Die intensivste Woche des Jahres ist da!

So langsam wird es ernst in Kailua-Kona: Die Rennwoche hat begonnen, die Protagonisten sind angereist und auch unser Terminkalender platzt aus allen Nähten.

Von > | 10. Oktober 2017 | Aus: SZENE

Ironman World Championship: Die Rennwoche ist da!

Ironman World Championship: Die Rennwoche ist da!

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Aloha, liebe Triathlonfreunde!

Das triathlon-Team in Kailua-Kona ist inzwischen fast vollständig: Gestern Abend ist der Trainings- und Aerodynamik-Experte Björn Geesmann von STAPS angereist, um unsere diesjährige Mannschaft auf Hawaii zu verstärken. Björn hat mit seinen Kollegen selbst einige Athleten auf das Rennen vorbereitet und wird uns in den kommenden Tagen mit seiner Expertise hier vor Ort unterstützen.

Der Strand ist weg

Auch für Björn gilt natürlich: Man war nicht beim Ironman, wenn man nicht einmal mit den Triathleten im Pazifik geschwommen ist. Also machten wir uns (wie fast jeden Morgen) um 6:50 Uhr aus unserem Hotel auf an den Strand, der heute keiner war: Das Wasser stand in der Bucht von Kailua so hoch, dass vom kleinen Dig Me Beach kein einziges Sandkorn zu sehen war. Ich selbst musste eine harte Entscheidung treffen: in Ufernähe fotografieren oder zum Kaffeeboot schwimmen, das heute erstmals 400 Meter vor der Küste vor Anker gegangen war? Das Licht war zu perfekt, ich entschied mich für die Kamera.

Kaffee gab es danach natürlich trotzdem, beim Gespräch mit unserer Bloggerin Katrin und ihrem Mann Robin, den ich schon seit vielen Jahren kenne. Und dessen Geschichte auch unseren aufmerksamen Lesern bekannt ist, denn unser gemeinsamer Freund Dr. Matthias Marquardt hat ihm und mir seine Kolumne "Marquardts Meinung" in der aktuellen triathlon Nr. 154 gewidmet. So klein ist die Triathlonwelt ...

Keine Helmpflicht auf Hawaii

Nach dem ersten Kaffee gab es den zweiten: zurück im Zimmer, vor dem Rechner, wo die Bilder des gestrigen Shootings mit der Dänin Michelle Vesterby sowie die des heutigen Schwimmens be- und verarbeitet werden mussten. Fertig geworden bin ich nicht, denn mittags stand ein Geschäftsessen auf dem Programm: Zusammen mit Björn fuhr ich auf dem Redaktions-Scooter zum Da Poke Shack. Die drei wichtigsten Verkehrsregeln zum Rollerfahren erfüllten wir im Schnitt ganz gut: Zu zweit auf dem Roller zu fahren, ist verboten. Diesen Verstoß glichen wir durch das Tragen von Sturzhelmen aus, die auf Hawaii nicht vorgeschrieben sind. Natürlich hielten wir uns aber an die Sonnenbrillenpflicht. Der dritte Mann beim Geschäftsessen war Christoph Fürleger, Geschäftsführer von Hannes Hawaii Tours. Alle drei Parteien zusammen organisieren im April die erste von STAPS mit Inhalten gefüllte triathlon-Leserreise in eines der Hannes-Camps auf Mallorca. 

Die Teilnehmer sind da

Aber der April 2018 ist noch lange hin, das Rennen des Jahres 2017 steht vor der Tür. Die meisten der rund 2.600 Teilnehmer des Ironman Hawaii sind in Kailua-Kona angekommen. „Heute haben wir die letzte zweistellige Anreisewelle“, sagt Christoph. Dementsprechend voll ist es überall dort, wo man als Triathlet gewesen sein muss, wenn man schon mal nach Kailua-Kona reist: im Kona Aquatics Center, dem lokalen Freibad, das ganzjährig geöffnet hat und keinen Eintritt kostet. Beim frühmorgendlichen Schwimmen am Pier. Im Lava Java und bei der Daylight Mind Coffee Company.

Verkehrsregeln, Teil 2

Voll ist es aber auch auf den Straßen: „Für jeden Teilnehmer am Ironman sind neun weitere Gäste in der Stadt“, ist die Rechenformel der lokalen Geschäftsleute, wie mir Jeff, der Inhaber des legendären Lava Java, in einem Interview für das große Hawaii-Special von triathlon verrät. Und diese Teilnehmer müssen laufend, auf dem Rad und mit dem Auto von A nach B kommen. Das ist eine Herausforderung, zumal Kailua-Kona wieder wächst, wie man an den Bauaktivitäten vor allem auf dem Queen Kaahumanu Highway sehen kann. Der Highway, einst eine zweispurige Landstraße mit schlechtem Asphalt, wird Stück für Stück zur bis zu acht Spuren breiten Autobahn ausgebaut. Und wo gebaut wird, gibt es Staus. Und wo es Staus gibt, werden Sportler ungeduldigt. Und wo Sportler ungeduldig werden, passieren Unfälle. Und die machen wiederum Staus.

Um diesen Teufelskreis zu sprengen, haben die Ironman-Macher einige Empfehlungen für die Sportler aufbereitet. Der deutschstämmige Hawaiianer Franz Weber, der bei Ironman für Volunteers und Logistik zuständig ist, erzählt mir, dass auf den neuralgischen Teilstücken stets ein paar speziell ausgebildete Freiwillige unterwegs sind, die für ein faires Miteinander von einheimischem Verkehr und sportlicher Fortbewegung sorgen sollen.

Aushilfsjob als Lichtassistent

Nach ein paar Stunden am Rechner (und einigen weiteren Tassen Kaffee) stand nun noch der letzte Programmpunkt des Tages an: Ein Pressetermin von Scott mit Sebastian Kienle. Als Kollege Nils Flieshardt das Gespräch mit dem Champion von 2014 führte, war ich als Lichtassistent dabei. Das hat den Vorteil, dass ich das Interview verfolgen konnte – was nicht selbst verständlich ist. Auch die Terminpläne der Kollegen sind so voll, dass wir kaum selbst konsumieren können, was die anderen hier produzieren. Ich glaube, ich kann nach der Hawaii-Woche noch eine daheim anhängen, um die Woche noch einmal von vorn als Zuschauer zu erleben. Mit ganz viel Kaffee, versteht sich!

Und das war heute auch noch Thema in Kailua-Kona:

  • Heute hat es einmal nicht kräftig geschüttet. Dafür stabilisiert sich auch die Wetterprognose für den Samstag: Es soll windig werden, und zwar verdammt windig!
  • Lubos Bilek, Trainer von Sebastian Kienle, hat schon einen Titel des Jahrs sicher: Er gewann die Kona Open im Tischtennis und wurde zusammen mit einer 60-jährigen Einheimischen Zweiter im Doppel. 
  • Viele Hawaii-Reisende kennen die Schotterpiste auf den Vulkan Mauna Kea mit den gigantischen Observatorien. Jetzt gibt es auch auf den Nachbarn Mauna Loa eine geteerte Straße – und die will Hawaii-Urgestein Hannes Blaschke am Mittwoch hochradeln. Von 0 auf 3.500 Meter: Hannes, schon für die Idee unseren Respekt!
  • Andere haben noch wildere Ideen: Der mehrfache Kona-Finisher Zbynek Svehla will morgen den Mauna Kea bezwingen, von Meereshöhe in Hilo über 65 Kilometer auf 4.200 Meter Höhe. Und zwar als Handbiker!
  • Am Dienstag beginnt das offizielle Ironman-Programm mit der Eröffnung der Expo und der Parade der Nationen. Und die wird erstmals live ins deutsche Fernsehen übertragen: Das Morgenmagazin des ZDF ist am frühen Mittwochmorgen um 5:50 Uhr mit dabei, wenn 200 Deutsche auf dem Alii Drive ihr Dabeisein feiern.

Hang loose!
Frank Wechsel