Die Leistungsdaten des Deutschen Meisters Frederic Funk

Mit 322 Watt und 43 km/h fegte Frederic Funk zwei Stunden lang über den Radkurs in Ingolstadt und sicherte sich den Deutschen Meistertitel auf der Mitteldistanz. Wir haben seine phänomenalen Leistungsdaten ausgewertet.

Von > | 14. Juni 2018 | Aus: SZENE

Mit 315 Watt AP, 322 Watt NP und 43 km/h für die gut 86 Kilometer legte Funk in Ingolstadt die schnellste Radzeit des Tages hin.

Mit 315 Watt AP, 322 Watt NP und 43 km/h für die gut 86 Kilometer legte Funk in Ingolstadt die schnellste Radzeit des Tages hin.

Foto >Ingo Kutsche

Mit einer sagenhaften Radleistung bei den Deutschen Meisterschaften über die Mitteldistanz in Ingolstadt bewies der erst 20-jährige Kurzdistanz-Spezialist Frederic Funk eindrucksvoll, dass die Zeiten, in denen Kurzdistanzler hauptsächlich als "Swim-Runner" gelten, offensichtlich der Vergangenheit angehören. Bereits mit seinem dritten Platz bei der Challenge Riccione deutete Funk im Frühjahr bei seiner allerersten Mitteldistanz an, dass er ein offensichtlich großes Talent für diese Strecke mitbringt. Diesen Eindruck bestätigte er mit seinem starken Rennen in Ingolstadt: Nach einem schnellen Schwimmen stieg Funk in Ingolstadt als Zweiter aus dem Wasser und setzte sich auf der Radstrecke in Führung.

Für die 86,4 Radkilometer benötigte Funk laut eigener Aufzeichnung 2:00:31 Stunden, sein offizieller Radsplit liegt bei 2:01:00 Stunden. Er erzielte auf der relativ profilierten Strecke mit knapp 600 Höhenmetern also eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 43 Kilometern pro Stunde. Beachtlich ist dabei auch die Höchstgeschwindigkeit, bei der es sich um keinen Messfehler handelt, auch wenn das vielleicht so mancher glaube würde: Mit 88,6 km/h war Funk gegen Ende der Radstrecke in der Abfahrt unterwegs – was dafür spricht, dass der 20-Jährige nicht nur kraftvoll, sondern auch technisch sauber fahren kann. Kommen wir zu den Leistungsdaten: Für die Gesamtdauer von knapp über zwei Stunden erreichte er eine Durchschnittsleistung (Average Power / AP) von 315 Watt und eine gewichtete Leistung (Normalized Power / NP) von 322 Watt laut seiner Strava-Aufzeichnung. In seinem Blog verriet Funk, dass diese Leistung für ihn ein Verhältnis von 4,4 Watt pro Kilogramm Körpergewicht bedeutet – ein Weltklasse-Wert. Vergleich: Lionel Sanders, einer der weltbesten Radfahrer im Triathlon, erreichte beim Ironman 70.3 Oceanside 2017 eine Durchschnittsleistung von 354 Watt AP, was die schnellste Radzeit und einen Wert von 4,7 Watt pro Kilogramm Körpergewicht bedeutete.

"Beim Radfahren ging heute was!"

Der Kurzdistanz-Spezialist absolvierte die Strecke mit einer durchschnittlichen Trittfrequenz von 89 Umdrehungen pro Minuten und einer durchschnittlichen Herzfrequenz von 169 Schlägen in der Minute. Als Maximum erreichte der 20-Jährige sogar eine Herzfrequenz von 180. Das schreibt Funk im Blog selbst zu seiner Radfahrt: "Beim Radfahren ging heute was! Den einzig längeren Berg bei der Hälfte der Radrunde genoss ich regelrecht, konnte man sich doch hier endlich einmal etwas aufrichten, da die Strecke größtenteils flach war und man ansonsten viel liegen musste. Allerdings bin ich das Zeitfahrrad, das ich nach dem Wettkampf in Riccione wieder gegen mein Rennrad eingetauscht hatte, dafür noch nicht genug gewohnt und war froh über jeden auch nur kleinen Hügel bei dem ich mal im Wiegetritt hochfahren konnte. Nur 5 Tage Training in der Zeitfahrposition war hier vielleicht nicht genug, aber andererseits lässt das eventuell auch noch Spielraum für zukünftige Verbesserungen."

Die Daten und Zahlen von Frederic Funks Radfahrt bei den Deutschen Meisterschaften auf der Mitteldistanz 2018.

Die Daten und Zahlen von Frederic Funks Radfahrt bei den Deutschen Meisterschaften auf der Mitteldistanz 2018.

Erste Stunde mit 325 Watt

Dabei ging Funk das Rennen sehr offensiv an, um möglichst früh auf den in Führung liegenden Ex-Profi-Schwimmer Lukasz Wojt aufzuschließen, was ihm bei Kilometer 35 schließlich gelang: "Nach circa 35 Kilometern war ich dann hinter Wojt und hatte selbst bei 20 Meter Abstand einige Ersparnisse. Die laut Reglement zulässigen 10-Meter-Abstand wollte ich in dieser Situation lieber gar nicht ausreizen, um in dieser Rennphase, in der ohnehin das Rennen so lief, wie ich es mir vorher gewünscht hatte, überhaupt kein Risiko einzugehen. Gut fünf Kilometer ruhte ich mich etwas aus, bevor ich Lukasz kurz vor dem Wendepunkt in die zweite Radrunde überholte. Ich versuchte vorne ab diesem Zeitpunkt den Druck hochzuhalten und meinen Vorsprung so schnell es ging auszubauen. So fuhr ich bis Mitte der zweiten Runde wieder ziemlich hart und war mir gar nicht sicher, ob Wojt mir vielleicht folgen konnte. Beim Wendepunkt an der Spitze des Berges sah ich dann, dass ich eine Lücke von fast zwei Minuten rausgefahren hatte. Meine Beine ließen nicht nach und in der Führung macht so ein Rennen unglaublich Spaß." 

In der ersten Stunde erreichte Funk deshalb sogar eine Durchschnittsleistung von 325 Watt. In Führung liegend nahm er in der zweiten Stunde einen Gang raus und trat 304 Watt – einen immer noch sehr starken Wert! Trotzdem führte die Radfahrt nicht dazu, dass Funk seiner Leistung auf der Laufstrecke Tribut zollen musste. Mit einem Schnitt von 3:51 Minuten pro Kilometer über die 20 Laufkilometer sicherte Funk seinen Sieg ab, ohne noch einmal unter Druck zu geraten – sonst wäre mit Sicherheit auch eine noch schnellere Laufzeit möglich gewesen. Und auch, wenn sich Funk in naher Zukunft auf die Kurzstrecke fokussiert, sollte man nicht nur dort, sondern auch schon auf der Mitteldistanz ein Auge auf ihn haben. Auf beiden Strecken kann man von dem 20-Jährigen zukünftig sicherlich noch viel erwarten ...

So sieht Freude aus: Frederic Funk ist mit gerade einmal 20 Jahren der neue Deutsche Meister auf der Mitteldistanz.

So sieht Freude aus: Frederic Funk ist mit gerade einmal 20 Jahren der neue Deutsche Meister auf der Mitteldistanz.

Foto >Ingo Kutsche