Ein großer Sprung nach vorn

Erstens kommt es anders. Und zweitens als man denkt. So sagt man doch, wenn Dinge anders laufen als erwartet. Und "laufen" ist das richtige Stichwort.

Von > | 9. Februar 2018 | Aus: SZENE

Manchmal läuft es anders, als gedacht.

Manchmal läuft es anders, als gedacht.

Foto >Privat

Am Wochenende war Porzer Winterlaufserie Teil II. Ich habe Teil I wegen schlechter Laune ausfallen lassen. Dafür wollte ich dieses Mal zeigen, was in mir steckt. Um meiner Motivation Ausdruck zu verliehen, habe ich mich in mein Karnevalskostüm geschält und bin als blaues Einhorn verkleidet an den Start gegangen. Drei Runden à fünf Kilometer, großteils durch den Wald, gespickt mit ein bisschen Straße. Dumm nur, dass mein Kostüm für sehr viel Aufmerksamkeit bei den anwesenden Kindern gesorgt hat, die alle mal auf einem Einhorn reiten wollten. 

Also habe ich vor dem Rennstart nach und nach insgesamt zwölf Kinder Huckepack genommen und bin ein paar Meter mit ihnen getrabt. Die Knirpse hatten Spaß – und ich danach schwere Beine. Auf der ersten Fünfer-Runde konnte ich die noch gut ignorieren. Ich bin knapp 24 Minuten gelaufen und war damit schneller als angedacht. Die zweite Runde wurde schon langsamer und dauerte 26 Minuten. Und dann zog jemand den Stecker. Nichts ging mehr, ich legte sogar kurz eine Pause ein und habe einen Moment überlegt aufzuhören. Aber mein Kopf wollte das nicht zulassen und so machte ich mich auf in die letzte Runde, schleppte mich wie durch Teer vorwärts, hatte Krämpfe und null Bock mehr. Was mich über Wasser hielt, waren die immer wieder lustigen Kommentare der mittlerweile vorbeiziehenden Mitstreiter. "Ist das nicht zu warm?" und "Oh je, ich sehe schon Einhörner" waren meine Favoriten. Dennoch war der Lauf mittlerweile zäh wie Kaugummi und in erster Linie Kopfsache. 

Nach 1:19 Stunde war ich im Ziel. Und völlig hinüber. Ob sich der Marathon am Ende der Langdistanz wohl genauso schwer anfühlen wird? Es war vermutlich nicht die beste Kombi, am Vortag wie jeden Samstag indoor auf dem Rad zu strampeln, aber ich gebe den Cycling-Kurs nun mal und kann nicht einfach fehlen. Dafür sind mir aber zwei Dinge klar:

  • Das Tapering vor dem Ironman macht garantiert Sinn, um frisch ins Rennen zu gehen und ich werde die Zeit nutzen, um ausgiebig die Füße hochzulegen.
  • Der Kopf ist neben der sportlichen Vorbereitung der wohl entscheidendste Faktor. Mir hätte also nichts Besseres passieren können, als auch mal einen schlechten Tag zu haben und so meinen Willen zu trainieren.

Mental habe ich auf jeden Fall einen großen Sprung nach vorn gemacht. Und das feiere ich heute. Mit einem lockeren 15-Kilometer-Lauf. Ohne Zeitnahme und ohne Kostüm. Aber mit viel Sonne und dem guten Gefühl, dass ich den Ironman wirklich schaffen werde.