„Im Vergleich zu Frankreich, Großbritannien oder den USA sind wir deutlich schmaler im Nachwuchs aufgestellt

Im letzten Teil des Blogs zur Saison der 1. Triathlon Bundesliga spricht unser Blogger Florian Teichnmann mit Thomas Möller. Als Bundestrainer Nachwuchs beaufsichtigt und steuert Möller die Nachwuchsentwicklung an den Bundes- und Landesstützpunkten der Deutschen Triathlon Union. Mit ihm hat sich Florian Teichmann über die aktuelle Situation in der Nachwuchsentwicklung, die Rolle der 1. Bundesliga und das kommende Olympiajahr unterhalten.

Von > | 1. August 2019 | Aus: SZENE

Hatt die Topathleten der Zukunft im Blick: Bundestrainer Nachwuchs Thomas Möller.

Hatt die Topathleten der Zukunft im Blick: Bundestrainer Nachwuchs Thomas Möller.

Foto >Bundesliga

Das Meisterschaftswochenende „Die Finals“ steht an. Wirst du direkt vor Ort sein, um den Nachwuchs bei diesem Event zu unterstützen? 

Wir waren gerade knapp zwei Wochen im JWM, dem Vorbereitungslehrgang für die Junioren-Weltmeisterschaft in Saarbrücken. Die Athletinnen und Athleten tapern jetzt ein wenig für die DM und ich bin eine Woche im Urlaub. Daher kann ich voraussichtlich nur am Sonntag zum Wettkampf der Männer vor Ort sein. 

Wie hoch ist der Stellenwert der DM für die Nachwuchsbereiche in der DTU?

Wir differenzieren dort zwischen den verschiedenen Altersbereichen im Nachwuchs. Für die besten Athletinnen und Athleten im Juniorenbereich, die 18 oder 19 Jahre alt sind, hat sie einen ähnlich hohen Stellenwert wie die DM im Nachwuchs. Es sind bestimmte Kriterien für die Qualifikation in den Bundeskader auch für den Nachwuchs daran gebunden, was den Stellenwert unterstreicht. Athletinnen und Athleten der Jugend A (16 und 17 Jahre) werden mitunter über Bundesligateams auch bei der DM Elite eingesetzt, sind aber oftmals noch etwas überfordert. Das kann dann je nach dem für zusätzliche Motivation oder auch Frustration sorgen. Hier sollten die Ligateams sowie die Heimtrainer mit Bedacht bei der Auswahl der Wettkämpfe für die jungen Athleten vorgehen, um die langfristige Entwicklung mit Blick auf eine hohe Leistung in der Elite in die richtige Richtung zu lenken, ohne bestimmte „Highlights“ vorwegzunehmen. 

Einige Athleten nutzen das Rennen in Berlin als Vorbereitung auf die Junioren-WM im Herbst. Wieso genau Berlin? Spielt zum Beispiel die große Bühne eine Rolle, sozusagen als Generalprobe?

Aufgrund der Terminlagen der DM Elite und der Junioren-WM ist die DM Elite schon öfters der letzte hochkarätige Vorbereitungswettkampf vor der JWM gewesen, so auch in diesem Jahr. Weiterhin wird die DM gerade in diesem Jahr und hoffentlich auch in den nächsten Jahren, auch aufgrund der Übertragung im TV sehr gut besetzt sein und bietet damit immer eine gute Plattform für die ältesten und leistungsstärksten Nachwuchsathleten, sich auf die harte Auseinandersetzung bei der JWM vorzubereiten. Die Streckenlänge entspricht mit dem Sprintformat auch exakt den Juniorenstrecken bei EM und WM.

Welche Rolle spielt die 1. Triathlon Bundesliga im Nachwuchsentwicklungskonzept der DTU?

Wie schon angesprochen, differenzieren wir nach Altersbereichen. Für die Junioren unterstützt sie die Entwicklung der Wettkampfleistung im Triathlon aufgrund der nationalen und internationalen Konkurrenz. Die Athleten lernen, sich an stärkeren älteren Athletinnen und Athleten zu orientieren und durchzusetzen und viele kleine, aber wichtige und vor allem taktische Details zu verbessern. Der Übergang vom Nachwuchs in den Erwachsenenbereich wird positiv befördert, weil die Athleten den Elitebereich so schrittweise schon in den letzten beiden Nachwuchsjahren im Wettkampf kennenlernen und damit Vorstellungen davon entwickeln können, woran sie arbeiten müssen, um auch später in der Elite vorn dabei zu sein. Die Liga-Teams unterstützen die Nachwuchsathleten auch materiell und ideell. In der Jugend A und der Jugend B (17 bis 14 Jahre) liegt der Schwerpunkt der Wettkampftätigkeit auf dem DTU-Triathlon-Jugendcup mit drei bis vier Wettkämpfen pro Jahr. Dort steht zunächst der mehrmalige nationale Vergleich in der gleichen Altersgruppe im Vordergrund. 

Wie schätzt du die Leistungsbreite im Nachwuchs zurzeit ein?

Im Vergleich zu Frankreich, Großbritannien, den USA oder Australien sind wird in Deutschland deutlich schmaler im Nachwuchs aufgestellt. Wir haben eine gute Struktur über die Landesverbände und Landestrainer sowie das Stützpunktsystem. Letztlich trainieren jedoch nur rund 200 bis 300 Athletinnen und Athleten über den kompletten Altersbereich von 15 bis 19 Jahren auf leistungssportlichem Niveau. Diese durchlaufen die Sichtungen in den Landesverbänden und bei der DTU und unser Bundestrainer Sichtung Steffen Justus (ehemaliger Weltspitzenathlet auf der olympischen Distanz) schaut oftmals gemeinsam mit den Landestrainern genau hin, damit dem Triathlonsport kein Talent „durch die Lappen geht“. Da wir diese aktuelle Breite nicht einfach so verändern können, legen wir großen Wert darauf, um in guter Abstimmung mit den Heim- und Landestrainern die Toptalente möglichst verletzungsfrei weiter zu entwickeln. 

Zum Schluss noch eine Frage zum kommenden Olympiajahr. Was erwartest du von den Spielen in Tokio und was können die Triathlon-Fans in Deutschland erwarten?

Die Triathlon-Fans können erstmalig insgesamt drei Wettbewerbe bei den Olympischen Spielen erleben. Mit dem neuen Mixed-Relay-Format wird es neben den beiden Einzelwettkämpfen einen super spannenden Teamwettkampf geben, indem je zwei deutsche Athletinnen und Athleten vielleicht sogar um eine Medaille mitkämpfen können, wie ja kürzlich die Silbermedaille in Hamburg bei der WM gezeigt hat. Die Qualifikation eines deutschen Teams für dieses Format bei den Olympischen Spielen ist fast in trockenen Tüchern. In den beiden Einzelwettkämpfen erwarte ich bei den Frauen Laura Lindemann im Bereich der Top 10. Bei den Männern sind die Prognosen schwieriger. Dort sehe ich zunächst vier Männer in einem ganz engen Kampf um die nationalen Quotenplätze: Jonas Schomburg, Lasse Lührs, Justus Nieschlag und auch Valentin Wernz. Dort ist es zunächst noch sehr spannend, wer überhaupt ein Olympia-Ticket lösen kann.

Zum Schluss wünsche ich allen Athletinnen und Athleten und den Fans einen großartigen Abschluss beim Meisterschaftswochenende in Berlin.