Maurice Clavel: "Will an der Ernährung und dem Laufen arbeiten"

Ungewöhnlich früh, nämlich schon an diesem Freitag, steigt Maurice Clavel in die Saison ein. Diese soll einige Änderungen mit sich bringen - und ihn nach Hawaii führen, erzählt der 29-Jährige im Interview.

Von > | 1. Februar 2018 | Aus: SZENE

Maurice Clavel legt in der neuen Saison einen Fokus auf das Laufen.

Maurice Clavel legt in der neuen Saison einen Fokus auf das Laufen.

Foto >James Mitchell

Seite 1: "Ich fighte, bis es keinen Sinn mehr macht"

Maurice Clavel, 2017 stand beim Ihnen im Zeichen der ersten Langdistanz. Mit Platz 3 bei der Challenge Roth waren Sie unmittelbar nach dem Rennen sichtlich zufrieden. Wie fällt Ihr Resümee mit einigen Monaten Abstand aus?

Ich hatte vor dem Rennen wirklich keine Vorstellung wie so eine Langdistanz ablaufen würde und hab mich überraschen lassen. Natürlich hat man seine Wunschvorstellung und denkt daran, dass man schon häufiger im Training 180 km Rad gefahren und auch locker einen Halbmarathon hinten dran gelaufen ist und man die restlichen Kilometer auch noch über die Bühne bringt. Aber wirklich wissen tut man es natürlich nicht. Ich bin im Nachhinein mit der Renngestaltung sehr zufrieden, muss aber sagen, dass die Ernährung besser hätte laufen müssen. Das hat mir schlussendlich den Zahn gezogen, weil ich vor allem beim Laufen nicht gut vorbereitet war. Ich bin zum Beispiel an den Verpflegungszonen vorbeigelaufen wie ein Irrer, anstatt es dort langsamer angehen zu lassen und mich gründlich zu versorgen. Meine eigene Verpflegung hat auch schon auf dem Rad nicht so gut geklappt und ich hatte beim Laufen Angst vor Magenkrämpfen, sodass ich davon nichts mehr zu mir genommen habe und im Prinzip von Beginn an nur noch Red Bull und Cola getrunken habe. Da sage ich im Nachhinein, dass es bei weitem nicht optimal war und ich es besser hätte hinbekommen müssen.

Sie haben noch in der gleichen Saison eine zweite Langdistanz in Louisville bestritten. Auch dort gab es Probleme mit der Ernährung, die Sie sogar zum Aufgeben gezwungen haben.

Genau, das Thema Ernährung ist für dieses Jahr definitiv ein Aspekt, an dem ich arbeiten muss. An sich war ich auch bei dem Rennen mit meiner Leistung super zufrieden und in wirklich richtig guter Verfassung. Ich hatte ja auch zusammen mit Andrew Starykowicz 12 Minuten Vorsprung nach 60 km auf dem Rad, obwohl am Anfang des Schwimmens sogar meine Brille von einem Paddel kaputt geschlagen wurde und ich über eine Minute lang gebraucht habe, um wieder alles zu sortieren. Nach einer Zeit habe ich dann eine von zwei Trinkflaschen mit Gels verloren, die leider auch noch für die zweite Hälfte der Radstrecke vorgesehen war. Dafür habe ich auch noch eine Penalty für Littering bekommen, was in den USA normal ist. Die Strafe war mir im Prinzip egal, weil ich wusste, dass Starykowicz kein überragender Läufer ist, aber mir war klar, dass mir der Verlust der Flasche noch teuer zu stehen kommen wird.

Anhalten war für Sie aber keine Option?

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht genau wann ich die Flasche verloren habe. Auf einer Abfahrt kam dann das Motorrad an und hat mir die Penalty gegeben. Da hatte ich aber mit Sicherheit 80 Sachen drauf und in der Situation keine Chance anzuhalten und umzudrehen. Ich bin dann bis Kilometer 150 gut durchgekommen und habe alles gegriffen, was ich an Bananen, Riegeln und Getränken bekommen konnte. Danach hat es mich aber wirklich zerlegt. Bis dahin hatte ich knapp zwei Minuten Rückstand auf Starykowicz, in der Wechselzone waren es dann fast acht. Ich habe auch gemerkt, dass ich die restlichen Kilometer nur noch rumgedümpelt bin und ziemlich leer war. Ich habe zwar beim Laufen versucht, mit vielen Gels und Gatorade zu arbeiten, aber da war es im Prinzip schon vorbei und ich musste mich mehrfach übergeben. Ich hatte aber immer noch Vorsprung auf Platz 3, was eigentlich schon unglaublich war und habe mir gedacht: „Ich fighte hier, bis es keinen Sinn mehr macht!“ Ich habe aber immer wieder Gehpausen einlegen müssen, habe gezittert und war einfach leer. Irgendwann kamen auch die Athleten von hinten und letztlich bin ich 15 km vor dem Ziel ausgestiegen, weil es einfach nicht mehr ging. Der Saisonabschluss war natürlich anders geplant, weil ich bei dem Rennen eigentlich die Qualifikation für Hawaii holen wollte.

Das Ziel Hawaii haben Sie schon nach dem sechsten Platz bei der Ironman-70.3-WM ausgegeben. Steht der Plan trotz Rennaufgabe immer noch?

Auf jeden Fall! Durch meine Punkte aus Chattanooga hat es einfach Sinn gemacht, noch einen Ironman zu bestreiten und die Qualifikation direkt zu sichern. Vor allem, weil ich gerne noch ein Rennen in den USA bestreiten wollte und die Radstrecke in Louisville richtig geil aussah. Der Fahrplan für Hawaii 2018 steht aber trotzdem noch, auch weil mein Team (BMC-Vifit Sport Pro Triathlon Team, Anm. der Redaktion) das gerne sehen würde. Ich muss sagen, dass ich auch nichts dagegen hätte, mich noch ein Jahr lang auf ein anderes großes Rennen zu konzentrieren, nichtsdestotrotz bin ich aber natürlich heiß auf das Rennen. Es ist aber so, dass ich speziell als Familienvater auch ein bisschen auf das Geld achten muss: Ich habe einen kleinen Sohn zu Hause, der ständig Hunger hat (lacht).  Ein Start auf Hawaii ist in vielen Fällen aber ein Verlustgeschäft. Das spielt bei mir sicherlich auch eine Rolle. Natürlich freue ich mich trotzdem und gebe alles. Die Mission ist klar und ich fange jetzt schon an, die nötigen Punkte zu sammeln.