Schwimmen gegen die Angst vorm Wasser

Der erste Athleten-Newsletter ist da. Nun wird es langsam ernst und der Ironman Frankfurt rückt näher für unsere Bloggerin Anita Horn. Dabei warten weitere zwei Wochen Laufpause auf sie.

Von > | 13. Juni 2018 | Aus: SZENE

Tempodauerläufe im Wasser, gekoppelt mit 2 Kilometer schwimmen und schnellen Intervallen. Die letzten Trainingseinheiten stehen Anita bevor.

Tempodauerläufe im Wasser, gekoppelt mit 2 Kilometer schwimmen und schnellen Intervallen. Die letzten Trainingseinheiten stehen Anita bevor.

Foto >Privat

Ich bin ganz aufgeregt. Jetzt wird es langsam ernst. Das merke ich immer, wenn der erste Athleten-Newsletter für den anstehenden Wettkampf bei mir im Postfach landet. Und den habe ich jetzt für den Ironman Frankfurt bekommen. Und ich habe mich tatsächlich auf der Starterliste entdeckt. Das beruhigt mich. Oder auch nicht. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Ich bin wirklich angemeldet. Wenn ich mich nicht verzählt habe, sind übrigens nur 57 Frauen in meiner Altersklasse. Da kam mir direkt die Frage, ob da nicht vielleicht sogar eine gute Platzierung in der AK drin ist. Aber im selben Moment habe ich diesen Gedanken wieder verworfen. Erstens will ich mich nicht hetzen und zweitens bin ich gerade sowas von nicht-bereit, dass mein höchstes Ziel wirklich sein wird einfach anzukommen.

Nicht-bereit bedeutet: Fuß kaputt, Arm kaputt. Seit zwei Wochen habe ich Laufpause. Eine werde ich noch warten – aber immerhin darf ich wieder ein Aufbautraining starten, also Kräftigungsübungen an Treppenstufen und exzentrisches Training. Dazu weiter Aquajogging. Alles kein Laufen, aber besser als nichts. Da ich als Ersatz noch mehr Radfahren und Schwimmen war, macht sich jetzt auch noch mein rechter Unterarm einschließlich Handgelenk bemerkbar. Vom ganzen Aufstützen auf dem Lenker, dem Bremsen im Stadtverkehr und weil der rechte Arm beim Schwimmen auch noch mehr ackert als der linke. Dazu ist mein Bauch in den letzten Tagen knüppelhart – als wären alle Organe verkrampft. Könnte aber auch einfach an den Massen von Essen liegen, die ich in den letzten Tagen verdrücke.

Am Wochenende bin ich nämlich 180 Kilometer mit dem Zeitrad gefahren, Sonntag waren es dann nochmal 100 Kilometer und eine Schwimmsession. Zusammen habe ich dabei etwa 6000 Kalorien verbraten und bin bis heute dabei, das Konto mit Hilfe von Cornflakes, Porridge, Nudeln, Brot und Obst wieder auszugleichen. Vorgestern war ich 4 x 1.000 m mit Neo im Freibad schwimmen – mit einer Durchschnittspace von 1:53 min/100 m. Gestern habe ich einen Tempodauerlauf im Wasser gemacht und heute Morgen eine Stunde Aquajoggen gesplittet mit 2 Kilometer schwimmen und schnellen Intervallen. Und ich würde lügen, wenn ich nicht sagen würde, dass es mir langsam reicht. Mein Körper meldet sich ja schon zu Wort, mein Kopf hat ab und zu erste kleine Aussetzer („och nö, heute schwimme ich ohne Intervalle“). Ich trete mich immer öfter zum Training, als dass ich es kaum erwarten kann. Ich bin mittlerweile durchaus k.o. und von Tag zu Tag nervöser. Ich hoffe, dass meine Haxe hält, dass meine Rechnungen für die Wettkampfernährung hinhauen und korrigiere täglich meine anvisierten Split-Zeiten nach oben oder unten – je nachdem wie das Training vorher lief.

Neoverbot beim Schwimmen?

Wenn ich allerdings den Athleten-Newsletter lese, bin ich eigentlich doch direkt wieder beruhigt. Da steht bei den Tipps fürs Schwimmen sowas wie „Sie sollten schon mal im Freiwasser geschwommen sein“ und „gut trainiert zu sein hilft gegen Angst im Wasser“. Da steht auch, dass man an einen Neo gewöhnt sein sollte, falls man in braucht. Allerdings sieht es aktuell sehr danach aus, dass es ein Neoverbot geben könnte. Laut Homepage des Langener Waldsees lag die Wassertemperatur vor zwei Tagen bei 24,9 Grad. Neoverbot ist laut DTU-Regelwerk ab 24,6 Grad. Es bleibt spannend. Vielleicht schwimme ich meine 4 Kilometer im See morgen besser mal ohne Auftriebshilfe. Ich frag mal meinen Trainer Micha. Und vielleicht darf ich ja Samstag und Sonntag bei den 120 und 150 Kilometern auf dem Rad zumindest eine Eispause machen? Ich soll Fuß und Arm schließlich gut kühlen. Und bevor noch mehr kaputt geht oder ich vor lauter Essen und Aufregung platze, würde ich sagen: es darf losgehen! Mein erster Ironman. European Championship Frankfurt. Wow.