Kienle und Beranek im Kampf um Hawaii

Am vorletzten Ironman-Wochenende des Jahres wollen Sebastian Kienle und Anja Beranek den Grundstein für 2018 legen: Kienle kann sich auf Cozumel für den Ironman Hawaii qualifizieren, Beranek einen großen Schritt dahin machen.

Von > | 22. November 2017 | Aus: SZENE

Sebastian Kienle beim Ironman Hawaii 2017.

Sebastian Kienle beim Ironman Hawaii 2017.

Foto >Nils Flieshardt / spomedis

Es seien "erst Ziele, die dem Leben einen Sinn geben", schrieb Anja Beranek wenige Wochen nach dem Ironman Hawaii auf ihrer Facebook-Seite - und ein solches hat sie schnell wieder gefunden, nachdem es für sie auf Big Island gar nicht nach Wunsch gelaufen war. Zwar sei sie in herausragender Verfassung angereist, doch in der ersten Stunde des Radrennens habe sie sich verleiten lassen, deutlich zu schnell zu fahren, weswegen ihre Kohlenhydratspeicher viel zu früh geleert gewesen seien und sie während des Marathons schließlich ausstieg. Das möchte Beranek etwas mehr als einen Monat später besser machen und damit zugleich die wichtige Basis für ihren Hawaii-Start 2018 legen: Am Wochenende will die Deutsche ihren Pflicht-Ironman auf Cozumel abhaken und könnte ihr (durch den Sieg beim Ironman 70.3 Rügen und Rang zwei in Zell am See bereits vorgefülltes) Punktekonto mit einem Sieg auf bereits 2.900 Qualifikationspunkte aufstocken. Das würde für die Hawaiiqualifikation zwar vermutlich noch nicht reichen, würde es Beranek aber erlauben, der neuen Saison entspannt entgegenzublicken - ohne Stress, noch Rennen mit hoher Punktewertigkeit hinterherjagen zu müssen.

Schärer fällt aus

Die Voraussetzung für einen entspannten Start ins Triathlonjahr 2018 wäre aber eben jener Sieg oder zumindest eine Podestplatzierung auf Cozumel. Weil Beranek nicht die einzige Profi-Triathletin ist, die diese Idee hat, wird das zwar kein Selbstläufer - ein bisschen Glück hat die Deutsche dann aber doch auch: Drei ihrer nominell stärksten gemeldeten Konkurrentinnen, Michelle Vesterby, Helle Frederiksen (beide DEN) und Sarah Piampiano (USA) waren schon am vergangenen Wochenende beim Ironman Arizona aktiv und dürften das Rennen in Mexiko daher wohl eher auslassen. Zudem hat sich die Ironman-Switzerland-Siegerin Celine Schärer (SUI) in einem Radrennen auf Cozumel den Wadenbeinknochen gebrochen und wird daher nicht wie geplant starten können.

Trotzdem droht nicht die Gefahr, das Beranek das Rennen auf die leichte Schulter nehmen könnte. Allen voran die ebenfalls gemeldete Sonja Tajsich, die als Mitorganisatorin des (ehemaligen?) Challenge-Rennens in Regensburg derzeit auch außersportlich alle Hände voll zu tun hat, könnte Beranek zu schaffen machen. Außerdem haben sich unter anderem die US-Amerikanerinnen Dede Griesbauer, Alicia Kaye und Lisa Roberts, die bei der Challenge Roth 2017 ein Asthmaspray nicht korrekt angemeldet hatte, aber nicht gesperrt wurde, angekündigt.

Deutsches Duell?

Sebastian Kienle kann dem Rennen schon jetzt etwas entspannter entgegenblicken als Anja Beranek, denn dem Hawaii-Vierten reicht als ehemaligen Ironman-Weltmeister bereits ein solides Finish, um seinen Startplatz beim Ironman Hawaii 2018 zu lösen. Die Ambitionen, mit denen Kienle nach Cozumel gereist ist, dürften dennoch andere sein. Erst am vergangenen Wochenende hat der in Mühlacker ansässige 33-Jährige schließlich beim Island House Triathlon auf den Bahamas mit den siebten Rang in einem Weltlassefeld auf ungewohnt kurzen Distanzen nachgewiesen, dass es um seine Form im November 2017 nicht schlecht bestellt sein kann. Es wäre daher natürlich alles andere als eine Überraschung, sollte Kienle auf Cozumel ein oder auch mehrere Wörtchen im Kampf um den Sieg mitsprechen.

Wie auch bei Beranek kommt einer seiner Hauptkonkurrenten aus Deutschland: Stefan Schmid will 2017 an seinen Sieg auf Cozumel im Jahr 2015 anknüpfen und erneut um einen Platz ganz vorne mitkämpfen. Auch der schon einmal dopinggesperrte Österreicher Michael Weiss, Miquel Blanchart (ESP), Jens Petersen-Bach (DEN), Ivan Rana (ESP) und Ex-Kurzdistanzler Jarrod Shoemaker (USA) haben für den Wettkampf gemeldet. Jeff Symonds (CAN) und Jeremy Jurkiewicz (FRA) stehen zwar ebenfalls auf der Startliste, ihre Finishs in Arizona am vergangenen Wochenende lassen einen erneuten Start aber unwahrscheinlich erscheinen.