Die Maurten-Produkte im Praxistest

Das Gel und Getränkepulver von Maurten verspricht eine optimale Energie- und Kohlenhydratzufuhr mit besonders hoher Verträglichkeit. Wir haben beide Varianten des "Drink Mix" und das neue "Gel 100" im Training und Wettkampf getestet.

Von > | 23. Mai 2019 | Aus: SZENE

Casper Stornes aus dem Team der norwegischen Nationalmannschaft gehört zu den Maurten-Athleten im Triathlon.

Casper Stornes aus dem Team der norwegischen Nationalmannschaft gehört zu den Maurten-Athleten im Triathlon.

Foto >Simon Müller / spomedis

Beim Ironman Frankfurt 2018 sorgte Jan Frodeno für viele schmunzelnde Gesichter und noch mehr Mutmaßungen, als er beim Radfahren auf seiner Getränkeflasche am Unterrohr einfach nur das Wort "Gel" kleben hatte. Was befindet sich wohl in der schwarzen Aero-Flasche des zweifachen Hawaii-Siegers? Kurze Zeit später die Auflösung: Frodeno gab bekannt, dass er im Rennen auf die Produkte der jungen schwedischen Firma Maurten setzt, die zuerst im Laufsport für viel Aufsehen sorgte. Auf einen Schlag schien es so, als würden alle Weltklasse-Marathonläufer nur noch mit Maurten-Produkten unterwegs sein. Mit kurzer Verzögerung setzte sich dieser Trend auch im Triathlon fort. Woher kommt es, dass mittlerweile so viele Profiathleten im Ausdauersport auf die Verpflegung aus Schweden zurückgreifen? Maurten hat es sich zur Aufgabe gemacht, Wettkampfverpflegung herzustellen, bei der die Energie in Form von Kohlenhydraten schnell aufgenommen werden kann und die gleichzeitig sehr bekömmlich und verträglich sein soll. Gerade dieser Aspekt der Verdaulichkeit der Maurten-Produkte macht viele Athleten hellhörig, da Magenprobleme speziell auf längeren Distanzen wie beim Marathon oder Mittel- und Langdistanzen im Triathlon ein weit verbreitetes Problem sind. Wir haben das angepriesene Trendgetränk mit dem dazugehörigen Gel selbst im Training und Wettkampf ausprobiert. 

"Drink Mix 160 und 320" – Hydrogel in Pulverform 

Bevor das Sortiment von Maurten um das Energiegel "Gel 100" ergänzt wurde, gab es zunächst nur den "Drink Mix 160" und den "Drink Mix 320". Dabei handelt es sich um Produkte in Pulverform, die jeweils mit 500 Millilitern Wasser gemischt werden sollen. Die Dosierung ist nach Angaben des Herstellers besonders wichtig, da das Pulver nur bei der korrekten Konzentration seine Stärke ausspielen und sich nur dann bei der Mischung das erwünschte Hydrogel bilden könne. Außerdem soll bei der Mischung darauf geachtet werden, dass der Kalziumgehalt des Wassers weniger als 40 Milligramm pro Liter beträgt, da die Auflösung des Pulvers sonst beeinträchtigt werden kann. Die Idee hinter der Hydrolgeltechnologie, die das Getränk auszeichnet: Die Drink-Mix-Produkte besitzen eine hohe Konzentration an Maltodextrin und Fruktose. Sobald die pH-empfindliche Mischung mit der Magensäure in Kontakt kommt, soll es sich in ein Hydrogel umwandeln. Dieses Gel soll einen reibungslosen und schnellen Transport der Mischung zum Darm ermöglichen, wo Wasser, Salz und Kohlenhydrate schnell aufgenommen werden. Der jeweilige Name des Produkts ist eng mit den Nährwerten verknüpft: 160 und 320 stehen jeweils für die Anzahl an Kalorien, die in einer Portion des jeweiligen Produkts enthalten sind. Der Drink Mix 160 besitzt pro Portionen 40 Gramm Kohlenhydrate (13 Gramm davon Zucker) und 0,4 Gramm Salz, während der Drink Mix 320 80 Gramm Kohlenhydrate (33 Gramm Zucker) und 0,5 Gramm Salz pro Beutel besitzt. 

Eine Box mit 18 Packungen (Portionen) des Drink Mix 160 liegt preislich bei 37,95 Euro, während 14 Packungen des Drink Mix 320 42,80 Euro kosten. Schnell wird klar: Ein Schnäppchen wird man hier nicht schlagen können, aber Qualität hat bekanntlich ja auch ihren Preis. 

Vorbereitung ist alles: Eine Portion \"Drink Mix 320\" soll in 500 Millilitern Wasser aufgelöst werden und enthält 80 Gramm Kohlenhydrate.

Vorbereitung ist alles: Eine Portion "Drink Mix 320" soll in 500 Millilitern Wasser aufgelöst werden und enthält 80 Gramm Kohlenhydrate.

Foto >Simon Müller / spomedis

Unsere Testerfahrung

Der Drink Mix lässt sich durch normales Schütteln gut auflösen, lediglich kleine Reste können am Boden der Flasche zurückbleiben, wenn man das Pulver vor dem Wasser einfüllt. Für die korrekte Konzentration haben wir extra eine Flasche genommen, die nur 500 Milliliter umfasst, damit es bei der Dosierung keine Schwierigkeiten geben kann. Der Geschmack der Drink-Mix-Produkte ist etwas süßlich und am Anfang vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, da man ihn nicht richtig definieren kann und die Produkte keine klare Geschmacksrichtung besitzen. Wir persönlich empfanden diese Tatsache allerdings als angenehm und besser gelungen als viele süßlich und künstlich schmeckende Alternativen, die sonst weit verbreitet sind. Denn durch diesen Geschmack bekommt man das Maurten-Pulver selbst nach einigen Stunden noch gut hinunter. Beim Trinken fällt auf – gerade beim Drink Mix 320 – dass die Konsistenz relativ dickflüssig ist. Deshalb aufgepasst bei Trinksystemen: Wer sich hochkonzentriertes Maurten-Pulver in sein Trinksystem am Rad füllt, sollte sichergehen, dass er dieses durch seinen Trinkhalm auch problemlos konsumieren kann und dies vorher ausprobieren. Außerdem sollte man das bereits fertig gemischte Pulver in sein System einfüllen, damit sich keine Reste am Boden absetzen.

Kommen wir zur Verträglichkeit: Bei uns haben die Maurten-Produkte diesen Sinn und Zweck ohne Probleme erfüllt. Disziplinübergreifend beim Schwimmen, Radfahren und Laufen und unabhängig von den Intensitäten und Längen der Einheiten hat das Getränk eingehalten, was es verspricht. Nämlich Energie zu liefern, ohne dabei den Magen zu belasten. Bei den rund 15 Einheiten, bei denen wir das Pulver ausprobiert haben, hatten wir keine Magenprobleme. Auch das klassische Aufstoßen, das gerade bei längeren Einheiten auftreten kann, konnte zu jeder Zeit vermieden werden. Wer allerdings Fruktose in seinen Sportgetränken nicht so gut verträgt, sollte vorsichtig sein. Durch die hohe Menge an Fruktose könnte es in diesen Fällen zu Problemen kommen, wie uns einige Athleten berichteten. Empfehlenswert ist dafür vielleicht ein Testpaket, bei dem man von den jeweiligen Produkten erst einmal einige Proben ausprobieren kann. Fazit: Auch wenn das Maurten-Pulver definitiv im hohen Preissegment mitspielt, erfüllt es seinen Zweck hervorragend und kann für Sportler, die sonst häufig mit Verpflegungs- und Magenproblemen zu kämpfen haben, eine geeignete Lösung bieten. 

Das weiße Pulver soll sich im Magen zu einem Hydrogel umwandeln und so besonders schnell aufgenommen werden.

Das weiße Pulver soll sich im Magen zu einem Hydrogel umwandeln und so besonders schnell aufgenommen werden.

Foto >Hersteller

"Gel 100" – Wackelpudding im Wettkampf? 

Wie auch beim Drink Mix steht die Zahl im Produktnamen beim "Gel 100" für die Kalorienanzahl pro Portion. Sprich: Ein Gel 100 enthält 100 Kalorien, 25 Gramm Kohlenhydrate und wiegt insgesamt 40 Gramm. Erst im vergangenen Jahr erweiterte Maurten das Sortiment um das neue Gel, nachdem es zuvor nur den Drink Mix gegeben hat. Das Gel enthält eine Zusammensetzung aus Fruktose zu Glukose im Verhältnis von 0,8 zu 1. Auch beim Gel wird die Hydrogeltechnologie eingesetzt und komplett auf Farb- und Konservierungsstoffe verzichtet. Das Gel ist zum Verzehr kurz vor, während oder direkt nach dem Wettkampf gedacht, wobei der Hauptfokus auf den ersten beiden der drei genannten Optionen liegt. Eine Box mit zwölf Portionen liegt preislich bei 38,52 Euro. 

 

12 Portionen des Gels, die jeweils 25 Gramm Kohlenhydrate enthalten, kosten in einer Box 38,52 Euro.

12 Portionen des Gels, die jeweils 25 Gramm Kohlenhydrate enthalten, kosten in einer Box 38,52 Euro.

Foto >Simon Müller / spomedis

Unsere Testerfahrung ("Gel 100")

In Sachen Verträglichkeit hat sich auch das Gel 100 super geschlagen. Sowohl bei Laufwettkämpfen und langen beziehungsweise intensiven Einheiten auf dem Rad als auch im Triathlon überzeugte das Gel und stellte keine Schwierigkeiten für den Magen dar. Den Geschmack empfanden wir allerdings als nicht ganz so angenehm wie beim Drink Mix. Probleme bereitete er in Kombination mit der ungewöhnlichen Konsistenz. Diese erinnert nämlich stark an Wackelpudding und führt dazu, dass es sehr schwierig ist, das Gel bei hoher Belastung und Intensität zu sich zu nehmen. Denn der Verzehr ist nicht so schnell möglich wie bei flüssigem Gel, sondern es muss regelrecht gekaut werden, um die gesamte Masse aufzunehmen. Der Eigengeschmack erschwerte und verlängerte den Verzehr im Wettkampf zusätzlich. Dazu kommt, dass wir es als deutlich angenehmer empfanden, etwas "nachzutrinken", nachdem man das Gel zu sich genommen hat. Bewährt hat sich im Test der Verzehr des Gels vor einem Wettkampf – ganz ohne Zeitdruck. Fazit: Qualität top, über den Geschmack und die damit verbundene Aufnahmefähigkeit lässt sich streiten. Wer das Gel unter voller Belastung im Wettkampf zu sich nehmen will, sollte dies vorher auf jeden Fall trainieren und sich eine funktionierende Ernährungstaktik zurechtlegen. 

Die Konsistenz des \"Gel 100\" kommt der von Wackelpudding gleich. Das könnte die Aufnahme unter Belastung verlängern und erschweren, weshalb man den Verzehr zuvor unbedingt trainieren und proben sollte.

Die Konsistenz des "Gel 100" kommt der von Wackelpudding gleich. Das könnte die Aufnahme unter Belastung verlängern und erschweren, weshalb man den Verzehr zuvor unbedingt trainieren und proben sollte.

Foto >Simon Müller / spomedis