"Ich hoffe auf die gleiche Chance wie im letzten Jahr"

Für Sebastian Kienle ist das Rennen am Sonntag die wichtigste Mitteldistanz des Jahres. Wir haben mit dem 33-Jährigen über seine Vorbereitung und die Erwartungen gesprochen.

Von > | 1. Juni 2018 | Aus: SZENE

2017 wurde Sebastian Kienle Zweiter bei \"The Championship\". Reicht es dieses Jahr für den Sprung auf Platz eins?

2017 wurde Sebastian Kienle Zweiter bei "The Championship". Reicht es dieses Jahr für den Sprung auf Platz eins?

Foto >Nils Flieshardt / spomedis

Sebastian Kienle, Sie haben in diesem Frühjahr mal etwas Neues ausprobiert und einen anderen Weg als sonst gewählt. Zusammen mit Ben Hoffman haben Sie am Cape Epic teilgenommen. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Die Einladung an Ben Hoffman ging irgendwann Ende letzten Jahres raus und das Rennen wollte ich immer schon mal machen. Eigentlich war es eher für die Zeit nach meiner Karriere angedacht, dann ist es weniger schlimm, wenn man sich etwas bricht oder sich ernsthaft verletzt. Aber als ich dann die Chance bekommen habe, konnte ich nicht widerstehen und habe mich für den Start entschieden. Ich muss sagen, dass es schon ein bisschen an der Grenze zum Blödsinn war. Aber wenn man den Sport schon so lange ausübt, dann muss man auch mal etwas Neues machen, das einfach nur Spaß macht – ohne dabei auf Antrittsgelder oder Medienaufmerksamkeit zu schauen. Zum Glück ist auch alles heil geblieben.

Wie muss man sich das vorstellen? Haben Sie trotz der hohen Belastungen bei den Etappen an diesen Tagen noch Schwimmen und Laufen trainiert und daraus ein "Mini-Trainingscamp" gemacht?
Es war ursprünglich schon der Plan, jeden Tag darüber hinaus noch etwas im Schwimmen und Laufen zu machen. Allerdings ging es uns beiden ab dem ersten Tag schon nicht mehr wirklich gut und wir hatten mit Magenproblemen zu tun. Wir haben dann trotzdem immer noch etwas gemacht, aber es war dann eher ein "Survival-Camp" und nicht gerade besonders sinnvolles oder strukturiertes Training. 

Ihren Start beim Ironman 70.3 Texas mussten Sie absagen. Hat es Sie verunsichert, dadurch keinen richtigen Anhaltspunkt für die aktuelle Form zu diesem Zeitpunkt zu haben?
Nein, eigentlich nicht. Ich habe gewusst, dass zu der Zeit noch etwas Staub im Getriebe war. Das hatte nicht unbedingt mit dem Cape Epic zu tun, da waren noch ein paar Verletzungsprobleme. Das war nicht perfekt, aber nach so langer Zeit zehrt man auch von den guten vergangenen Jahren und Vorbereitungen. Nach dem Rennen in St. George habe ich das dann auch positiver gesehen und gemerkt, dass es wahrscheinlich gar nicht so "schlecht" war, wie ich zunächst gedacht habe. 

Sie haben im Vorfeld vom Ironman 70.3 St. George gesagt, dass sie Probleme mit der Achillessehne hatten und auch im Schwimmen mit dem Trainingsstand nicht ganz zufrieden waren. Wie bewerten Sie den zweiten Platz im Nachhinein? 
Äußerst positiv. Da muss ich wirklich ganz klar sagen, dass ich mit dieser Leistung im Vorfeld nicht gerechnet hätte. Wenn man mal den Trend aus den letzten drei Jahren anschaut, wo Lionel (Sanders) auch immer am Start war, dann ist die Lücke sogar immer kleiner geworden. Und das, obwohl er viel kürzer in dem Sport ist als ich und man daher vermuten könnte, dass er sich noch schneller entwickeln kann. Dazu kommt, dass er meistens das ganze Jahr über auf einem sehr hohen Niveau ist und ich meistens erst in der zweiten Saisonhälfte erst meine beste Form erreiche. Daher sehe ich das alles als positives Omen. Trotzdem will ich das nicht schön reden, am Ende zählt nur der Sieg – da ist es dann egal, ob man mit einer Sekunde oder eine Minute Rückstand verliert. 

In St. George ist Lionel Sanders den Halbmarathon 1:30 Minuten schneller gelaufen. Denken Sie, dass Sie diesen Rückstand in den vergangenen Trainingswochen noch aufholen konnten? 
Absolut. Das Training in den letzten vier Wochen lief wirklich sehr gut. Ich denke schon, dass ich da nochmal richtig zulegen konnte und bin optimistisch. Aber ich hatte auch schon viele Rennen, bei denen es mir vorher nicht unbedingt gut ging und ich abliefern konnte – wie in St. George. Umgekehrt war es auch schon öfter der Fall, dass die Vorbereitung nahezu perfekt war und das Rennen total in die Hose ging. Deshalb will ich da mal nicht zu viel orakeln. Ich habe jedenfalls keine Angst vor einem Schlussspurt und auch keine Angst vor den letzten fünf Kilometern. Im Gegenteil: Ich hoffe auf die gleiche Chance wie im letzten Jahr (Anm. d. Red.: als Sanders und Kienle bis Kilometer 15 Seite an Seite liefen). Das wäre für mich ein echtes Highlight. Ich starte dieses Jahr nicht bei der Ironman-70.3-WM, deshalb rückt dieses Rennen absolut in den Fokus und hat 2018 den höchsten Stellenwert, was die Mitteldistanzen angeht.