Katrin Friedrich unter Ferraris

An Sparringspartnern mangelt es Katrin Friedrich nicht. Unverhofft konnte sich unsere Bloggerin auf einer Tour mit Ronnie Schildknecht fit machen für den Ironman Hawaii.

Von > | 26. September 2017 | Aus: SZENE

Katrin Friedrich (links) mit Ronnie Schildknecht (rechts) bei der Kaffee-Pause.

Katrin Friedrich (links) mit Ronnie Schildknecht (rechts) bei der Kaffee-Pause.

Foto >Prviat

Mein erstes erfolgreiches Trainingsdate habe ich mit Susanne Davis. Susanne war früher Triathlonprofi, 2013 AK-Ironman-Weltmeisterin, jetzt ist sie Coach und startet auf Hawaii in meiner Altersklasse. Vor allem: Susanne hat vormittags Zeit zum Trainieren. Perfektes Match! Wir treffen uns um sieben Uhr bei Starbucks und sie zeigt mir den Weg nach „Camp Pendelton“. Camp Pendelton ist eigentlich ein Militär-Gebiet der US-Marine. Radfahrer sind hier aber gern, weil es dort lange, flache Strecken mit wenig Verkehr gibt. An der Einlasskontrolle ist man von meinem deutschen Dokument irritiert - ich habe den Führerschein eingesteckt, weil der so schön klein in die Trikottasche passt. Den Reisepass würden man hier lieber sehen, wird mir gesagt. Nach kleiner Diskussion darf ich dann aber doch mit Susanne reinfahren. Besonders herrlich ist der still gelegte, alte Pacific-Coast Highway. Kilometerweit geht es dort ganz ohne Autoverkehr flach geradeaus. Perfekt für Intervalltraining! Beim Anblick von Susannes hochspezialisiertem, mega-aerodynamischen Trek-Racing-Bike werde ich ziemlich blass und muss an Rolf, meinen Freund und Radmechaniker denken: So ein Fahrrad muss man wohl fahren, um auf Hawaii vorn zu landen!

You never ride alone: Schnell hat Katrin Friedrich im Trainingslager Anschluss gefunden.

You never ride alone: Schnell hat Katrin Friedrich im Trainingslager Anschluss gefunden.

Foto >Prviat

Noch am selben Tag verbindet mich Sylvie mit ihrem langjährigen Kumpel Juliano Teruel: „Hi, guys, please meet each other – Katrin from Hannover and Juliano from Brazil.“ Juliano ist auch ehemaliger Triathlonprofi – auch Coach. Das scheint in Kalifornien normal zu sein. Hätte nicht gedacht, dass eine Lehrerin hier als Exotin durchgeht. Juliano schreibt mir, ein Freund sei zu Besuch. Der käme dann mit Radfahren. Sein Name sei Ronnie Schildknecht. Ob ich ihn vielleicht kenne. „WAAAAS?“ Natürlich kenne ich Ronnie Schildknecht. Er ist einer der besten Profi-Triathleten der Welt! Dieses Jahr zweiter beim Ironman Texas in unter acht (!) Stunden!! Wütend zeige ich Sylvie Julianos Nachricht. Das habe sie nun davon. Wenn sie mich in den sozialen Medien derart übertrieben anpreisen würde, dann käme eben das dabei raus! Sylvie lacht und sagt, ich könne da ruhig mitfahren. Die würden schon auf mich aufpassen und außerdem sei ich auf dem Rad ja auch keine Schnecke. So überredet sie mich dann.

Wir treffen uns etwas entfernt in Rancho Santa Fe. Als ich am Treffpunkt ankomme und schreibe: „I am here“ schreibt Juliano zurück „We are, too. Right by main road with all the Ferrari.“ Die Ferraris sind außer Juliano und Ronnie noch zwei weitere Radfahrer: Christopher, der sich auch auf Hawaii vorbereitet und zu meiner Erleichterung auch noch eine zweite Frau: Rachel. Nach 40 Kilometern wird angehalten – Ronnie sagt in seinem ulkigen schweizerenglisch, das erste, was beim Radfahren zu lernen sei: die Kaffeepause. Keine Radausfahrt ohne Kaffee. Wir sitzen bei Starbucks in der Sonne, quatschen, scherzen rum. Es ist klasse! Entspannt! Am Ende fahren wir zusammen 105 bergige Kilometer durchs Inland, das Tempo ist total okay und die Stimmung super. Rachel ist eine unfassbar gute Bergab-Fahrerin, am Anfang bin ich auf der unbekannten Strecke noch ängstlich, am Ende hänge ich mich bei ihr hinten rein und komme auch schnell mit allen anderen die Berge runter. Das macht irre Spaß! Am Ende bin ich sogar noch fit genug, um meinen Trainingsplan für den Tag zu erfüllen, fahre 70 Kilometer an der Küste auf dem Highway 101 alleine weiter und laufe im Anschluss fünf Kilometer durch die herrlichen Hügel von Rancho Santa Fe. Lou Reed: What a perfekt day! Am Abend schickt mir Rachel die Bilder, die sie unterwegs gemacht hat und es stellt sich heraus, dass sie ein bisschen Deutsch kann! Wir texten auf Deutsch hin und her. Es ist einfach wunderbar, wie viele tolle Menschen ich durch den Sport kennenlernen darf! Spätestens in Kona sehe ich sie wieder, die „Ferraris“!

Noch 17 Tage bis Hawaii!

Aloha, Eure Katy