Kienle siegt, Frodeno Dritter

Eine Durststrecke von sieben sieglosen Jahre liegt hinter den Deutschen - bis Sebastian Kienle sich 2014 den Ironman-Titel in Kona holt. Jan Frodeno erlebt als Dritter einen Einstand nach Maß.

Von > | 8. Oktober 2018 | Aus: SZENE

Sebastian Kienle fährt auf dem Queen Kaahumanu Highway in einer eigenen Liga.

Sebastian Kienle fährt auf dem Queen Kaahumanu Highway in einer eigenen Liga.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Vier Stunden, 20 Minuten und 46 Sekunden - die Radleistung von Sebastian Kienle an diesem 11. Oktober 2014 ist die Grundlage für den ersten deutschen Sieg bei der Ironman-WM auf Hawaii seit Normann Stadlers zweitem Triumph im Jahr 2006. Sein dreieinhalbminütiger Rückstand aus dem Schwimmen auf die beiden Schnellsten, Andy Potts und Jan Frodeno, bleibt im geplanten Rahmen. Mit dem Belgier Marino Vanhoenacker, Cyril Viennot aus Frankreich, dem Vorjahreszweiten Luke McKenzie und besonders mit seinem Landsmann Maik Twelsiek macht sich Kienle sofort auf die Verfolgung der Spitzengruppe, in der mit Frodeno, Andreas Raelert und Nils Frommhold weitere drei Deutsche gut platziert sind.

Frodeno wie in Frankfurt mit Pannenpech

Frodeno kann kurzzeitig sogar die Führung des Rennens übernehmen, wird aber zunächst durch eine Reifenpanne und später durch eine Zeitstrafe durch einen zu langen Überholvorgang zurückgeworfen. Kienle prescht über zehn Minuter schneller als jeder andere über den Queen Kaahumanu Highway, setzt sich allein an die Spitze. Die US-Amerikaner Ben Hoffman und Andy Potts und der deutsche Rookie Jan Frodeno laufen zwar schneller als Kienle – doch der kann seinen Triumph im Ziel nach 8:14:18 Stunden über fünf Minuten lang auskosten, bevor Hoffman als Zweiter über die Ziellinie läuft. Jan Frodeno, der den Ironman als Olympiasieger auf der Kurzdistanz einst ein bisschen belächelt hat, erlebt einen Einstand nach Maß und wird Dritter. 

Nils Frommhold ist auf Platz sechs der dritte Deutsche, Faris Al-Sultan muss erstmals aus dem Rennen aussteigen – ausgerechnet bei seinem letzten Start als Profi. Bei 13 Teilnahmen hat es Al-Sultan neunmal in die Top Ten geschafft, 2005 sogar den Titel geholt. 

Ironman World Championship 2014 | Männer

Name

Nation

Gesamt

3,86 km Swim

180 km Bike

42,195 km Run

1

Sebastian Kienle

GER

8:14:18

54:38

4:20:46

2:54:36

2

Ben Hoffman

USA

8:19:23

51:20

4:32:20

2:51:25

3

Jan Frodeno

GER

8:20:32

50:56

4:37:19

2:47:46

4

Andy Potts

USA

8:21:38

50:56

4:36:56

2:48:18

5

Cyril Viennot

FRA

8:22:19

54:32

4:31:18

2:51:55

6

Nils Frommhold

GER

8:22:29

51:14

4:34:11

2:52:45

7

Tim Van Berkel

AUS

8:23:26

51:21

4:36:45

2:50:53

8

Frederik Van Lierde

BEL

8:24:11

51:03

4:32:17

2:56:21

9

Bart Aernouts

BEL

8:28:28

55:43

4:37:47

2:50:12

10

Romain Guillaume

FRA

8:30:15

51:08

4:34:23

2:59:58

11

Maik Twelsiek

GER

8:31:06

54:38

4:24:03

3:07:20

12

Ronnie Schildknecht

SUI

8:33:35

55:39

4:38:09

2:54:54

16

Michael Weiss

AUT

8:38:27

1:00:52

4:33:55

2:58:35

20

Boris Stein

GER

8:40:42

1:01:52

4:36:43

2:57:54

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Carfrae rennt aus aussichtsloser Position zum Sieg

Bei den Frauen sind es die Amerikanerinnen Amanda Stevens und Meredith Kessler, die zusammen mit der Britin Jodie Swallow nach 54:25 Minuten aus dem Wasser kommen. Doch auf dem Queen Kaahumanu Highway ist es bald die Schweizerin Daniela Ryf, die den größten Vorwärtsdrang zeigt – nach einer herausragenden Saison ist sie als Rookie nach Hawaii gekommen und will vor allem auf dem Rad „Spaß haben“. Mit ihrer Landsfrau Caroline Steffen kommt sie der Spitze immer näher, am Wendepunkt in Hawi ist sie bereits eineinhalb Minuten vorn, in der zweiten Wechselzone sind es zwei Minuten vor der Britin Rachel Joyce. Und Titelverteidigerin Mirinda Carfrae? Die liegt eine Viertelstunde hinter der Spitze – eigentlich aussichtslos.

Doch die Australierin gibt sich nicht geschlagen: Nach nur fünf Laufkilometern hat sie den Rückstand auf die führende Ryf bereits um eineinhalb Minuten verkürzt. Die Entscheidung fällt wie so oft im berüchtigten Energy Lab. Während Ryf sichtlich mit der Hitze zu kämpfen hat und Tempo rausnehmen muss, schiebt sich Carfrae auf Platz drei vor und fliegt wenig später auch an Rachel Joyce vorbei. Bei Kilometer 36 ist Carfrae auch an Ryf dran – und vorbei. Nach 9:00:55 Stunden feiert die Australierin ihren dritten Ironman-Sieg auf Hawaii. Nur zwei Minuten später gelingt Daniela Ryf der bis dato größte Erfolg ihrer Karriere und der krönende Abschluss einer aufsehenerregenden Saison. Rachel Joyce, die Zweite des Vorjahres, muss dieses Mal mit Platz drei Vorlieb nehmen – nur 90 Sekunden nach Ryf überquerte sie die Ziellinie am Alii Drive. Caroline Steffen wird nach 9:12:43 Stunden Fünfte. Einen gelungenen Einstand feiert Julia Gajer auf Platz sechs. Sie wird bei ihrem ersten Hawaiistart für eine kluge Renneinteilung mit dem bisher größten Erfolg ihrer Karriere belohnt.

Mirinda Carfrae macht das Unmögliche möglich - und rennt aus ausichtsloser Position zum Sieg.

Mirinda Carfrae macht das Unmögliche möglich - und rennt aus ausichtsloser Position zum Sieg.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Ironman World Championship 2014 | Frauen

Name

Nation

Gesamt

3,86 km Swim

180,2 km Bike

42,195 km Run

1

Mirinda Carfrae

AUS

9:00:55

1:00:14

5:05:48

2:50:26

2

Daniela Ryf

SUI

9:02:57

0:56:55

4:54:33

3:07:00

3

Rachel Joyce

GBR

9:04:23

0:56:47

4:56:49

3:06:27

4

Jodie Swallow

GBR

9:10:19

0:54:28

5:02:46

3:08:45

5

Caroline Steffen

SUI

9:12:43

0:56:53

5:02:03

3:08:43

6

Julia Gajer

GER

9:16:58

1:00:17

5:06:13

3:04:39

7

Liz Lyles

USA

9:18:11

1:00:19

5:10:15

3:03:24

8

Gina Crawford

NZL

9:19:21

0:55:04

5:17:30

3:01:49

9

Mary Beth Ellis

USA

9:20:46

0:54:56

5:00:04

3:21:24

10

Liz Blatchford

AUS

9:23:34

0:54:59

5:13:30

3:10:16

13

Simone Brändli

SUI

9:32:33

0:56:46

5:16:06

3:14:43

24

Natascha Badmann

SUI

9:50:37

1:06:39

5:12:08

3:25:06

26

Kristin Möller

GER

9:52:02

1:15:23

5:24:50

3:07:39

73

Katja Konschak

GER

10:42:55

57:09

5:39:08

3:59:28

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