Laura Philipp: "Hawaii hat das Feuer entfacht"

Wir haben Laura Philipp im Trainingslager auf Lanzarote getroffen und mit der 30-Jährigen über ihre Langdistanz-Premiere, die Saisonplanung und das fulminante letzte Jahr gesprochen.

Von > | 28. Januar 2018 | Aus: SZENE

Hatte letztes Jahr häufiger gut lachen: Laura Philipp.

Hatte letztes Jahr häufiger gut lachen: Laura Philipp.

Foto >Kevin Mackinnon

Laura Philipp im Interview

Laura Philipp, die Saison 2017 hätte für Sie mit vier Siegen auf der Mitteldistanz und dem 3. Platz bei der Ironman-70.3-WM wohl kaum besser laufen können. Dazu konnten Sie sich durch den Sieg beim X-Terra-Rennen in Frankreich für die WM auf Maui qualifizieren. Sind Sie rundum zufrieden mit der vergangenen Saison oder gibt es selbst bei all den Erfolgen etwas, das Sie im Nachhinein anders gemacht hätten?
Ich bin im Prinzip rundum zufrieden. Was ich mir hätte sparen können, war der Ausflug im Januar zum Rennen nach Dubai. Das war ein Wettkampf, den ich unbedingt machen wollte, aber mein Körper war noch nicht bereit und mein Training nicht darauf ausgelegt, dass ich zu diesem frühen Zeitpunkt bereits in Rennform bin. Es war zwar lehrreich in dem Sinne, dass ich jetzt weiß, dass ich so früh noch gar nicht richtig fit sein möchte, ansonsten hat mir das Rennen aber nichts gebracht, außer dass ich Dubai mal live gesehen habe. Deshalb war ich dieses Jahr im Januar im Team-Trainingslager, das ich 2017 aufgrund des Rennens ausgelassen habe. Für mich ist es einfach wichtiger, zu diesem Zeitpunkt gut zu trainieren, als schon Rennen zu absolvieren. Der Rest der Saison, angefangen beim Ironman 70.3 auf Mallorca, lief dann aber extrem gut für mich.

Für mich ist es mental ganz angenehm, zwei kürzere Einheiten zu trainieren statt einer ganz langen.

Wo kann man nach einem derart erfolgreichen Jahr ansetzen, um die Saison noch einmal zu übertreffen?
Ich glaube, es ist wichtig, dass man Schritt für Schritt nach kleinen Verbesserungen sucht und sich kontinuierlich entwickelt. Die letzten Jahre ist mir das bereits sehr gut gelungen, auch weil ich den Winter über konstant durchtrainieren konnte. Ich hatte kaum Ausfälle, war ganz selten krank und die Konstanz, jeden Tag zu arbeiten, ist das, was am Ende das ganze Puzzle langsam zusammenführt. Dazu haben wir im Training immer wieder neue Dinge ausprobiert und hinzugefügt, ohne dabei den Umfang zu sehr zu erhöhen. Das hat bislang sehr gut funktioniert, sodass ich ohne Verletzungen durchgekommen bin und mir ein sehr gutes Fundament geschaffen habe.

Auf Ihren sozialen Kanälen haben Sie zuletzt häufiger von „Double Days“ berichtet, also von Trainingstagen, an denen Sie eine Disziplin gleich zweimal am Tag trainieren. Ist das einer dieser neuen Reize, von denen Sie gesprochen haben?
Das habe ich in der Vergangenheit schon hin und wieder gemacht und setze es jetzt vermehrt ein. Der Grund dafür ist, dass man die ganz langen Einheiten, von denen sich der Körper lange Zeit erholen muss, vermeiden kann. Rein physisch ist es dann im Prinzip egal, ob ich vier Stunden am Stück Rad fahre oder die Einheit aufteile. Für mich ist es mental ganz angenehm, zwei kürzere Einheiten zu trainieren statt einer ganz langen. Dazu kommt, dass es mir ermöglicht, zwei unterschiedliche Schwerpunkte an einem Tag zu setzen. Etwa morgens nüchtern zu trainieren und in der zweiten Einheit Intervalle zu fahren. Natürlich gehören lange Einheiten speziell für die Langdistanz dazu, und auch die werde ich immer mal wieder einbauen, alleine schon für den mentalen Aspekt und die Gewissheit, dass man auch dieses Training gemeistert hat. Rein aus körperlicher Sicht ist es unserer Meinung nach aber nicht notwendig, zu häufig lange Rad- und Laufeinheiten abzuspulen.

Sie haben schon vor längerer Zeit angekündigt, auf die Langdistanz wechseln zu wollen. Vor kurzen wurde bekannt, dass Sie beim Ironman Frankfurt die Premiere feiern werden. Wieso fiel die Wahl auf Frankfurt?
Den Ironman Frankfurt kenne ich schon aus den letzten beiden Jahren. Da war ich Team-Kapitänin einer Staffel und habe von allen Disziplinen jeweils die Hälfte absolviert. Dadurch habe ich den Kurs schon unter Rennbedingungen kennengelernt und gemerkt, wie cool die Atmosphäre entlang der Strecke ist. Als deutsche Athletin ist es außerdem etwas ganz besonderes, seine Premiere auf deutschem Boden zu feiern. Dazu kommt noch, dass das Rennen gleichzeitig die Europameisterschaften sind und das Rennen viele Punkte für Hawaii gibt. Ich habe durch die 70.3-Weltmeisterschaften schon einige Punkte im Kona Pro Ranking, sodass ich wohl mit einem Resultat in den Top 7 das Hawaii-Ticket lösen kann.

Zieleinlauf beim 70.3. Kraichgau: Laura Philipps dritter Mitteldistanz-Sieg infolge.

Zieleinlauf beim 70.3. Kraichgau: Laura Philipps dritter Mitteldistanz-Sieg infolge.

Foto >Daniel Eilers / spomedis