Johann Ackermann im Interview

Nach einigen Verletzungsproblemen greift Johann Ackermann beim Ironman 70.3 Bahrain wieder ins Renngeschehen ein. Wir haben mit dem starken Radfahrer über seine Erwartungen und die Wettkampfvorbereitung gesprochen.

Von > | 23. November 2017 | Aus: SZENE

Auf dem Rad gilt Johann Ackermann als besonders stark: Beim Ironman Barcelona 2016 fuhr er einen Radsplit von 4:12 Stunden.

Auf dem Rad gilt Johann Ackermann als besonders stark: Beim Ironman Barcelona 2016 fuhr er einen Radsplit von 4:12 Stunden.

Bei Wettkämpfen zu diesem Zeitpunkt im Jahr kann man sich häufig nicht sicher sein, ob sie den Abschluss oder den Anfang der Saison kennzeichnen. Wie sieht es bei Ihnen aus?
Eigentlich ist das Rennen schon wieder der Startschuss für 2018. Auch, weil die Punkte zu diesem Zeitpunkt schon für das nächste Jahr zählen. Ich hatte nach dem Frühjahr lange mit einer kleineren Verletzung zu kämpfen. Deshalb lief die Saison sehr schleppend und ich musste lange aussetzen. Ich hatte ursprünglich das Ziel, mich für Hawaii zu qualifizieren und wollte eigentlich noch in Frankfurt und Italien einen Ironman machen. Durch die Verletzung ist das alles nichts geworden und ich schaue jetzt bereits auf 2018. Seit zwei Monaten trainiere ich wieder vernünftig und werde Anfang Februar in Dubai auch schon das nächste Rennen machen.

Warum haben Sie sich ausgerechnet das Rennen hier in Bahrain ausgesucht?
Ich war Anfang 2017 bereits mit Faris Al-Sultan und Patrick Lange in den Emiraten in Abu Dhabi für zwei Wochen im Trainingslager. Deshalb kenne ich die Gegend schon ein wenig und wusste, dass mir der windanfällige Radkurs sehr liegt. Außerdem kommt mir die flache Laufstrecke auch eher entgegen.

Sie haben sich ausschließlich in Deutschland auf das Rennen vorbereitet. Dort liegen die Temperaturen nur etwas über dem Gefrierpunkt. Hier werden für den Renntag um die 30 Grad erwartet. Hat diese abrupte Umstellung in der Vorbereitung für Sie eine Rolle gespielt und wie schätzen Sie die Bedinungen ein?
Das schlechte Wetter in Deutschland war dafür gar nicht so schlecht. In den letzten drei Wochen habe ich speziell mein Radtraining dadurch nämlich fast ausschließlich auf der Rolle absolviert. Dort wird es bekanntlich ja auch sehr schnell sehr warm. Daher konnte ich mich schon etwas auf diese Umstellung vorbereiten. Und gerade der Wind auf der Radstrecke spielt mir schon in die Karten. Letztes Jahr beim Ironman Lanzarote konnte ich bei ähnlichen Bedingungen auch schon mal als Erster vom Rad steigen. Daher freue ich mich sowohl auf die Strecke als auch auf die Bedingungen.

Was ist Ihre Zielsetzung für das Rennen am Samstag?
Ich will jetzt erst einmal wieder sehen, wo ich stehe nach einer so langen Zeit, in der ich mich nicht mit anderen messen konnte. Deshalb will ich in erster Linie meine Leistung abrufen, die ich mir im Training wiederaufgebaut habe und schauen, wo ich damit im internationalen Vergleich lande. Was letztendlich dabei rauskommt, wird man dann sehen. Das hängt natürlich zu einem gewissen Teil auch von der Konkurrenz ab und die ist hier sehr groß.

Man kennt Sie als sehr starken Radfahrer. Was Ihnen häufig zu sehr guten Platzierungen bei großen Rennen gefehlt hat, war eine solide Laufleistung im Anschluss. Haben Sie daran speziell gearbeitet?
Natürlich habe ich immer wieder gemerkt, dass das Laufen meine schwächste Disziplin ist. Nachdem ich beispielsweise mit Patrick Lange für einige Zeit trainiert habe, konnte ich da mal sehen, wo der Hammer hängt. Ich muss vor allem an meiner Laufökonomie arbeiten und habe da bisher in der Vorbereitung auch schon viel Neues ausprobiert. Ob sich das jetzt schon bemerkbar macht, wird sich zeigen. Ich glaube eher, dass es ein langfristiger Prozess ist. Zum Glück weiß ich aber, wo das Potenzial liegt und wie ich daran arbeiten kann.

Der windanfällige Radkurs in Bahrain kommt Ackermann nach eigener Aussage entgegen.

Der windanfällige Radkurs in Bahrain kommt Ackermann nach eigener Aussage entgegen.