Mein neuer Halbtagsjob

Der Countdown läuft: Für Anita Horn sind es noch 2 Monate bis zum Ironman Frankfurt. Ihre Erfolgsformel hat unsere Bloggerin gefunden: "Ironman-Vorbereitung heißt: gut strukturiert sein. Und immer was zu futtern im Haus haben."

Von > | 9. Mai 2018 | Aus: SZENE

Je näher der Ironman Frankfurt kommt, desto häufiger ruft das Zeitfahrrad.

Je näher der Ironman Frankfurt kommt, desto häufiger ruft das Zeitfahrrad.

Foto >Privat

Acht von 24 Stunden habe ich schon geschafft. Der Titel meines Trainingsplans lautet diesmal „harte Woche“. Drei Wochentage hat mein Coach Micha Rundio rot markiert. Die winzigen Lücken zwischen den Einheiten male ich mir grün im Kalender an – da ist Zeit um den Supermarkt leerzukaufen und mir Essen zu machen. Ironman-Vorbereitung heißt: gut strukturiert sein. Und immer was zu futtern im Haus haben. Ich kann sonst für nichts garantieren.

Fünf Schwimmeinheiten stehen diese Woche an. Montag war Programm angesagt, mit 10 x 200 Meter im Grundlagentempo. Gestern war es pures Langdistanz-Schwimmen ohne Hilfsmittel. Ich bin einfach die Ironman-Distanz am Stück geschwommen. 3,8 Kilometer, ohne Neo, ohne Pullbuoy, immer hin und her. Und dabei hatte ich viel Zeit, mir Gedanken zu meinem großen Tag zu machen. Bisher habe ich das erfolgreich vermieden, weil ich dann schrecklich nervös werde. Wie werden die Temperaturen? Wird es ein Neoverbot geben? Wo ordne ich mich beim Rolling Start ein und wie wird der Landgang?

Luft nach oben

Nach 1,5 Kilometern müssen wir das Wasser kurz verlassen und dann wieder weiter schwimmen. Wofür soll das eigentlich gut sein? Und bin ich dann komplett aus dem Rhythmus? Oder ist es sogar cool, nochmal vom Publikum angejubelt zu werden? Ich weiß, dass meine Eltern, mein Freund, viele gute Freunde und Vereinskollegen da sein werden, um mich über die Strecke zu jagen. Wenn ich mir den Tag bildlich vorstelle, dann rutscht mein Herz in die Hose. Ich werde in der Nacht zuvor bestimmt kein Auge zumachen. Und trotzdem freue ich mich wie Bolle. Jetzt muss nur alles glatt gehen bis zum 8. Juli. Keine Erkältung, kein Übertraining, keine Zwischenfälle. Nur ein bisschen fitter darf ich noch werden. Denn noch ist Luft nach oben.

Nach 1:15 Stunden hatte ich mein Tagesziel erreicht und bin aus dem Wasser gestiegen. Ich bin eigentlich ganz zufrieden mit meiner Zeit. Vorher habe ich immer 1:20 Stunden für diese Strecke gebraucht. Aber da geht noch was, das weiß ich. Auch wenn es eigentlich um gar nichts geht. Wieso will man als Amateur eigentlich schneller werden? Damit es schnell vorbei ist? Sollte man nicht eigentlich so lange wie möglich was von diesem einen Tag haben wollen?

Anita Horn schwimmt die Ironmandistanz (3,8 Kilometer) Probe.

Anita Horn schwimmt die Ironmandistanz (3,8 Kilometer) Probe.

Foto >Privat

Meine Zielzeit in Frankfurt

Ich werde in letzter Zeit oft gefragt, was für eine Zeit ich mir eigentlich vorgenommen habe. Meine Antwort ist immer: gut durchkommen. Klar habe ich mir ausgerechnet, was geht. Aber ich will mir keinen Druck machen. Und doch frage ich mich, in was für einem Tempo ich Rad fahren kann und welche Pace ich beim Laufen anschlagen soll. Am Dienstag bin ich mit zwei Freunden eine 100-Kilometer-Feierabend-Runde mit Zeitfahrrädern gefahren. Danach war ich noch drei Kilometer koppeln. Ich habe nicht auf die Uhr geguckt und hinterher gesehen, dass ich mit 5:20er-Schnitt gelaufen bin. Für Frankfurt peile ich eigentlich eine langsamere Pace an.

Aber vielleicht reitet es mich ja und ich bin schneller?! Jetzt muss ich aber erstmal schnell was zu essen haben – bevor ich gleich 15 Kilometer laufen und danach auf mein Zeitfahrrad gehe. Ich muss den Sattel noch umbauen und die Aeroflasche montieren. Diese Vorbereitungszeit hat keine bestimmte Farbe in meinem Kalender. Sowas mache ich während die Nudeln kochen. Oder knapse es vom Schlaf ab. Schließlich hat der Tag ja 24 Stunden. Theoretisch mache ich also nur einen Tag Sport, diese Woche. Das klingt doch gar nicht so hart. Und für den Ironman brauche ich nur halb so lange. Es ist eben alles eine Frage der Definition.