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Florian Angert wird Fünfter
Kristian Blummenfelt gewinnt Ironman-Weltmeisterschaft vor Lionel Sanders und Braden Currie

Kristian Blummenfelt gewinnt mit beeindruckender Laufleistung die Ironman-Weltmeisterschaft in St. George vor Lionel Sanders und Braden Currie. Florian Angert landet als bester Deutscher auf Rang fünf.

Er hat es tatsächlich geschafft: Kristian Blummenfelt gewinnt die Ironman-Weltmeisterschaft in St. George dank einer überragenden Laufleistung mit einem Marathon von 2:38:01 Stunden und ist damit nicht nur der erste norwegische Ironman-Weltmeister überhaupt, sondern auch der erste Athlet der Triathlongeschichte, der ab sofort amtierender Olympia-Sieger, Kurzdistanz-Weltmeister und Ironman-Weltmeister zur gleichen Zeit ist. Blummenfelt siegte in 7:49:01 Stunden vor dem Kanadier Lionel Sanders (7:54:03 Stunden), der erst 500 Meter vor dem Ziel den Neuseeländer Braden Currie (7:54:19 Stunden) überholen konnte. Dabei hatte das Rennen für den 28-jährigen Blummenfelt nicht unbedingt wie geplant begonnen.  

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Sechsergruppe setzt sich vom Rest des Feldes ab

Unmittelbar nach dem Start in der Morgendämmerung um 6:15 Uhr versuchten einige der starken Schwimmer, möglichst früh einen nennenswerten Vorsprung zwischen sich und die direkte Konkurrenz zu bringen. Nachdem Alistair Brownlee seinen Start nur einen Tag vor dem Rennen aufgrund eines Infekts kurzfristig absagte und sonst ein Kandidat für die Führungsarbeit in der ersten Disziplin gewesen wäre, war es auf dem ersten Kilometer im Wasser insbesondere Braden Currie, der das Tempo an der Spitze hochhielt. Wenige Minuten später attackierte der schwimmstarke Däne Daniel Bækkegård, der sich nur für wenige Meter absetzen konnte und dann wieder gestellt wurde. Durch diese Attacke formierte sich allerdings eine sechsköpfige Spitzengruppe, bestehend aus Bækkegård, Sam Laidlow, Braden Currie, Florian Angert, Kyle Smith, Dennis Chevrot. Diese Spitzengruppe kam nach 47:29 Minuten zusammen aus dem Wasser und distanzierte den Rest des Feldes. David McNamee folgte an siebter Position mit 45 Sekunden Rückstand, Max Neumann kam als Achter mit einer Minute Rückstand in die erste Wechselzone. Die erste Verfolgergruppe wechselte mit 2:10 Minuten aufs Rad. In dieser Gruppe befanden sich unter anderem überraschenderweise Kristian Blummenfelt, Andy Potts und Pieter Heemeryck. Patrik Nilsson, Ben Hoffman, Matt Hanson, Andreas Dreitz und Jan van Berkel kamen gemeinsam mit den starken Radfahrern Sebastian Kienle, Sam Long, Cameron Wurf und Lionel Sanders nach gut viereinhalb Minuten aus dem Wasser. Boris Stein bekam einen Rückstand von 10:49 Minuten aufgebrummt.

Fünfergruppe fährt gesamte Radstrecke zusammen an der Spitze

Noch in der ersten Wechselzone verkleinerte sich die sechsköpfige Spitzengruppe um einen Athleten. Dennis Chevrot verpasste aufgrund seines Wechsels den Sprung in die führende Radgruppe, während Bækkegård, Angert, Currie, Smith und Laidlow die 180 Kilometer gemeinsam in Angriff nahmen. An dieser führenden Konstellation sollte sich auch auf der ersten Hälfte der Radstrecke nichts ändern. Trotz einiger Führungswechsel und kleiner Attacken schaffte es an der Spitze niemand, sich entscheidend abzusetzen. In der Verfolgung entwickelte sich die Gruppenbildung allerdings äußerst dynamisch: Besonders Cameron Wurf ergriff die Initiative und machte das Tempo an der Spitze der zweiten größeren Verfolgergruppe, die sich nach rund 20 Kilometern herauskristallisierte und nach etwas mehr als 40 Kilometern die erste Verfolgergruppe um Kristian Hogenhaug, Andy Potts, David McNamee und Max Neumann einholte. Während sich Sam Long, Andreas Dreitz, Leon Chevalier, Matt Trautman und Arnaud Guilloux in der Wurf-Gruppe befanden und nach 40 Kilometern gut vier Minuten hinter der Spitze lagen, fuhren Lionel Sanders, Sebastian Kienle, Ben Hoffman und Chris Leiferman knapp eine Minute hinter der Gruppe. Alleine zwischen der Führungsgruppe und der Verfolgergruppe war Kristian Blummenfelt unterwegs, der zu diesem Zeitpunkt gut zweieinhalb Rückstand auf die Spitze hatte und wenig später von der Verfolgergruppe eingeholt wurde.

Nach dem Zusammenschluss der Verfolgergruppen dünnte sich die Anzahl der Athleten aus, die dem Tempo des vorne fahrenden Wurfs weiterhin folgen konnten. Bis zur Hälfte der Radstrecke hatte der Australier nur noch Blummenfelt, Chevalier, Hogenhaug, Trautman, Heemeryck, Long und Neumann im Schlepptau. Während diese Gruppe fünf Minuten hinter dem führenden Quintett fuhr, befanden sich die Mitfavoriten Kienle, Sanders, McNamee, Leifermann und Hoffman noch rund anderthalb bis zwei Minuten hinter der ersten großen Verfolgergruppe.

Wenige Kilometer später waren es Lionel Sanders und Sebastian Kienle, die das Tempo erhöhten und zwischenzeitlich schneller fuhren als der Rest des Feldes. Ab Kilometer 115 musste aber auch Kienle bei Sanders abreißen lassen, während der Kanadier immer weiter Zeit auf die Spitze gutmachen konnte. Auch beim letzten längeren Anstieg im Snow Canyon bei Kilometer 160 veränderte sich in der Fünfergruppe an der Spitze, die über die gesamte Dauer des Rennens extrem gut harmonierte, nichts. In der Verfolgung mussten allerdings immer mehr Athleten abreißen lassen. Bis zum Snow Canyon lag nur noch das Trio aus Cameron Wurf, Kristian Hogenhaug und Kristian Blummenfelt mit gut fünf Minuten Rückstand an den Positionen sechs bis acht, während Lionel Sanders nur noch 30 Sekunden hinter den Verfolgern lag. Chris Leiferman und Sam Long fuhren wiederum mit 40 Sekunden hinter Sanders in den Anstieg des Snow Canyon. Sebastian Kienle musste derweil abreißen lassen und verlor innerhalb von zwölf Kilometern mehr als eine Minute auf das vor ihm liegende Duo. Die beiden Mitfavoriten McNamee und Hoffman begannen mit zehn und knapp elf Minuten Rückstand an Position 14 und 17 den letzten Anstieg.

Wurf, Blummenfelt und Sanders gehen als Verfolgertrio auf die Laufstrecke, Kienle mit zehn Minuten Rückstand

Auf dem sehr anspruchsvollen und welligen Kurs waren die Radzeiten der Topathleten deutlich schneller als im Vorfeld erwartet: An der Spitze kam Kyle Smith einem Radsplit von 4:16:21 Stunden als Erster in die zweite Wechselzone, unmittelbar gefolgt von seinen vier Mitstreitern. Dahinter formierte sich im Laufe der letzten 20 Kilometer des Radkurses ein Trio aus Cameron Wurf, Kristian Blummenfelt und Lionel Sanders, die mit knapp viereinhalb Minuten Rückstand in die Laufschuhe wechselten. 6:16 Minuten hinter den Führenden begann Sam Long den Marathon, 30 Sekunden hinter ihm begann Chris Leiferman an zehnter Position den Lauf. Sebastian Kienle stieg mit einem Rückstand von 9:55 Minuten vom Rad, die Mitfavoriten David McNamee und Ben Hoffman nahmen die 42,2 Laufkilometer mit 11:26 und 12:30 Minuten Rückstand auf den Plätzen 15 und 16 in Angriff. Schlechte Nachrichten gab es hingegen von Andreas Dreitz: Der starke Radfahrer stieß auf der Radstrecke mit einem Motorrad zusammen und kam ins Krankenhaus. Ersten Informationen aus der Live-Übertragung des Veranstalters zufolge nahm der 33-Jährige aber glücklicherweise keinen erstzunehmenden Schaden.

Currie holt komfortablen Vorsprung heraus, Blummenfelt und Sanders machen Boden gut

Auf den ersten Laufkilometern war es der Neuseeländer Braden Currie, der sich schnell vom Rest seiner Mitstreiter löste und bereits nach knapp zehn Kilometern 41 Sekunden vor Smith, 1:33 Minuten vor Bækkegård, 1:44 Minuten vor Angert und 1:52 Minuten vor Laidlow lag. In der Verfolgung waren es zunächst Olympia-Sieger und Kurzdistanz-Weltmeister Kristian Blummenfelt, Lionel Sanders und Sam Long, die das höchste Tempo anschlugen. Während es auf den Plätzen zwei bis fünf mehrfach Positionswechsel gab, schoben sich Blummenfelt und Sanders immer weiter nach vorn. Sam Long wurde derweil deutlich langsamer und fiel in kürzester Zeit wieder weiter zurück. Den Halbmarathon auf der hügeligen Laufstrecke durchquerte Currie als Führender in einer Zeit von 1:19:06 Stunden. Dahinter arbeitete sich Blummenfelt bereits bis auf Platz zwei vor, legte eine Halbmarathonzeit von 1:17:27 Stunden hin und ging mit einem Rückstand von 2:27 Minuten auf die zweite und letzte Laufrunde. Sam Laidlow lag zu diesem Zeitpunkt mit einem Rückstand von 3:42 Minuten auf Rang drei, dahinter folgten Florian Angert (+ 4:32 min), Kyle Smith (+ 4:38 min), Daniel Bækkegård (+ 4:54 min), Lionel Sanders (+ 5:31 min) und Chris Leiferman (+ 7:10 min). Leon Chavalier, Sam Long, David McNamee, Ben Hoffman und Sebastian Kienle gingen auf den Rängen neun bis 13 auf die zweite Laufhälfte.

Blummenfelt läuft in 2:38 Stunden zum WM-Sieg, Sanders im Endsprint auf Platz zwei

Bei Kilometer 29 kam es schließlich zum Überholmanöver, das sich über längere Zeit angekündigte. Kristian Blummenfelt lief an Braden Currie vorbei, der keine Chance hatte, an dem Norweger dranzubleiben. Mit dynamischem Laufschritt baute der amtierende Olympia-Sieger seinen Vorsprung souverän aus und sollte sich diesem auch auf dem letzten Drittel des Marathons nicht mehr nehmen lassen. Mit dem schnellsten Laufsplit des Tages in 2:38:01 Stunden gewann Blummenfelt in einer Endzeit von 7:49:16 Stunden schließlich als erster norwegischer Triathlet die Ironman-Weltmeisterschaft und ist damit amtierender Olympia-Sieger, Kurzdistanz-Weltmeister und nun Ironman-Weltmeister. Den emotionalen Jubelschreien des 28-Jährigen auf der Ziellinie folgte in gewohnter Manier nur wenige Momente später nach dem Einlauf die Entleerung seines Mageninhalts – dementsprechend groß schien die Gesamtbelastung trotz des komfortablen Vorsprungs für Blummenfelt gewesen sein.

Im Kampf um Platz zwei wurde es noch einmal richtig spannend: Lionel Sanders kämpfte sich zunächst auf Platz drei vor und lief auf dem letzten Drittel des Marathons konstant acht bis zwölf Sekunden pro Kilometer schneller als Braden Currie, der zu diesem Zeitpunkt noch an Position zwei lag. Die Entscheidung um die Reihenfolge auf dem verbleibenden Podium fiel erst auf dem letzten Kilometer im Sprint: Nur 500 Meter vor dem Ziel zog Sanders an Currie vorbei und ließ den Neuseeländer mit einem intensiven Zwischensprint wehrlos stehen. Mit einer starken Marathonzeit von 2:42:25 Stunden und unter Tränen lief der Kanadier nach 7:54:03 Stunden über die Ziellinie. Braden Currie komplettierte in einer Endzeit von 7:54:19 Stunden das Podium.

Florian Angert wird bester Deutscher, Sebastian Kienle landet auf Rang 14

Einen Platz hinter dem Podium landete der US-Amerikaner Chris Leiferman aufgrund seines schnellen Marathons in 2:44:25 Stunden auf Rang vier (7:57:51 h). Bester Deutscher wurde Florian Angert auf Platz fünf, der sich beachtlich durch die zweite Hälfte des Laufens kämpfte, nachdem er von Krämpfen geplagt wurde und zuvor nach der Hälfte der Laufstrecke seine Verpflegung nicht finden konnte. Die Top 10 wurden komplettiert von Leon Chevalier (8:01:41 h), Daniel Bækkegård (8:02:06 h), Sam Laidlow (8:02:56 h), David McNamee (8:04:36 h) und Ben Hoffman (8:06:38 h). Sebastian Kienle kam mit einer Zeit von 8:14:34 Stunden ins Ziel, Boris Stein wurde nach 8:28:04 Stunden 17.

Ironman-WM Utah 2022 | Profi-Männer

7. Mai 2022 | St. George, Utah (USA)
PlatzNameLandGesamtzeit3,86 km Swim180,2 km Bikde42,195 km Run
1Kristian BlummenfeltNOR7:49:1649:404:18:432:38:01
2Lionel SandersCAN7:54:0352:074:16:152:42:25
3Braden CurrieNZL7:54:1947:374:16:312:47:11
4Chris LeifermanUSA7:57:5152:024:18:352:44:25
5Florian AngertGER7:59:3547:404:16:152:52:43
6Leon ChevalierFRA8:01:4152:024:20:182:46:23
7Daniel BækkegårdDEN8:02:0647:304:16:422:54:49
8Sam LaidlowFRA8:02:5647:294:15:592:55:43
9David McNameeGBR8:04:3648:154:27:072:46:10
10Ben HoffmanUSA8:06:3851:484:24:262:47:10
11Kyle SmithNZL8:08:0847:364:16:213:01:17
12Matt TrautmanZAF8:12:5451:544:23:192:54:23
13Matthew HansonUSA8:13:4851:494:35:332:43:39
14Sebastian KienleGER8:14:3452:054:21:282:57:29
15Sam LongUSA8:16:3452:054:18:183:03:47
16Andy PottsUSA8:21:2549:394:29:152:58:07
17Boris SteinGER8:28:0458:184:22:173:04:32
18Cameron WurfAUS8:30:3052:104:15:443:19:21
19Pieter HeemeryckBEL8:34:2049:464:30:423:10:38
20Adam FeighUSA8:35:2152:104:41:422:58:01
21Jason PohlCAN8:44:2752:004:35:043:14:06
22Arnaud GuillouxFRA8:53:4151:454:50:443:07:19
23Jan van BerkelSUI8:56:0051:564:41:143:19:24

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6 Kommentare
  1. Michi92

    Der Beste hat gewonnen, und das war sicher nicht der letzte Streich. Wenn er so weitermacht wird er eine noch größere lebende Legende als Frodeno.

    1. Mike Bossy

      Und das bei dem Größe/Gewicht Verhältniss.. Kommentar meiner Töchter :‘Wieso ist der so dick?‘

      1. Michi92

        Das sagen viele 😀

  2. Rayk

    Die tolle Leistung von Florian Angert kommt im Beitrag (für mich) viel zu kurz

  3. Ralph

    Werdet ihr auch einen kleinen YouTube-Film über das Rennen veröffentlichen?

    1. Harald M.

      Ich glaube, dass ist wahnsinnig teuer. Ironman ruft da wohl astronomische Summen auf, wenn man allein wenige Minuten des Rennens zeigen will. Von daher würde es mich sehr überraschen.

      Aber Interviews der Deutschen Teilnehmer nach dem Rennen analog vor dem Rennen würden mich schon interessieren. Was war los bei Boris Stein? Warum hat Laura Zimmermann nur mäßig performt? Wie kam es zu dem Unfall von Andreas Dreitz?…

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