Lindemann gewinnt U23-Weltmeisterschaft, Tertsch Junioren-Silber

Der weibliche Triathlon-Nachwuchs bleibt in der Erfolgsspur: Bei den Weltmeisterschaften sicherte sich in ihrem ersten U23-Jahr erst Laura Lindemann den Titel, dann legte Lisa Tertsch in der stark besetzten Juniorinnen-Klasse Silber nach.

Von > | 17. September 2016 | Aus: SZENE

Laura Lindemann | Laura Lindemann sichert sich den U23-Weltmeistertitel.

Laura Lindemann sichert sich den U23-Weltmeistertitel.

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Es war auf dem Papier ein deutlicher Erfolg, aber, wie sie selbst urteilte, eines ihrer härtesten Rennen: Die 20-Jährige Laura Lindemann hat sich auf Cozumel bei schwülheißen Bedingungen, unter denen die Triathleten bei den Weltmeisterschaften vor Ort leiden, den Weltmeistertitel gesichert - und sich wenig später im Krankenhaus wiedergefunden. Schon kurz nach Einlieferung postete die Potsdamerin aber ein Bild mit ihrem nach oben gestreckten Daumen aus dem Krankenbett: Keine schwerwiegenden Schäden, nach etwas Flüssigkeitszufuhr und Kühlung ging es Lindemann schnell wieder besser. Und selbst die Siegerehrung wurde um einen Tag nach hinten verlegt, sodass die neue U23-Weltmeisterin daran teilhaben kann.

Strömungen werfen Lindemann zurück

Diese Siegerehrung hat sich Lindemann auch verdient - denn das Rennen in Mexiko war für die Potsdamerin alles andere als ein Selbstläufer. Beim Schwimmen musste sie zunächst nämlich sogar einen ungewohnten Rückstand hinnehmen: Unglückliche Strömungen im Meer sollen dafür verantwortlich gewesen sein, dass Lindemann im Hauptfeld mit über einer Minute Rückstand auf eine kleine Spitze um die Britin Sophie Coldwell auf das Rad stieg und dort die Verfolgung eröffnete. Indem Lindemann auch selbst Tempoarbeit übernahm, gelang es ihrer Verfolgergruppe aber, kurz vor dem zweiten Wechsel zur kleinen Ausreißergruppe an der Spitze aufzuschließen - was eine Laufentscheidung um den WM-Titel in der mexikanischen Hitze bedeutete. Zusammen mit Leonie Periault, Sandra Dodet (beide FRA) und der Estin Kaidi Kivioja setzte sich die gerade erst aus der Junioren- in die U23-Klasse aufgestiegene Lindemann an die Spitze, bis die Estin wegen einer abzusitzenden Zeitstrafe aus der Gruppe fiel. Rund einen Kilometer vor dem Ziel sorgte Lindemann mit einer Tempoverschärfung für die Titel-Entscheidung zu ihren Gunsten. Silber ging an die Französin Leonie Periault vor deren Landsfrau Dodet. Das U23-Rennen der Männer gewann der Niederländer Jorik van Egdom vor Manoel Messias (BRA) und Bence Biscak (HUN). Lasse Lührs gab das Rennen wegen eines Raddefekts auf.

Lisa Tertsch | Lisa Tertsch ist Junioren-Vizeweltmeisterin

Lisa Tertsch ist Junioren-Vizeweltmeisterin

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Meißner geht in die Offensive

Obwohl mit jüngeren Sportlerinnen, war das Juniorinnen-Rennen sogar ähnlich stark besetzt wie das der weiblichen U23. Allerdings gab eine der beiden Topfavoritinnen, Cassandre Beaugrand aus Frankreich, auf der Laufstrecke auf - während sich die andere, Taylor Knibb aus den USA, den Titel sicherte. Hinter ihr jubelte aber eine Deutsche über Silber, der dieser Coup zwar zuzutrauen war, der aber trotzdem keine Selbstverständlichkeit ist: Lisa Tertsch sicherte sich mit einer starken Leistung WM-Silber, ihre Landsfrau Lena Meißner aus Neubrandenburg wurde Siebte.

Auch diese beiden hatten nach Einschätzung des deutschen Nachwuchs-Bundestrainers Thomas Moeller unter den Strömungen im Meer zu leiden und verloren deshalb in der Auftaktdisziplin Zeit auf die Spitze, schlossen auf dem Rad aber bald wieder nach vorne auf. Dort sorgte dann die US-Amerikanerin Taylor Knibb mit einer Attacke für Bewegung: Lena Meißner und die Österreicherin Therese Feuersinger versuchten der US-Amerikanerin zu folgen, konnten Knibbs Hinterrad aber nicht über die gesamte Renndauer hinweg halten, weswegen die Amerikanerin ihre Flucht als Solisitin fortsetzte. Meißner und Feuersinger kamen anschließend nur wenige Sekunden vor dem Hauptfeld um Tertsch zum Wechsel, wogegen Knibb rund 40 Sekunden Vorsprung mit auf die Laufstrecke nahm. Dort verteidigte die US-Amerikanerin ihre Spitzenposition souverän, während sich Tertsch in 17:56 Minuten mit der besten Fünf-Kilometer-Laufzeit aller Teilnehmerinnen auf den zweiten Rang schob. Lena Meißner hielt sich in 18:33 Minuten auf den abschließenden fünf Kilometern trotz des offensiven Radfahrens solide und sicherte sich damit den guten siebten Rang. Das Männerrennen gewann Austin Hindman (USA) vor Charles Paquet (CAN) und Ben Dijkstra (GBR). Die Deutschen Peer Sönksen und Frederic Funk landeten auf den Rängen 21 und 25.