Analyse: Johann Ackermanns Leistungsdaten vom Ironman 70.3 Dubai

Mit dem schnellsten Radsplit des Tages in 2:01:54 Stunden erkämpfte sich Johann Ackermann den vierten Platz beim Ironman 70.3 Dubai. Wir haben die Leistungsdaten des 35-Jährigen ausgewertet.

Von > | 4. Februar 2019 | Aus: SZENE

Für den schnellsten Radsplit des Tages in 2:01:54 Stunden beim Ironman 70.3 Dubai benötigte Johann Ackermann 319 Watt im Schnitt (Archivbild).

Für den schnellsten Radsplit des Tages in 2:01:54 Stunden beim Ironman 70.3 Dubai benötigte Johann Ackermann 319 Watt im Schnitt (Archivbild).

Foto >Nick Staggenborg

Welche Leistung muss man aufs Pedal bringen, um bei einem internationalen Ironman-70.3-Rennen auf dem Rad ganz vorn mit dabei zu sein? Eine Frage, die sich viele Sportler immer weider beim Blick auf die schnellen Profi-Radsplits stellen. Und in einem Zeitalter, in dem mittlerweile auch etliche Agegrouper mit einem Powermeter am Rad unterwegs sind, können die Leistungsdaten in Form von Watt von vielen auch eingeordnet, gedeutet und mit den eigenen Zahlen abgeglichen werden. Andere Einflüsse wie Aerodynamik und Material, die natürlich auch einen erheblichen Einfluss auf die Radzeit haben, seien dabei erst einmal ausgeklammert. Johann Ackermann, der am vergangenen Wochenende beim Ironman 70.3 Dubai den vierten Platz belegte und mit einer Radzeit von 2:01:54 Stunden den schnellsten Split des Tages erzielte, hat uns seine Leistungsdaten für eine Auswertung zur Verfügung gestellt. Ackermann führte über eine lange Zeit die Verfolgergruppe hinter dem führenden Sébastien Fraysse an und setzte sich etwa bei Kilometer 70 an die Spitze des Rennens. Bis zur zweiten Wechselzone fuhr er noch einen kleinen Vorsprung von knapp 20 Sekunden auf seine ersten Verfolger heraus. Wie sah Ackermanns Leistung im Detail aus? 

4,56 Watt pro Kilogramm im Schnitt

Ackermann startete seinen Radcomputer kurz nach der ersten Wechselzone. Deshalb umfasst seine Aufzeichnung nur 2:00:17 Stunden und 89,5 Kilometer, anstatt der offiziellen 2:01:54 Stunden. Die Radstrecke absolvierte als also mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 44,7 Kilometern pro Stunden. Im Schnitt trat der 35-Jährige 319 Watt (AP) und 325 Watt gewichtete Leistung (NP). Aus seinen Daten geht hervor, dass die 319 Watt einer Leistung von 4,56 Watt pro Kilogramm entsprechen, was ein Körpergewicht von 70 Kilogramm ergibt. Außerdem erreichte Ackermann eine maximale Leistung von 657 Watt, welche er direkt zu Beginn der Strecke beim Losfahren und dem ersten Antritt erzielte. Teilt man die gewichtete Leistung durch die Durchschnittsleistung erhält man den Variabilitätsindex. Dieser liegt bei 1,02 und zeigt, dass Ackermann relativ gleichmäßig gefahren ist. Werte unter 1,05 gelten als optimal und sprechen für eine gute Renneinteilung und ein gelungenes Pacing. Der Kölner absolvierte die 90 Radkilometer mit einer durchschnittlichen Trittfrequenz von 85 Umdrehungen pro Minute. Interessant ist die Leistungsverteilung in Form der Links-Rechts-Verteilung: Diese liegt bei 45,9 Prozent auf der linken und 54,1 Prozent auf der rechten Seite. Ein deutliches Ungleichgewicht, welches Ackermann allerdings aus Erfahrung von sich kennt: "Die Verteilung liegt bei mir meistens in diesem Bereich, ich trete immer so. Das könnte mit der Verdrehung meiner Hüfte beim Fahren zu tun haben, aber sicher bin ich mir da nicht", mutmaßt er.

 

Die Leistungsdaten von Johann Ackermanns Rennen beim Ironman 70.3 Dubai im Überblick.

Die Leistungsdaten von Johann Ackermanns Rennen beim Ironman 70.3 Dubai im Überblick.

Fünf Kilometer mit 369 Watt Durchschnittsleistung

Obwohl Ackermann insgesamt sehr gleichmäßig fuhr, hatte er natürlich trotzdem einige Spitzen in seiner Fahrt: Die fünf Kilometer von 25,5 bis 30,5 absolvierte er beispielsweise mit 369 Watt im Schnitt. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Ackermann in der Verfolgergruppe eine knappe Minute hinter dem Franzosen Fraysser und versuchte, den Abstand zu verringern. Die letzten 20 Kilometer, auf denen er sich noch etwas von seinen Konkurrenten lösen konnte, absolvierte er mit 316 Watt und 46,9 km/h im Schnitt – die zweite Hälfte der Fahrt auf der Punkt-zu-Punkt-Strecke war auch insgesamt aufgrund der Windverhältnisse um einige Minuten schneller als die erste. 

 

 

Etwa von Kilometer 25,5 bis 30,5 erreichte Ackermann eine Durschnittsleistung von 369 Watt.

Etwa von Kilometer 25,5 bis 30,5 erreichte Ackermann eine Durschnittsleistung von 369 Watt.

36 Watt mehr als Sieger Adam Bowden

Spannend ist der Vergleich mit den Wattzahlen von Sieger Adam Bowden (GBR), der sich in der gleichen Gruppe wie Ackermann befand und den Radkurs in 2:02:17 Stunden absolvierte – also nur 26 Sekunden langsamer als Ackermann. Und das, obwohl Bowden mit 283 Watt AP satte 36 Watt weniger trat als der Deutsche. Dieser relativ deutliche Unterschied könnte mehrere Gründe haben. Die Tatsache, dass Bowden seltener als Ackermann an der Spitze der Gruppe unterwegs war, aber auch Aerodynamik- und Materialunterschiede sowie die Messgenauigkeiten der jeweiligen Powermeter könnten eine Rolle spielen. Aber auch im Vergleich zu Eric Watson (BHR), welcher ebenfalls in der Gruppe um Ackermann und Bowden unterwegs war, sind die Werte von Bowden erstaunlich gering. Watson brauchte 2:02:19 Stunden für die Radstrecke und brachte 311 Watt aufs Pedal. Berücksichtigt man den Umstand, dass sich Bowden nach dieser Radleistung den Gesamtsieg mit der schnellsten Laufzeit des Tages in 1:10:35 Stunden sichern konnte, wird klar, dass er im Vergleich zur Konkurrenz womöglich entscheidende Energie auf dem Rad sparen konnte. 

Die Aufzeichnung von Adam Bowdens Leistungsdaten.

Die Aufzeichnung von Adam Bowdens Leistungsdaten.