Frodeno weist Sanders in die Schranken

Von wegen Wachablösung: Jan Frodeno hat Lionel Sanders im direkten Duell beim Ironman 70.3 Oceanside auf Distanz gehalten. Der Kanadier kam nie in Sichtweite zum Deutschen.

Von > | 7. April 2018 | Aus: SZENE

Jan Frodeno gewinnt den Ironman 70.3 Oceanside 2018.

Jan Frodeno gewinnt den Ironman 70.3 Oceanside 2018.

Foto >Felix Rüdiger / Plan A GmbH

Ob es wegen seines Outfits ist, seines Laufstils oder seiner Angewohnheit, fast ausschließlich indoor zu trainieren: Unter den Triathlonfans genießt Lionel Sanders mit seiner unorthodoxen Art bereits Kultstatus, und der Kanadier versteht es, dieses Image zu polieren. Zuletzt etwa über mehrere Videoclips, die im Abstand weniger Tage erschienen und in denen Sanders sich in seiner motivieren, teils auch selbstironischen Art präsentierte. Das kommt unter den Triathleten an - und zwar so gut, dass viele auch sportlich bereits an eine Wachablösung des mehrjährigen Dominators glaubten. In einem direkten Aufeinandertreffen, so waren sich viele Triathleten vor dem Ironman 70.3 Oceanside in den sozialen Medien sicher, hat Lionel Sanders den zweimaligen Ironman-Weltmeister Jan Frodeno bereits im Griff. Zumal dieser sich 2017 ja ohnehin selten mit der Konkurrenz gemessen hatte und beim Showdown auf Hawaii mit Rückenproblemen weit abgeschlagen ins Ziel kam. Jan Frodeno hat die Chance, all diesen Unkenrufen zu trotzen, beim Ironman 70.3 Oceanside beim Schopfe gepackt.

Sanders hat auf dem Rad das erste Wort, Frodeno das letzte

Denn dort antwortete der 36-Jährige offensiv auf die Avancen von Lionel Sanders. Schon beim Schwimmen fackelte Frodeno nicht und setzte den offensichtlichen Fortschritten von Lionel Sanders in dessen schwächster Disziplin ein gnadenloses Tempo entgegen. Nur der Amerikaner Eric Lagerstrom war im Wasser noch in der Lage, Frodenos Füße zu halten, alle anderen Konkurrenten verloren mindestens eine Minute auf den Deutschen. Lionel Sanders derer sogar etwas mehr als zwei - was viel ist, aber doch ein respektables Ergebnis: Denn im Vergleich zum Kräftemessen vor einem Jahr war das zum einen ein etwas niedrigerer Rückstand auf Frodeno, zum anderen führte Sanders damit bereits die zweite Verfolgergruppe Frodenos an.

Danach passierte, was zu erwarten stand: Lionel Sanders drückte sofort aufs Tempo und machte Boden gut. Binnen der ersten 20 Kilometer war der Kanadier bereits eine Minute näher an Frodeno herangerückt, sein Rückstand betrug nun nur noch rund 80 Sekunden. Dabei blieb es dann aber lange: Die beiden Favoriten lieferten sich ein einsames Duell auf Augenhöhe, ohne dabei je in Sichtweite zueinander zu kommen. Am Ende der zweiten Disziplin hatte sich Frodeno aber noch mehr Körner aufgespart: Auf den letzten Kilometern legte er wieder eine Minute zwischen Sanders und sich selbst und wechselte somit rund zweieinhalb Minuten vor dem Kanadier auf den Halbmarathon. Der Dritte, Rodolphe von Berg (USA), lag zu diesem Zeitpunkt bereits fünf Minuten hinter dem Spitzenreiter.

Jan Frodeno setzt in Kalifornien auch beim Laufen die Tagesbestzeit.

Jan Frodeno setzt in Kalifornien auch beim Laufen die Tagesbestzeit.

Foto >Felix Rüdiger / Plan A GmbH

Frodeno beim Laufen souverän

Diesen Trend konnte Sanders auch in der Abschlussdisziplin nicht mehr umkehren. Der Kanadier lief zwar schnell, aber nicht so schnell wie Jan Frodeno, der seinen Vorsprung auf den Zweitplatzierten weiter ausbauen konnte. Nach zehn Kilometern war Frodenos Polster bereits um eine weitere Minute angewachsen. Nach 3:45:05 Stunden feierte er einen überlegenen Sieg vor Lionel Sanders, der das Ziel knapp vier Minuten nach dem Deutschen erreichte. Dritter wurde der Ironman-70.3-Weltmeister von 2016, Tim Reed.

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Ironman 70.3 Oceanside 2018

  1. April 2018, Oceanside (USA)

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21 km Run

1

Jan Frodeno

GER

03:45:05

22:20

02:08:27

01:10:31

2

Lionel Sanders

CAN

03:48:58

24:35

02:08:48

01:11:46

3

Tim Reed

AUS

03:53:08

23:43

02:13:03

01:12:09

4

Eric Lagerstrom

USA

03:54:11

22:24

02:14:26

01:13:09

5

Rodolphe von Berg

USA

03:56:48

23:45

02:12:12

01:17:07

6

Jesse Thomas

USA

03:58:00

25:25

02:13:03

01:15:00

7

Alex Libin

USA

04:00:39

25:08

02:15:49

01:14:59

8

Kennett Peterson

USA

04:01:51

25:22

02:12:52

01:19:09

9

Scott Defilippis

USA

04:03:34

25:32

02:18:30

01:14:46

10

Nicholas Granet

FRA

04:04:07

24:40

02:18:39

01:15:20

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