absolute Topwerte, mit denen man im Triathlon zur erweiterten Weltspitze gehört. Zum Vergleich: Lionel Sanders, der auf der Mitteldistanz zur absoluten Weltspitze auf dem Rad gehört, erzielte beispielsweise beim Ironman 70.3 Oceanside 2017 354 Watt (AP) und 366 Watt (NP) bei einem Körpergewicht von ebenfalls 74 Kilogramm. Die Balance von Reichels Leistung in der Links-Rechts-Kraftverteilung lässt zudem auf ein gleichmäßiges Trittmuster schließen und zeigt nur leichte und gewöhnliche Abweichungen, die im Hinblick auf mögliche Verletzungen oder muskuläre Dysbalancen unbedenklich sind. Das Verhältnis von links zu rechts lag bei 49,3 Prozent zu 50,7 Prozent. 

Die Aufzeichnungen von Horst Reichels Radfahrt beim Ironman 70.3 Luxemburg 2019.

Die Aufzeichnungen von Horst Reichels Radfahrt beim Ironman 70.3 Luxemburg 2019.

Variabilitätsindex von 1,03, IF von 0,98

Die Strecke in Luxemburg gilt nicht als besonders profiliert, ist allerdings auch nicht komplett flach. 600 Höhenmeter mussten auf den knapp 90 Kilometern absolviert werden. Dementsprechend ist auch die Differenz von elf Watt zwischen Average Power und Normalized Power nicht besonders groß. Allerdings auch nicht so gering, wie es auf einem komplett flachen Kurs wohl der Fall gewesen wäre. Die Differenz zwischen AP und NP spiegelt sich im Variabilitätsindex (VI) wider. Dieser Wert ergibt sich, wenn man NP durch AP teilt. Er soll zeigen, wie konstant der Fahrer unterwegs war und Aufschluss geben, ob man sich das Rennen gut und gleichmäßig eingeteilt hat. In diesem Fall liegt der Variabilitätsindex bei 1,03 und verdeutlicht, dass das Pacing von Reichel gleichmäßig war, es zu keinem Leistungseinbruch kam und es keine langen Anstiege gab, die deutlich über der durchschnittlichen Leistung gefahren wurden. Ein weiterer interessanter Wert ist der Intensity Factor (IF). Der Wert ist ein Indikator dafür, wie anstregend beziehungsweise belastend die Aktivität im Verhältnis zur aktuellen Leistungsfähigkeit in Form der individuellen anaeroben Schwelle (FTP) war. Berechnet wird dieser Wert, indem man die NP durch die FTP teilt. Der IF von Reichel liegt in diesem Fall bei 0,98 und würde bei der erzielten NP von 330 Watt theoretisch bedeuten, dass der 37-Jährige zu diesem Zeitpunkt eine FTP von 336 Watt besaß.  

Anschließender Halbmarathon in 1:15:52 Stunden

Mit seinem anschließenden Halbmarathon gab sich Horst Reichel nur bedingt zufrieden, wie man nicht nur an seinem Statement am Anfang des Artikels erkennen kann, sondern auch daran, dass er die Aktivität bei Strava selbstironisch mit den Worten "run like an elephant" betitelte. Dies lag in erster Linie nach seiner eigenen Einschätzung an dem harten Radfahren zuvor. Seine offizielle Laufzeit lag bei 1:15:52 Stunden, was einem Durchschnittstempo von 3:36 Minuten pro Kilometer entspricht. Die Auswertung seiner Uhr zeigt 1:16:21 Stunden für 21,06 Kilometer, da Reichel die Aufzeichnung bereits vor der offiziellen Zeitmessung auf der Laufstrecke gestartet hat. Laut GPS kam Reichel auf eine Durchschnittspace von 3:38 Minuten pro Kilometer. Im Vergleich: Die schnellste Laufzeit des Tages erzielte Bas Diederen in 1:14:34 Stunden. Wie man an den unten stehenden Splits erkennen kann, kam es zu keinem großen Einbruch im Verlauf des Halbmarathons, jedoch wurde Reichel auf der zweiten Hälfte etwas langsamer. Die ersten zehn Kilometer absolvierte er in 35:55 Minuten, die zweiten zehn Kilometer in 36:47 Minuten.

Selbstironie: Horst Reichel benennt seinen Lauf bei Strava mit \"run like an elephant\".

Selbstironie: Horst Reichel benennt seinen Lauf bei Strava mit "run like an elephant".

Die Splits von Horst Reichels Halbmarathon beim Ironman 70.3 Luxemburg.

Die Splits von Horst Reichels Halbmarathon beim Ironman 70.3 Luxemburg.