Mario Mola im Titelkampf gegen die Brownlees

Am Wochenende wird beim Grand Final auf Cozumel ein neuer Kurzdistanz-Weltmeister gesucht. In der Papierform sieht es nach einem Duell zwischen Mario Mola und Jonathan Brownlee aus – ganz so simpel ist die Rennkonstellation dann aber doch nicht. Denn Jonathan Brownlee kommt nicht allein.

Von > | 16. September 2016 | Aus: SZENE

Brownlees | Alistair und Jonathan Brownlee beim Start ins Olympia-Rennen in Rio de Janeiro.

Alistair und Jonathan Brownlee beim Start ins Olympia-Rennen in Rio de Janeiro.

Foto >Delly Carr / triathlon.org

An das Jahr 2012 hat Jonathan Brownlee noch gemischte Gefühle: Es begann so gut mit Siegen in der WM-Serie in San Diego und Madrid. Doch kurz vor den Olympischen Spielen in London meldete sich ausgerechnet sein eigener Bruder aus der langen Verletzungspause zurück, verwies Jonathan erst beim WM-Serienrennen in Kitzbühel auf den zweiten Rang – und sicherte sich später dann auch bei den Olympischen Spielen Gold, wo Jonathan zu Bronze rannte und im Ziel kollabierte. „Ein bisschen frustrierend“ sei es gewesen, das Jahr über so stark, so konsequent gearbeitet zu haben – und beim Saisonhighlight dann doch wieder vom älteren Bruder geschlagen zu werden, obwohl der so lange verletzt war, erklärte Jonathan später. Da war es dem Briten ein gutes Trostpflaster, dass er sich wenig später mit dem zweiten Rang hinter Javier Gomez im WM-Finale in Auckland seinen bislang einzigen Gesamtsieg in der World Triathlon Series sichern konnte.

Vereinte Brüder gegen einsamen Spanier?

Vier Jahre später hat Jonathan Brownlee erneut Olympische Spiele in den Beinen, erneut hat sein Bruder ihn geschlagen – doch mit der Silbermedaille von Rio de Janeiro ist der 26-Jährige diesmal deutlich zufriedener als noch vier Jahre zuvor mit Bronze. Und den Weltmeistertitel hat er auch schon wieder im Blick: Obwohl der Saisonaufbau in diesem Jahr für den jüngeren der beiden Brownlee-Brüder stärker im Zeichen von Olympia stand als noch 2012, hat der Brite in Abwesenheit von Javier Gomez, der den Titel zuletzt drei Mal in Folge gewann, seinen zweiten Weltmeistertitel in Reichweite. Sein Hauptkonkurrent kommt erneut aus Spanien, und auf dem Papier ist er Brownlee gegenüber sogar im Vorteil: Mit 3.940 Punkten hat Mario Mola vor dem WM-Finale genau 235 Zähler Vorsprung auf den jüngeren Brownlee. Selbst wenn Brownlee das WM-Finale in Cozumel am Wochenende gewinnt, würde dem zweimaligen Vizeweltmeister bereits der dritte Rang genügen, um sich seinen ersten WM-Titel zu sichern. Verpasst Mola das Podest aber, zieht Jonathan im Falle eines Tagessieges in Sachen WM-Titeln mit seinem älteren Bruder Alistair gleich.

Jener ist aber auch der Grund, weswegen der Gewinner des WM-Titels noch längst keine sichere Sache ist. Denn auch Alistair hat eine Woche nach seinem Sieg bei einem draftingfreien Triathlon in Peking für das WM-Finale in Mexiko gemeldet und wäre seinem Bruder im Kampf um die Weltmeisterschaft möglicherweise eine große Hilfe: Gemeinsam könnte das Bruderpaar offensiv agieren, wie sie es so oft tun, und sich zusammen mit einigen wenigen Begleitern vom potenziellen Hauptfeld um Mario Mola absetzen. Indem Alistair dann aus dieser Position heraus beim Laufen möglicherweise seinem Bruder den Vortritt im Kampf um den Sieg gewähren würde, müsste sich nur ein weiterer Sportler zwischen die Brownlee-Brüder und Mario Mola schieben, um den vierten Kurzdistanz-Weltmeistertitel eines Brownlees perfekt zu machen.

Abschiedsrennen für Gregor Buchholz

Was gegen die Brownlees spricht, ist die Meteorologie: Tageshöchstwerte über 30 Grad Celsius gehören ganz und gar nicht zu den favorisierten Wetterbedingungen der Brownlees. Was aber für die Brownlees spricht, ist die Startliste des WM-Finals: In Person von Richard Varga (SVK) hat einer der engsten Vertrauten und der schnellste Schwimmer im Feld für den Wettkampf gemeldet. Richard Murray (RSA), Fernando Alarza (ESP), Pierre Le Corre, Aurelien Raphael, Dorian Coninx (alle FRA), Jacob Birtwhistle, Ryan Bailie, Aaron Royle (beide AUS), Crisanto Grajales (MEX), Kristian Blummenfelt (NOR), Joao Pereria (POR) und Olympia-Bronzegewinner Henri Schoeman (RSA) hätten an einem guten Tag und bei günstigem Rennverlauf zudem allesamt das Zeug, Mario Mola im Kampf um das Tages-Podest in die Quere zu kommen. Molas Landsmann Alarza selbst liegt im WM-Ranking zudem nur 261 Punkte hinter Jonathan Brownlee auf dem beinahe sicheren Bronzerang – dass er das Ranking noch weiter hinaufklettert, ist aber unwahrscheinlich.

 Für die Deutschen wären Top-Ten-Platzierungen in Mexiko überraschend. Zwar sorgten der sechste und achte Rang von Steffen Justus und Jonathan Zipf in Edmonton nach langer Talfahrt für einen Stimmungsaufheller im DTU-Team, allerdings war das Startfeld bei dem Rennen in Kanada auch ungleich viel schwächer besetzt als nun im WM-Finale. Indem sie Nachführarbeit in einer Verfolgergruppe der möglichen Spitzengruppe übernehmen könnten, könnten die Deutschen aber Mario Mola im Kampf um den WM-Titel unterstützen, sollte dieser den Sprung nach vorne beim Schwimmen erneut verpassen. Speziell Steffen Justus wäre dafür ein denkbarer Kandidat. Außerdem wird das DTU-Team in Mexiko durch Jonathan Zipf, Franz Löschke und Justus Nieschlag vertreten, für die es vor allem darauf ankommt, sich durch solide Ergebnisse ihre Startplätze in der kommenden WM-Saison zu sichern. Für Gregor Buchholz, der seine Karriere beenden will, wird das Rennen in Mexiko zudem aller Voraussicht nach der letzte World-Triathlon-Series-Wettkampf seines Lebens.