Kraft der Elemente: Feuer

Hawaii strotzt nur so vor naturgewaltiger Energie. Unsere Autorin Laura-Sophie Usinger ist den Elementen der Insel auf der Spur. Ihre erste Station: Volcanoes National Park.

Von > | 7. Oktober 2017 | Aus: SZENE

Das getrocknete, schwarze Lavagestein schimmert rötlich wegen des fließenden Lava-Stroms.

Das getrocknete, schwarze Lavagestein schimmert rötlich wegen des fließenden Lava-Stroms.

Foto >Laura-Sophie Usinger

Feuer. Feuer ist das Element, dem Hawaii seine Entstehung verdankt. Heiße Vulkane haben das Archipel mitten im Pazifik vor Jahrmillionen entstehen lassen und formen es bis heute jeden Tag neu. Die schillerndste Figur dieser Entstehung ist Pele, die Göttin der Vulkane. In der hawaiianischen Mythologie ist sie für die gewaltigen Kraftakte verantwortlich.

Pele meldet sich immer dann, wenn sie verärgert ist. So heiß und impulsiv ihr Name klingt (Pele bedeutet geschmolzene Lava), so schwierig ist sie zu bändigen. Die Polynesier konnten ihren Zorn durch Opfergaben seit 1983 kaum mildern. Denn seitdem dauert die letzte Eruption des aktivsten Vulkans der Welt, dem Kilauea im Südosten der Insel an. Wem die Phantasie für die Legende um Pele und ihrem Wohnort, der direkt am Krater liegen soll, fehlt, der sei getröstet: Mittlerweile gibt es auch wissenschaftliche Stationen, die die Vorgänge am Krater beobachten.

Rauch steigt empor aus dem Halema\'uma\'u-Krater.

Rauch steigt empor aus dem Halema'uma'u-Krater.

Foto >Laura-Sophie Usinger

Die nord-westlichste Insel von Hawaii ist die älteste. Durch die Driftbewegung der pazifischen Platte nach Nord-Westen kann man im Süd-Osten, auf Big Island, der jüngsten hawaiianischen Insel, beim Wachsen zuschauen. Weltentstehung im Zeitlupentempo. Der Vulkan produziert jeden Tag hunderttausende Kubikmeter Lava. Seit 1994 wurden zwei Quadratkilometer neues Land hinzugewonnen. 

Zu Besuch im Volcanoes National Park.

Die vulkanische Aktivität oberhalb des Ozeans zu beobachten, hat etwas Magisches und Anziehendes. Nähert man sich dem Nationalpark, dann sieht man schon von weitem Gase aus dem Krater aufsteigen. Der Schwefelduft ist surreal. Unter dem gesamten Vulkan-Nationalpark brodelt es. Die stundenlange Wanderung bis zur fließenden Lava ein bisschen weiter östlich verzaubert schließlich vollends. Über vulkanisches Gestein nähert man sich den leuchtend roten Rinnsalen in der Ferne. Sie fließen aus 1.200 Metern Höhe an der Flanke des Mauna Loa herunter, bis sie sich ihren Weg bis zum Pazifik bahnen. Das Knistern der Lava ist verlockend. Je näher man kommt, desto wärmer wird es. Das Feuer strahlt ab. Das ältere Lavagestein leuchtet rötlich im Schatten des neuen Lavaflusses. 

Riesiges Lavafeld auf Big Island.

Riesiges Lavafeld auf Big Island.

Foto >Laura-Sophie Usinger

Feuer lässt Neues entstehen. Feuer zieht Menschen an und bringt sie zusammen. Feuer ist ein Teil des großen Ganzen. Alles fließt, nichts bleibt. Magma wird zu Lava. Lava zu Gestein. Gestein zu Land. Feuer zu sehen heißt auch, es in den Menschen zu entfachen.

Ein ähnliches Phänomen kann man seit einigen Jahrzehnten im Nord-Westen der Insel beobachten. Weltgeschichtlich ein Wimpernschlag. Doch hier betritt man ebenfalls feuriges Land. Hier brodelt es unter dem ganzen Gebiet von Kailua-Kona – dauerhaft. Und jedes Jahr im Oktober kommt es zu Ausbrüchen. Es ist spektakulär, die glühenden Triathlonströme zu beobachten.

Zoomt man hinein, entdeckt man einzelne Triathleten. Diese springen zunächst ins Wasser und schwimmen. Setzen sich anschließend aufs Rad und fahren, um später in die Schuhe zu schlüpfen und zu laufen. Diese Sportler verändern ständig ihre Form. Alles fließt. Nichts bleibt. Auch ein Triathlon ist das Spiel mit dem Feuer.

Bei Kalapana fließt heiße Lava in den pazifischen Ozean.

Bei Kalapana fließt heiße Lava in den pazifischen Ozean.

Foto >Laura-Sophie Usinger

Die tiefe Verbindung zwischen Legende und Geologie ist die Seele Hawaiis – der Mythos. Der ewige Wandel, die Veränderung, die Vielfalt und Einheit, kaum irgendwo so gut sichtbar wie auf Hawaii. Kein Wunder also, dass hier auch die Seele des Triathlons zu Hause ist. Zuhause im Feuer - ein Element von vielen.