Michael Raelert: "Wenn der Kopf nicht mitspielt, hast du keine Chance"

Letztes Jahr habe er den Bogen überspannt, erzählt Michael Raelert im Interview. Mit neuem Coach und neuer Trainingsstruktur soll der Durchbruch auf Hawaii gelingen.

Von > | 12. Februar 2018 | Aus: SZENE

Michael Raelert: \"Ich möchte auf Hawaii aufs Podium.\"

Michael Raelert: "Ich möchte auf Hawaii aufs Podium."

Foto >Marc Sjoeberg / www.ingokutsche.de

Michael Raelert im Interview

Michael Raelert, wie beurteilen Sie die Saison 2017?
Die Saison war wirklich durchwachsen, womit ich auch nicht zufrieden bin. Natürlich klingt es gut, wenn ich mich jetzt Europameister nennen darf, aber ich bin insgesamt hinter meinen Erwartungen geblieben. Ich wollte nach Hawaii und bei der Ironman 70.3 Weltmeisterschaft um den Sieg kämpfen, insofern habe ich meine beide wichtigsten Ziele nicht erreicht. Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich zu Beginn des Jahres in Thailand zu viel trainiert habe und dann in eine Negativ-Spirale geraten bin, aus der ich nicht mehr rauskommen konnte. Bei einzelnen Wettkämpfe hat es dann noch ganz gut funktioniert, aber für die ganz großen Ziele hat es einfach nicht gereicht. Ich hatte dann noch mit Verletzungen zu kämpfen und war häufiger krank, was alles darauf schließen lässt, dass ich meinem Körper zu viel zugemutet habe. Am Ende der Saison habe ich dann den Anfängerfehler gemacht und wollte mit der Brechstange zu viel zu schnell um die Saison doch noch irgendwie zu verbessern.

Ihr letztes Rennen haben Sie erst Ende November bestritten. Haben Sie Ihrem Körper anschließend die nötige Ruhe geben können?
Das Rennen in Australien hat mir dann letztlich die Augen geöffnet. Ich habe mich im Vorfeld zwar körperlich ganz gut gefühlt und die Ergebnisse im Training waren auch vielversprechend, der Kopf war aber einfach leer und ich war nicht mehr bereit dazu, mich in letzter Instanz zu quälen. Wenn der Kopf nicht mitspielst, hast du keine Chance mehr zu reagieren, sobald du einmal ins Hintertreffen gerätst. Du müsstest dann eigentlich flexibel sein und auf die Situation reagieren, aber ich war in dem Moment nicht mehr in der Lage zu sagen: „Das wird wieder!“. Nach dem Rennen hieß es daher erst einmal die Reißleine zu ziehen. Dann wurde viel Schokolade ausgepackt, die Füße hochgelegt und Sonnenuntergänge angeguckt. Das war für mich dann der Zeitpunkt, die gesamte Saison Revue passieren zu lassen und zu analysieren, warum die Dinge so gelaufen sind. Bis Weihnachten habe ich dann überlegt, wohin ich möchte und wie es weitergehen soll. Seitdem beginnt ein kompletter Form-Neuaufbau.

Wie lief der Aufbau bisher?
Sehr gut, muss ich sagen. Man merkt natürlich schnell, was fehlt, aber auch, dass viele Sachen langsam wieder kommen. Die feste Struktur im Training und auch das Trainieren in der Gruppe hilft mir ungemein. Ich bin zwar körperlich nicht weiter als zum gleichen Zeitpunkt im letzten Jahr, aber vom Kopf her deutlich frischer und mit mehr Spaß dabei.