Kienle erläuft sich ersten Championship-Titel

In einem Rennverlauf, der kaum spannender hätte sein können, rennt Sebastian Kienle kurz vor Schluss an Pieter Heemeryck vorbei und gewinnt The Championship 2019.

Von > | 2. Juni 2019 | Aus: SZENE

Glücklicher Sieger: Im dritten Anlauf gewinnt Sebastian Kienle nach zwei zweiten Plätzen seinen ersten Titel bei The Championship in Samorin.

Glücklicher Sieger: Im dritten Anlauf gewinnt Sebastian Kienle nach zwei zweiten Plätzen seinen ersten Titel bei The Championship in Samorin.

Foto >José Luis Hourcade

Dramatischer hätte es sich wahrscheinlich kaum ein Hollywood-Regisseur ausdenken können: Nachdem Sebastian Kienle 2018 noch kurz vor Schluss von Lionel Sanders beim Laufen eingeholt wurde und den Sieg in Samorin zum zweiten Mal nur knapp verpasste, drehte er den Spieß in diesem Jahr um. Trotz seiner Laufverletzung im Winter und immer noch vorhandenen Trainingsrückständen in der dritten Disziplin legte Kienle, der nach dem Radfahren noch mehr als zwei Minuten Rückstand auf den Führenden hatte, den schnellsten Halbmarathon des Tages in 1:11:29 Stunden hin und lief kurz vor Schluss noch an Pieter Heemeryck (BEL) vorbei, der das Rennen über mehrere Stunden alleine an der Spitze anführte.

Kanute dominiert Schwimmen, Kienle mit drei Minuten Rückstand

Nachdem in den Tagen vor dem Wettkampf lang spekuliert wurde, dass das Schwimmen aufgrund der kalten Wassertemperaturen und starken Strömung verkürzt werden würde, gab es am Rennmorgen eine Stunde vor dem ersten Startschuss Entwarnung: Es wurden 14,4 Grad gemessen und dementsprechend die kompletten 1,9 Kilometer der Auftaktdisziplin absolviert. Die Lufttemperatur stieg im Verlauf des Rennens sogar bis auf 29 Grad Celsius an. Das Schwimmen lief so, wie es im Vorfeld viele erwartet hatten: An der Spitze war es Kurzdistanzler Ben Kanute, der die Initiative ergriff und sich zusammen mit Max Neumann (AUS) absetze. Nach 22:51 Minuten kam das Duo aus dem Wasser. Die erste große Gruppe, in der sich unter anderem Pieter Heemeryck, Florian Angert, Maurice Clavel, Rodolphe Von Berg und Frederic Funk befanden, folgte mit einem Abstand von 45 bis 60 Sekunden. Sebastian Kienle musste einen Rückstand von knapp drei Minuten auf die Führenden hinnehmen, Andreas Dreitz kam etwas mehr als drei Minuten nach Kanute aus dem Wasser. 

Heemeryck fährt allen davon

Auf dem Radkurs, bei dem die 20-Meter-Drafting-Regel galt, setzte sich nach nur wenigen Kilometern Pieter Heemeryck an die Spitze. Nachdem zunächst noch Ben Kanute für einen kurzen Moment mitfuhr, setzte sich Heemeryck von allen Verfolgern ab und fuhr alleine an der Spitze des Feldes. Dahinter formierte sich eine Gruppe um Kanute, Angert, Clavel, Von Berg und Funk. Sebastian Kienle und Andreas Dreitz fuhren dahinter zwar schnell und machten einige Sekunden gut, konnte den Vorsprung von Heemeryck und der Spitzengruppe allerdings nicht signifikant verkleinern. Nach 2:22:29 Stunden kam Heemeryck als Führender in die zweite Wechselzone, 35 Sekunden vor Florian Angert, der noch ein paar Sekunden auf seine Mitstreiter herausfuhr. Andreas Dreitz überholte Sebastian Kienle am Ende der Radstrecke noch und stieg als Fünfter vom Rad, eine gute Minute hinter dem führenden Belgier. Kienle wechselte an Position acht in die Laufschuhe und lag zu diesem Zeitpunkt satte 2:30 Minuten hinter Heemeryck, der von Kienles ehemaligem Coach Lubos Bilek trainiert wird. 

Pieter Heemeryck absolviert die komplett flachen 90 Kilometer in 1:56:01 Stunden und steigt als Erster vom Rad.

Pieter Heemeryck absolviert die komplett flachen 90 Kilometer in 1:56:01 Stunden und steigt als Erster vom Rad.

Foto >Simon Müller / spomedis

Kienle läuft zum Titel, Von Berg starker Dritter 

Nach dem Radfahren sah es zunächst sogar danach aus, dass der Sieg für Sebastian Kienle fast schon außer Reichweite ist. Der 34-Jährige lief allerdings von Beginn an entfesselt und fokussiert und machte schnell einige Platzierungen gut. Nach etwa zehn Kilometern lief er gemeinsam mit dem jungen US-Amerikaner Rodolphe Von Berg am Duo um Florian Angert und Maurice Clavel vorbei, die zu diesem Zeitpunkt die Plätze zwei und drei belegten. Der Vorsprung von Pieter Heemeryck schmolz von Kilometer zu Kilometer – allerdings nur sehr langsam. Nachdem sich Kienle nach vielen Kilometern Seite an Seite mit Von Berg vom US-Amerikaner löste, war bei Kilometer 18 schließlich auch Heemeryck fällig: Sebastian Kienle zog mit einem schnellen Überholmanöver am Führenden vorbei und setzte sich an die Spitze des Rennens. Von da an ließ der Ironman-Weltmeister von 2014 nichts mehr anbrennen. Mit einem lauten Jubelschrei und einer fabelhaften Laufzeit von 1:11:29 Stunden auf dem schwierigen Kurs überquerte der Deutsche nach 3:38:49 Stunden als Sieger die Ziellinie und sicherte sich im dritten Anlauf seinen lang ersehnten ersten Sieg bei The Championship.

Nur innerhalb von einer Minute folgten nach Kienles rasanter Aufholjagd Pieter Heemeryck (3:39:21 Stunden) und Rodolphe Von Berg (3:39:49 Stunden) auf den Plätzen zwei und drei. Andreas Dreitz lief bei den heißen Bedingungen einen starken Halbmarathon in 1:13:52 Stunden und erkämpfte sich am Ende noch Platz vier (3:40:12 Stunden). Florian Angert (3:41:27 Stunden) und Maurice Clavel (3:42:06 Stunden) belegten die Ränge fünf und sechs, Ruedi Wild (SUI) wurde Siebter (3:43:05 Stunden). Frederic Funk (3:44:22 Stunden) belegte am Ende Platz elf und landete damit einen Rang vor Ben Kanute (3:47:02 Stunden), der am Ende des Halbmarathons noch stark einbrach und viel Zeit liegen ließ. 

Auf der Überholspur: Seite an Seite laufen Kienle und Von Berg gemeinsam nach vorn.

Auf der Überholspur: Seite an Seite laufen Kienle und Von Berg gemeinsam nach vorn.

Foto >Simon Müller / spomedis

The Championship 2019 | Männer

2.6.2019 | Samorin (Slowakei)

Name

Land

Gesamt

1,9 km swim

90 km bike

21,1 km run

1

Sebastian Kienle

GER

3:38:49

25:43

1:56:26

1:11:29

2

Pieter Heemeryck

BEL

3:39:21

23:50

1:56:01

1:14:37

3

Rodolphe Von Berg

USA

3:39:49

23:41

1:57:09

1:13:48

4

Andreas Dreitz

GER

3:40:12

26:15

1:54:05

1:13:52

5

Florian Angert

GER

3:41:27

23:37

1:56:31

1:16:16

6

Maurice Clavel

GER

3:42:06

23:41

1:57:05

1:16:28

7

Ruedi Wild

SUI

3:43:05

24:48

2:00:22

1:13:37

8

Max Neumann

AUS

3:43:15

22:54

2:00:45

1:14:10

9

David McNamee

GBR

3:43:39

23:43

2:00:26

1:14:13

10

Adam Bowden

GBR

3:44:06

23:34

2:00:02

1:15:05

11

Frederic Funk

GER

3:44:22

23:34

1:58:07

1:17:03

Swipe me