I am an Ironman – Mission possible!

Seit November hat sich unsere Bloggerin Anita Horn akribisch vorbereitet. Nun ist es soweit: Der Ironman Frankfurt 2018 ist Geschichte und Anita ein Ironman. Glückwunsch!

Von > | 12. Juli 2018 | Aus: SZENE

Die Freude über das erreichte Ziel steht Anita ins Gesicht geschrieben.

Die Freude über das erreichte Ziel steht Anita ins Gesicht geschrieben.

Foto >Anita Horn

12:42:44 Stunden nach dem Start überquere ich die Finishline und schluchze wie ein kleines Kind. Der rote Teppich ist wie eine Fata Morgana. Bin ich wirklich hier? Habe ich es ernsthaft geschafft? Am Tag vorher stand ich noch auf der Tribüne und bin am Zielkanal vorbei gegangen, mit einer Mischung aus Angst und Ehrfurcht. Und jetzt habe ich plötzlich eine riesig große Medaille am Hals baumeln und falle meiner Supportcrew um den Hals – die fachgerecht mitflennt. Ich bin jetzt tatsächlich ein Ironman. Auch wenn ich die Worte des Moderators bei meinem Finish selbst nicht wahrnehme. Meine Eltern, mein Freund und mein Verein sind einfach zu laut. Aus allen Ecken tönt mein Name und ich bin mir mit jedem Schritt darüber im Klaren, dass ich mir gerade meinen größten sportlichen Traum erfülle.

Kopf gegen Körper

Eins weiß ich jetzt: eine Langdistanz ist nicht einfach die Kombination aus drei einzelnen Disziplinen. Eine Langdistanz ist eine Langdistanz – die Königsdisziplin des Triathlons. Und eine wahrhaftige Kopfleistung. Mein Körper wollte irgendwann einfach nicht mehr. Gewonnen hat definitiv meine Birne. Ich habe vorher natürlich rumgerechnet, welche Zeiten ich schaffen kann und überall etwas Puffer addiert. Aber der reichte nicht aus. Der Marathon war eine ziemliche Vollkatastrophe. Wir mussten 4x10 Kilometer laufen. Die erste Runde war super – obwohl ich nach dem Radfahren noch einen Helfer im Wechselzelt fragte, wie ich jetzt bitte noch einen Marathon laufen soll. Die Antwort: „Einfach einen Fuß vor den anderen setzen.“ Also los. Die Stimmung auf der Strecke war der Wahnsinn. Fremde und Freunde haben mich angejubelt wie einen Rockstar. Ich bin geflogen. Bis ich ab Kilometer 12 langsamer wurde. Ich bin an jeder Verpflegungsstelle stehen geblieben, habe mich gekühlt, von innen und außen, mir Zuspruch abgeholt und mich dann mit Klapsern auf die Schulter weiter schicken lassen.

Auf Runde drei war dann von Laufen keine Spur mehr. Es war hawaiianisch heiß, ich stand gefühlt kurz vor einem Krampf in den Waden und mein Magen hat rebelliert. Und weil ich wirklich viele Teilnehmer gehen sehen und in den Sanitäter-Zelten liegen sehen habe, war mein Ziel mittlerweile nur noch durchzukommen. Dann eben gehend. Ich habe versucht meine Pace auszurechnen und meine Zielzeit daraus zu folgern. Bei 10 min/km, noch knapp 20 Kilometer – unmöglich. Ich konnte nicht einmal mehr eins und eins zusammen zählen. Ich wusste die Uhrzeit und kam trotzdem nicht dahinter, ob ich es noch unter 13 Stunden schaffen könnte. Egal, einen Fuß vor den anderen. Apropos Fuß – der hat mir witziger Weise null Stress gemacht, keine Schmerzen, keine Überlastungssymptomatik. Selbst jetzt, vier Tage nach dem Ironman ist alles gut. Das Einzige was etwas weh tut, sind meine Fußgelenke (die sind noch etwas dick von der Belastung insgesamt) und ein Zeh (da habe ich nämlich einen Nagel verloren, der Onkel ist einfach zu lang, egal wie groß die Schuhe sind). Ich kam wieder am Hot Spot vorbei: meinen Eltern, meinem Freund, Caro, Claudia, Dennis und Paula. Ich habe verzweifelte Knutscher verteilt und wollte nicht mehr. Manni sagte dann: du musst nur noch einmal um die Ecke und das letzte Mal über die Brücke. Ich bin also wirklich nochmal angelaufen und habe sogar noch andere animiert sich auch nochmal in den Trab zu versetzen. So verging ein langsamer Kilometer nach dem anderen und mit einem Mal hörte ich den Moderator. Ich durfte endlich rechts abbiegen auf den Zielkanal. Echt jetzt?! Das Ziel?! Ich bin gleich da!

Die wohlverdiente Medaille wird sicherlich einen Ehrenplatz bei Anita bekommen.

Die wohlverdiente Medaille wird sicherlich einen Ehrenplatz bei Anita bekommen.

Foto >Anita Horn

Das Ergebnis

Das Schwimmen war an dem Tag meine Lieblingsdisziplin. Hätte mir das vor ein paar Monaten jemand gesagt, hätte ich laut gelacht. Mit 1:10:59 war ich mehr als zufrieden, höchst überrascht und damit sogar 9. Frau in meiner Altersklasse. Rad war super, ganz entspannt weil ich mir ja Körner aufbewahren wollte, da war ich 12. In meiner AK mit 6:03:42. Naja und beim Laufen bin ich dann mit 5:14:47 auf den 24. AK-Platz insgesamt gerutscht. Insgesamt bin ich 123. Frau und 1505. von allen Teilnehmern geworden. Also voll im Mittelfeld und voll happy. Und ich musste gerade herzlich über mich selbst lachen. Denn ich habe einen alten Blog-Eintrag von mir aus dem Jahr 2011 gefunden, als ich mich für meinen ersten Marathon vorbereitet und meinen ersten langen 30-km-Lauf absolviert habe – dabei bin ich nämlich zufällig am Köln Triathlon vorbei gekommen:

"Auf der anderen Straßenseite kämpfen sich noch ein paar einsame Triathleten ab. Wie kommt man auf die Idee, einen richtigen, echten Triathlon zu machen? Marathon + Schwimmen + Radfahren. Verrückt sind die!“

Was soll ich sagen? Es stimmt … Aber jetzt beginnt erstmal eine neue Zeitrechnung – die „nach dem Ironman“. Freunde treffen, diverse Babybesuche, meine Geburtstags-Wellness-Gutscheine einlösen. Außerdem muss ich Black Beauty, mein Zeitrad, jetzt eh wieder abgeben. Das war eine Leihgabe. Ob ich mir ein neues Zeitrad zulege? Eigentlich habe ich vor dem Wettkampf gesagt, ich mache nach dem Ironman keinen Triathlon mehr. Zumindest keine Langdistanz. Aber gestern fragte mich mein Freund ernsthaft, ob ich nicht Lust hätte nächstes Jahr die Challenge Roth mitzumachen, die wäre doch so schön. Fragt sich nur, wer hier eigentlich verrückt ist.

Anita mit ihren Unterstützern im Ziel.

Anita mit ihren Unterstützern im Ziel.

Foto >Anita Horn

Gastbeitrag von meinem Freund:

Ironwaaaaaaaaahn! Es klingelt. Sie ist zurück von der Radausfahrt. Hat sich bereits angekündigt per Sprachnachricht mit "Hunger!" Das Essen steht. Ich drücke den Öffner, mache die Tür auf und laufe! Es geht ums Überleben. Sie will essen! So oder so ähnlich waren die letzten Monate. Train, eat, sleep, repeat. Was sollte ich da anderes machen, als zu supporten? Für mich selbstverständlich. Wir haben uns über den Triathlon kennen gelernt. Er gehört zu unserem täglichen Leben dazu. Also alles easy. Manchmal wurde es mir sicher auch zuviel und ich wollte nicht jeden Abend über das Training und Ergebnisse reden. Aber ich habe es einfach akzeptiert. Und wurde belohnt: sie hat es geschafft! Und ich auch …

Meinen ausführlichen Rennbericht findet ihr auf ahornzeit.de. Da erzähle ich euch auch, falls ich oder jemand anders mir einen neuen Floh ins Ohr setze … Danke, Micha, für dein Coaching. Ich habe es geschafft und nicht einmal Muskelkater. Danke alle, für eure Nachrichten, fürs Mitfiebern und Mitfeiern! Ihr seid die Besten!

DANKE!