Gala im Kraichgau: Frodeno lässt Lange keine Chance

Jan Frodeno hat den Showdown mit Hawaii-Sieger Patrick Lange für sich entschieden. Der 36-Jährige gewann den Ironman 70.3 im Kraichgau mit einem überlegenen Start-Ziel-Sieg.

Von > | 3. Juni 2018 | Aus: SZENE

Patrick Lange und Nicholas Kastelein nehmen den Mann des Tages in die Mitte.

Patrick Lange und Nicholas Kastelein nehmen den Mann des Tages in die Mitte.

Foto >Peter Jacob / spomedis

Von der Spitze weg entschied Frodeno das Rennen für sich. Der zweimalige Hawaii-Champion siegte nach 3:49:05 überlegen vor Patrick Lange. Der amtierende Ironman-Weltmeister benötigte sechseinhalb Minuten länger als Frodeno für die Mitteldistanz über 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21,1 Kilometer Laufen. Als Dritter erreichte der Australier Nicholas Kastelein das Ziel in Bad Schönborn.

Mit dem Startschuss übernahm Frodeno das Kommando über das Feld. Der Olympiasieger von 2008 positionierte sich als einziger der Favoriten auf der linken Startseite und setzte sich von dort sofort an die Spitze. Seine beiden deutschen Rivalen Andreas Böcherer und Patrick Lange wählten die rechte Seite und konnten im schnell tiefer werdenden See nicht so weit laufen - ein taktischer Fehler, durch den sich schon nach wenigen Metern eine deutliche Lücke öffnete. Einzig Nicholas Kastelein gelang es bei 23,7 Grad Wassertemperatur und Neoprenverbot im Hardtsee, sich an Frodenos Füßen festzubeißen.

Schnell formierten sich drei Zweigruppen mit Frodeno und Kastelein an der Spitze und Böcherer und Bas Diederen in der Verfolgung. Dahinter bildete Lange ein Gespann mit Lokalmatador Markus Rolli. In dieser Konstellation erreichten die Favoriten die erste Wechselzone, wobei Frodeno nach 1,9 Kilometern Führungsarbeit als Erster vor Kastelein aus dem Wasser stieg. Böcherer und Lange wechselten mit 1:05 und 1:55 Minuten Rückstand aufs Rad.

Frodeno macht ernst

Auf der anspruchsvollen 90-Kilometer-Radrunde durchs „Land der tausend Hügel“, die fast immer rauf oder runter, aber niemals eben verläuft, machte Frodeno weiter Druck. Anfangs sah es noch so aus, als könne Böcherer seinen Rückstand zumindest konstant halten und Lange sogar aufholen. Doch dann vergrößerte der zurzeit größte deutsche Triathlonstar nach dem ersten heftigen Anstieg und vor allem auf den zweiten 45 Kilometern zusehends seinen Vorsprung. Knapp über zwei Minuten lag er mit Kastelein im Schlepptau bei Kilometer 50 vor einer Fünfergruppe mit Rolli, Böcherer, Lange, Marc Duelsen und Julian Mutterer.

Kurz darauf musste Kastelein abreißen lassen. Der Australier konnte das enorme Tempo Frodenos nicht mehr mitgehen, das dieser auf dem Rückweg nach Bad Schönborn anschlug. Nun komplett auf sich allein gestellt, fuhr der zweifache Ironman-Weltmeister seine Rivalen in Grund und Boden. Drei zusätzliche Minuten brummte er ihnen bis in T2 auf, wo ihn mehrere tausend Triathlon-Fans bei bestem Rennwetter begeistert empfingen. Kastelein rettete noch einen kleinen 20-Sekunden-Vorsprung auf den Zug um Böcherer und Lange in die zweite Wechselzone.

"Heute war Frodo-Tag"

Beim abschließenden Halbmarathon ließ Frodeno nichts mehr anbrennen. Wer noch mit einer Aufholjagd von Lange spekuliert hatte, sah sich schnell eines Besseren belehrt. Der überragende Läufer der letzten beiden Hawaii-Ausgaben hatte heute nicht die Beine, um dem wie entfesselt rennenden Frodeno noch einmal gefährlich zu werden. Immerhin schob sich Lange noch vor auf Rang zwei, mehr war einfach nicht drin. "Heute war Frodo-Tag", sagte Lange im Ziel.

Frodeno sicherte sich den Erfolg mit Bestzeiten in allen drei Disziplinen vor Lange, Kastelein und Andreas Böcherer. Im Ziel feierte der Sieger ausgiebig mit den Zuschauern, und auch bei der obligatorischen Bierdusche war er der Schnellste. Lange und Kastelein hatten ihre Biergläser kaum in der Hand, da schwappte der Gerstensaft aus Frodenos Glas bereits über ihre Köpfe.

Ironman 70.3 Kraichgau | Männer

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Jan Frodeno

GER

3:49:05

23:29

2:11:03

1:11:06

2

Patrick Lange

GER

3:55:35

25:25

2:14:19

1:12:20

3

Nicholas Kastelein

AUS

3:57:13

23:31

2:15:38

1:14:33

4

Andreas Böcherer

GER

3:58:43

24:34

2:14:37

1:15:44

5

Marc Duelsen

GER

4:00:18

25:45

2:14:04

1:17:10

6

Markus Rolli

GER

4:00:21

25:24

2:14:11

1:17:18

7

Julian Mutterer

GER

4:01:58

25:39

2:14:10

1:18:58

8

Bas Diederen

NED

4:04:34

24:36

2:21:21

1:14:57

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