Löschke rennt zu erstem 70.3-Sieg

Franz Löschke hat in Texas seinen ersten Sieg in einem Ironman-70.3-Rennen gefeiert - trotz schwieriger äußerer Bedingungen. Andreas Dreitz verpokerte sich auf Sardinien.

Von > | 30. Oktober 2017 | Aus: SZENE

Franz Löschke (Archivbild)

Franz Löschke (Archivbild)

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Zu Schwitzen begann Franz Löschke beim Ironman 70.3 Austin seinen eigenen Schilderungen zufolge erst etwa fünf Kilometer vor dem Ziel. Doch das lag nicht etwa daran, dass dem Finsterwälder langweilig gewesen wäre - es war einfach nur verdammt frisch, und Löschke darauf von seinem Wettkampftextil her nur mäßig vorbereitet. "In den letzten Tagen hatte es hier zur Startzeit um 7:30 Uhr meistens vier Grad. Im Rennen waren es immerhin fünf oder sechs Grad - viel wärmer wurde es im weiteren Verlauf des Rennens dafür dann aber auch nicht mehr", erklärte Löschke nach seinem zweiten 70.3-Rennen binnen einer Woche.

Klamme Finger als Herausforderung

Schocken ließ sich der 28-Jährige davon aber nicht und startete mit seiner jahrelangen Kurzdistanz-Erfahrung routiniert ins Schwimmen, wo ihm zwar der Schwede Jesper Svensson davonzog, Löschke in der Nachführarbeit aber mit dafür sorgte, dass der Abstand zum Schweden nicht über eine Minute anwuchs.

Auf dem Rad seien dann zunächst nicht die Beine sein größtes Problem gewesen, erklärte Löschke nach dem Rennen gegenüber tri-mag.de - viel mehr "war das Greifen der Flasche mit den klammen Fingern bei der Kälter eine echte Challenge". So ging er auf dem Rad auch kein Risiko und fuhr in einer Verfolgergruppe des einzigen Ausreißers TJ Tollakson, der rund drei Minuten vor der Gruppe um Löschke auf den abschließenden Halbmarathon startete. "Von den Wattvorgaben her, die mir mein Trainer Philipp Seipp mitgegeben hatte, hätte ich sogar noch etwas mehr treten dürfen", sagte Löschke später - entschied sich aufgrund der Renndynamik und seines Körpergefühls aber dagegen. "Ich trete sowieso eher schon etwas mehr als andere, weil ich noch keine Top-Aeroposition halten kann." Dass sich seine reine Power aber bereits sehen lassen könne, wissen der eigentliche Kurzdistanz-Spezialist und sein Coach Seipp durch Vergleiche mit anderen Athleten.

In seiner Paradedisziplin, beim Laufen, ließ Löschke der Konkurrenz dann keine Chance mehr, übernahm schon nach wenigen Kilometern die Führung - und war hinterher selbst überrascht wie gut es dabei für ihn voranging. "Ich habe in der Datenauswertung meiner Uhr gesehen, dass ich die ersten fünf Kilometer in 16:03 Minuten angelaufen bin. Dabei habe ich mich noch mega locker gefühlt", sagte Löschke später und musste selbst darüber lachen. Auch sein Zehn-Kilometer-Split von 32:23 Minuten war kaum langsamer - und brachte den 28-Jährigen kurz vor dem Ziel dann doch noch ins Schwitzen, ehe er vor Svensson und Justin Metzler (USA) erstmals als Sieger über die Ziellinie eines Ironman-70.3-Rennens lief. "Jetzt ist aber erstmal eine kleine Saisonpause angesagt, ehe ein Trainingslager mit meinem Kumpel Justus Nieschlag in Girona ansteht", erzählte Löschke. Das Frauenrennen dominierten in Austin ebenfalls Kurzdistanzlerinnen: Sarah True (USA) setzte sich beim Laufen knapp gegen Paula Findlay (CAN) durch, die in Texas ihre Mitteldistanz-Premiere feierte. Jeanni Seymour (RSA) wurde Dritte.

Ironman 70.3 Austin 2017 | Männer

  1. Oktober 2017, Austin (USA)

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21 km Run

1

Franz Löschke

DEU

3:53:50

24:33

2:14:46

1:11:15

2

Jesper Svensson

SWE

3:55:06

23:35

2:15:27

1:12:32

3

Justin Metzler

USA

3:55:07

25:10

2:14:18

1:12:50

4

TJ Tollakson

USA

3:57:07

24:34

2:11:51

1:16:19

5

Taylor Reid

CAN

3:57:53

25:23

2:13:58

1:15:20

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Dreitz verpokert sich auf Sardinien

Weniger gut lief es für Andreas Dreitz bei dessen Saisonfinale auf Sardinien: "Ich hätte auf die Rennveranstalter hören sollen, die empfohlen hatten, die Scheibe daheim zu lassen", erklärte der Ironman-Italien-Sieger, der im Rennen bei starken Seitenwenden häufig mehr Kraft in das Manövrieren seines Rades als ins Pedalieren habe investieren müssen und mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun hatte. Das gewann der eigentlich vor allem in der World Triathlon Series aktive Spanier Vicente Hernandez (ESP), der sich auf dem Rad gemeinsam mit Bart Aernouts (BEL) und Giulio Molinari (ITA) von den weiteren Konkurrenten gelöst hatte. Den abschließenden Halbmarathon soll der Spanier in 1:08:30 Stunden gerannt sein und sicherte sich somit den Sieg mit vier Minuten Vorsprung vor Aernouts und Rodolphe von Berg (USA). Bester Deutscher wurde als Neunter Tim Meyer vor Per Bittner, der den zehnten Rang erreichte.

Das Rennen der Frauen entschied auf Sardinien Heather Wurtele (CAN) mit nur 50 Sekunden Vorsprung vor Laura Siddall (GBR) für sich. Die Drittplatzierte, Marta Bernardi (ITA), lag dagegen fast zehn Minuten hinter der Siegerin. Das Spitzenduo hatte sich schon auf dem Rad von den Verfolgerinnen gelöst und diesen Vorsprung beim Laufen noch weiter ausgebaut. Yvonne van Vlerken (NED) beendete einen durchwachsenen Tag als Vierte. Überschattet wurde das Rennen auf Sardinien von einem Todesfall beim Schwimmen. Nach Informationen des Portals "slowtwitch" soll es sch beim Betroffenen um einen 54-jährigen Niederländer handeln, der beim Schwimmen eine Herzattacke bekam.