Johann Ackermanns Leistungsdaten vom Ironman Texas

Johann Ackermann ist beim Ironman Texas einer der schnellsten Radsplits aller Zeiten gelungen. Wir haben die Leistungsdaten im Detail analysiert und uns mit dem 34-Jährigen dazu unterhalten.

Von > | 3. Mai 2018 | Aus: SZENE

Beim Ironman Texas konnte Johann Ackermann ein weiteres Mal seine Radstärke unter Beweis stellen. Mit einer Gesamtzeit von 7:57:02 Stunden kam er schließlich als Zehnter ins Ziel.

Beim Ironman Texas konnte Johann Ackermann ein weiteres Mal seine Radstärke unter Beweis stellen. Mit einer Gesamtzeit von 7:57:02 Stunden kam er schließlich als Zehnter ins Ziel.

Foto >finisherpix.com

Die diesjährige Ausgabe des Ironman Texas sorgte in vielerlei Hinsicht für enormes Aufsehen. Zehn Athleten blieben unter der magischen 8-Stunden-Marke, Matt Hanson absolvierte mit einer Zeit von 2:34 Stunden den schnellsten Marathon aller Zeiten bei einer Langdistanz. Und Andrew Starykowicz fuhr mit 3:54:59 Stunden den schnellsten Radsplit der Triathlongeschichte. Dazu muss man allerdings sagen, dass die Radstrecke auf 177 Kilometer verkürzt wurde. Trotzdem hätte es für Starykowicz auf 180 Kilometer wohl für eine Zeit von unter vier Stunden gereicht, was bisher noch keinem Athleten gelungen ist. Im Nachhinein wurde auch die Endzeit von Sieger Matt Hanson (7:39:25 Stunden) trotz der verkürzten Strecke doch noch offiziell als Ironman-Rekord anerkannt. Die Zeiten der Athleten sorgten für reichlich Gesprächsstoff, was die "wahren" Distanzen der Teilstrecken beim Radfahren und Laufen angeht. Außerdem gaben die Bilder und Videos von der Strecke ein weiteres Mal Anlass zu Diskussionen über die Windschattenproblematik bei großen Rennen mit mehreren tausend Teilnehmern.

Was bei dem ganzen Trubel um dieses besondere Rennen kaum jemand mitbekam, war die außergewöhnliche Radleistung von Johann Ackermann. Der 34-Jährige setzte sich beim Ironman Texas zusammen mit Andrew Starykowicz sofort nach dem Schwimmen an die Spitze des Feldes und fuhr der ersten großen Verfolgergruppe davon. Ackermanns Radsplit: 4:03:19 Stunden. Auch hochgerechnet mit den fehlenden drei Kilometern einer der schnellsten Radsplits, die bisher auf der Langdistanz erzielt wurden. Wir haben die Leistungsdaten von Johann Ackermann erhalten, analysieren die rasante Fahrt der Radrakete und zeigen, was es für eine Weltklasse-Radleistung im Triathlon braucht.

Über vier Stunden mit 294 Watt Average und 304 Watt Normalized Power

Zuerst einmal sei gesagt, dass Johann Ackermann seine Aufzeichnung etwas zu spät gestartet beziehungsweise beendet hat, weshalb nur 176 der 177 Kilometer aufgezeichnet wurden. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 43,6 Kilometer pro Stunde. Interessant wird es bei den Wattzahlen: Für den aufgezeichneten Zeitraum von knapp über vier Stunden erreichte Ackermann eine Durchschnittsleistung von 294 Watt und eine gewichtete Leistung (Normalized Power/NP) von 304 Watt. Das Körpergewicht des 34-Jährigen liegt bei 74 Kilogramm. Ackermann fuhr im Schnitt also die gesamt Strecke mit vier Watt pro Kilogramm Körpergewicht beziehungsweise 4,1 Watt/kg, wenn es die Normalized Power als Maßstab nimmt.Teilt man die gewichtete Leistung durch die Durchschnittsleistung erhält man den Variabilitätsindex. Dieser liegt bei 1,03 und zeigt, dass Ackermann relativ gleichmäßig gefahren ist. Werte unter 1,05 gelten als optimal und sprechen für eine gute Renneinteilung und ein gutes Pacing. "Ich wollte der ersten großen Gruppe nach dem Schwimmen direkt davonfahren und abwarten, bis Starykowicz eventuell aufschließt, damit wir einen möglichst großen Vorsprung herausfahren können. Dieser Plan ging auf und als ich mich nach etwa drei Kilometern umgedreht habe, konnten wir die Gruppe bereits deutlich distanzieren."

Ackermanns Vorhaben, sich möglichst frühzeitig von der ersten großen Gruppe zu lösen, spiegelt sich auch in den Leistungsdaten wider: Von Minute vier bis Minute 24 trat Ackermann 345 Watt, also 4,66 Watt/kg. Ein außergewöhnlich starker Wert, der nur etwa 10 bis 20 Watt unter seiner anaeroben Schwelle liegt. Fast noch beeindruckender ist Ackermanns Durchschnittsleistung in der ersten Stunde des Rennens: 333 Watt, was einer Leistung von 4,5 Watt/kg entspricht. Für die gesamte Dauer fuhr Ackermann mit einer durchschnittlichen Trittfrequenz von 82 Umdrehungen pro Minute. Eine relativ niedrige Trittfrequenz, aber kein Extremwert. Auffällig hingegen ist das Verhältnis der Kraftverteilung auf dem linken und rechten Pedal. Dieser Wert liegt bei 46 Prozent auf der linken und 54 Prozent auf der rechten Seite. "Die Verteilung liegt bei mir meistens in diesem Bereich, ich trete immer so. Das könnte mit der Verdrehung meiner Hüfte beim Fahren zu tun haben, aber sicher bin ich mir da nicht", mutmaßt Ackermann. Aufgezeichnet hat der Kölner seine Daten mit einem "power2max Type S Road". 

Die Auswertung von Johann Ackermanns Leistungsdaten beim Ironman Texas 2018 im Überblick.

Die Auswertung von Johann Ackermanns Leistungsdaten beim Ironman Texas 2018 im Überblick.

Für uns hat der 34-Jährige die Radfahrt noch einmal eingeordnet: "Ich wusste, dass ich etwas riskieren muss, um für den Marathon ein Polster aufzubauen. Auf dem Rad wollte ich Andrew Starykowicz möglichst früh klar machen, dass wir mit fairem Abstand zusammenarbeiten sollten. Blöderweise hat er zwischendurch trotzdem immer wieder attackiert und ich musste relativ häufig Leistungsspitzen von über 400 Watt setzen, um ihm noch folgen zu können. Ab Kilometer 100 habe ich ihn dann ziehen lassen, meine Leistung etwas heruntergeschraubt und bin von dort an alleine bis zur zweiten Wechsel gefahren. Er scheint diese hohen Wattzahlen ja bis zum Ende durchgetreten zu haben, davor kann ich nur meinen Hut ziehen. Das ist wirklich beeindruckend."

Trotz der berechtigten Windschattendiskussionen ist es Ackermann und Starykowicz gelungen, ohne Gruppe und über lange Strecken sogar komplett alleine zwei der schnellsten Radsplits in der Langdistanzgeschichte zu fahren. Ackermanns Einschätzung: "Auch wenn ich auf der zweiten Radrunde erschrocken war, wie teilweise bei den Agegroupern gefahren wurde, muss man ganz klar sagen, dass die Bedingungen am Renntag einfach perfekt waren. Es war windstill, wir hatten ideale Temperaturen und wir sind auf einem Highway gefahren – einfacher geht es ja quasi nicht. Laut meiner Aufzeichnung hatte die Radstrecke auch nur knapp 500 Höhenmeter, was natürlich unglaublich schnelle Zeiten ermöglicht." 

Während der ersten Stunde auf dem Rad erzielte Ackermann eine Durchschnittsleistung von 333 Watt.

Während der ersten Stunde auf dem Rad erzielte Ackermann eine Durchschnittsleistung von 333 Watt.

60 Watt mehr als die Verfolgergruppe, aber nur 7 Minuten schneller

Die Auswirkungen des Windschattenfahrens machten sich allerdings nicht nur bei den Agegroupern bemerkbar, sondern offensichtlich auch im Profifeld. Die zwölf Mann starke Verfolgergruppe mit den späteren Top-7-Männern im Ziel fuhr nur etwa sieben Minuten langsamer als Ackermann. Aus den Aufzeichnungen von Tim Van Berkel, Jan van Berkel und Daniil Sapunov (der gegen Ende der Fahrt allerdings aus der Gruppe herausgefallen ist) bei Strava geht hervor, dass sich die Leistung dort im Durchschnitt zwischen 230 und 250 Watt bewegte. Daran wird deutlich, welchen Effekt das Fahren in der Gruppe hat, selbst wenn 12 Meter Abstand eingehalten werden. Diese Daten machen auch Johann Ackermann etwas missmutig: "Es ist schade, dass Athleten wie ich Risiken eingehen müssen, aber damit kaum eine Chance haben, dafür belohnt zu werden. Die Regeln sind leider so, aber bei diesen Werten wird klar, wie die unfassbar schnellen Laufzeiten von den Athleten aus der Verfolgergruppe überhaupt möglich waren. Ich bin sehr glücklich mit meinem Rennen, der Gesamtzeit und den Einzelsplits. Gleichzeitig ist es aber traurig zu sehen, dass man mit diesen Leistung in einem solchen Wettkampf nur Zehnter wird und vor allem, unter welchen Umständen diese Platzierung zustande kommt."

 

Tim Van Berkel ist knapp acht Minuten langsamer gefahren als Johann Ackermann und war mit einer Durchschnittsleistung von 226 Watt unterwegs - 68 Watt weniger als Ackermann. Dieser Wert verdeutlicht, welchen Einfluss das Fahren in der Gruppe trotz des 12-Meter-Abstandes speziell auf flachen und schnellen Kursen haben kann.

Tim Van Berkel ist knapp acht Minuten langsamer gefahren als Johann Ackermann und war mit einer Durchschnittsleistung von 226 Watt unterwegs - 68 Watt weniger als Ackermann. Dieser Wert verdeutlicht, welchen Einfluss das Fahren in der Gruppe trotz des 12-Meter-Abstandes speziell auf flachen und schnellen Kursen haben kann.