"Ich will mich nicht nur auf mein Laufen verlassen müssen"

Beim Laufen stellte Anne Haug die komplette Konkurrenz wieder einmal in den Schatten – trotzdem reichte es "nur" für Platz zwei. Wir haben mit ihr über das Rennen gesprochen.

Von > | 3. Juni 2018 | Aus: SZENE

Mit einem sagenhaften Halbmarathon in 1:15:57 Stunden sicherte sich Anne Haug den zweiten Platz bei \"The Championship\" 2018.

Mit einem sagenhaften Halbmarathon in 1:15:57 Stunden sicherte sich Anne Haug den zweiten Platz bei "The Championship" 2018.

Foto >Simon Müller / spomedis

Anne Haug, herzlichen Glückwunsch zum zweiten Platz. Welche Zielsetzung hatte Sie im Vorfeld des Rennens?
Natürlich wusste ich, dass es ein extrem starkes Startfeld ist, aber deshalb bin ich auch hierher gekommen. Wenn ich in ein Rennen gehe, will ich natürlich immer gewinnen. Mir war klar, dass es heute schwierig werden würde. Gerade, wenn Neoverbot ist, dann kommt Lucy Charles wahrscheinlich noch ein Stückchen weiter weg. So ist es dann ja auch gekommen. Auch auf dem Rad habe ich damit gerechnet, dass sie einen Ticken schneller sein kann. Da ist dann immer die Frage, wie weit sie vor dem Laufen weg ist und sieben Minuten waren da heute einfach etwas zu viel. Somit muss ich mit dem zweiten Platz zufrieden sein. 

Sie haben vor einiger Zeit gesagt, dass Sie sich an das Radfahren bei den Non-Drafting-Rennen noch gewöhnen müssen. Wie zufrieden waren Sie heute mit der zweiten Disziplin?
Klar, mit meiner Körperstatue liegen mir natürlich bergige Strecken mehr. Aber auch an diese flachen Kurse muss ich mich gewöhnen und das funktioniert immer besser. Man kann halt auch nicht von 0 auf 100, das ganze ist eher ein Prozess, der etwas Zeit braucht. Ich bin ja auch erst vor einem guten halben Jahr auf die Langstrecke gewechselt und dafür ist dieser Verlauf wirklich zufriedenstellend. Ich bin voll im Plan und optimistisch, dass in vielen Bereichen noch Luft nach oben ist. 

Ihre Laufzeit (1:15:57 Std.) war ein weiteres Mal überragend. Wie haben Sie das Laufen selbst empfunden?
Das war einfach super. Ich frage mich auf dem Rad immer schon sehr früh, wie ich später noch schneller laufen soll, aber dann finde ich nach 40 bis 50 Kilometern in einen Rhythmus, der es dann doch möglich macht. Dazu kommt bei großen Rennen natürlich immer, dass man getapert ist und die nötige Frische beim Laufen im Idealfall dann auch noch da ist. Dazu kommt, dass ich meistens einen Rückstand aufholen muss und quasi gezwungen bin, alles in die Waagschale zu werfen. Heute lief das extrem gut, vielleicht auch durch die wechselnden Untergründe mit Gras und Sand, die eher den stärkeren Läufern in die Karten spielen. 

Haben Sie zwischendurch gedacht, dass es vielleicht sogar noch für den Sieg reichen könnte?
Ich muss immer denken, dass ich es noch schaffen kann. Das ist das, was mich antreibt. Wenn ich denke, dass es bei sieben Minuten Rückstand nichts mehr wird, dann wird es auch nichts mehr. Ich habe vor einem Rennen zwar nie das riesige Selbstbewusstsein, aber im Wettkampf glaube ich dann daran, besonders, wenn es gerade gut läuft. Außerdem kenne ich Aufholjagden ja quasi seit Beginn meiner Karriere und bin es gewohnt, das war schon zu Kurzdistanz-Zeiten in den meisten Fällen so. Daher weiß ich auch, was bis zum Ende möglich ist und dieses Wissen hilft einem auch während des Rennens. 

Welches Erkenntnisse nehmen Sie aus diesem Wettkampf mit?
Ich will mich nicht nur auf mein Laufen verlassen müssen, sondern auch mal in die Situation kommen, zu agieren und nicht ausschließlich zu reagieren. Ich werde das Rennen genau mit meinem Coach auswerten und besprechen und bin optimistisch, dass ich noch einen Sprung machen werde in nächster Zeit.