Michael Raelert: "Wenn der Kopf nicht mitspielt, hast du keine Chance"

Letztes Jahr habe er den Bogen überspannt, erzählt Michael Raelert im Interview. Mit neuem Coach und neuer Trainingsstruktur soll der Durchbruch auf Hawaii gelingen.

Von > | 12. Februar 2018 | Aus: SZENE

Michael Raelert: \"Ich möchte auf Hawaii aufs Podium.\"

Michael Raelert: "Ich möchte auf Hawaii aufs Podium."

Foto >Marc Sjoeberg / www.ingokutsche.de

"Das Vertrauen in den Trainingsplan ist neu"

Haben Sie seitdem grundlegende Dinge im Training verändert?
Ich verfolge im Training jetzt wieder diszipliniert eine klare Struktur. Die hatte ich in letzter Zeit immer wieder schleifen lassen. Auch das Vertrauen in den Trainingsplan und den Mut im Zweifel eine Einheit ausfallen zu lassen ist neu. Dazu kommt, dass Aspekte aufgenommen wurden, die mich damals erfolgreich gemacht haben. Vor allem die schnellen und knackigen Einheiten, vor denen man schon zwei Tage vorher aufgeregt ist, haben mich in der Vergangenheit nach vorn gebracht. So etwas habe ich die letzten Jahre gar nicht mehr gemacht. Da hieß es eher „lang, lang und noch einmal lang“. Da war ich am Ende vom Kopf her leer und die Einheiten haben mir so auch keinen Spaß mehr gemacht. Jetzt ist das Training wieder dahingehend umgestellt, dass man wieder feuern kann, sich auf die Bahn stellt und sich im Training mit anderen vergleicht. Es ist wieder etwas spielerischer mit mehr Tempo, was mir persönlich sehr liegt. Man geht zwar im Training nicht direkt ans Limit, aber in der Gruppe kommt man an eine Grenze, die man alleine so nicht erreicht hätte. Auf der anderen Seite ist es schön zu sehen, dass jeder aus der Gruppe so professionell ist, dass er keine verrückten Sachen macht und seinen Plan professionell durchzieht.

Im letzten Jahr waren Sie über lange Zeit in Thailand zum Trainieren. Ist diese Saison wieder ein längeres Trainingslager geplant?
Den ersten Teil der Saison werde ich Zuhause trainieren und Trainingsblöcke wie jetzt mit dem Team Erdinger Alkoholfrei in der Sonne in Europa absolvieren. Mit den ersten Rennergebnissen kann ich dann beurteilen, wie und wo ich mich dann noch verbessern kann.

Bleibt der Ironman Hawaii auch 2018 weiterhin das Ziel?
Ja, ich möchte in Kona auf das Podium. Das ist mit meinem Trainer so besprochen und wir glauben, dass das Potenzial da ist. Um zu gewinnen müsste natürlich dann noch ganz viel zusätzlich gut gehen. Das würde ich mir wünschen, erwarte es aber nicht mehr bedingungslos. Auf der Mitteldistanz hoffe ich, dass ich mein Tempo mitnehmen und dort wieder vorn mitmischen kann.

Der Ironman Südafrika ist die erste Gelegenheit Punkte für Hawaii zu sammeln.
Ich werde noch etwas abwarten, wie ich die erste Trainingsphase überstehe, aber so sieht der Plan erst einmal aus. Im besten Fall kann ich dann Mitte April schon die Qualifikation für Hawaii holen. Ich glaube, dass ich das Potenzial für die Langdistanz habe und den Traum von Hawaii lebe ich immer noch gemeinsam mit meinem Bruder. Wir glauben beide daran, dass wir es dort schaffen können. Mir ist bewusst, dass Sport nur schwer planbar ist. Man nimmt sich etwas vor und trainiert auf ein großes Ziel hin und dann ist man drei Tage vorher auf einmal krank. Das wird in diesem Jahr aber hoffentlich anders werden.

Welche weiteren Rennen sind ansonsten noch geplant?
Im September möchte ich gern bei der 70.3-WM in Südafrika starten und vorn mitmischen. Dazu kommen noch einige regionale Wettkämpfe wie der Chiemsee Triathlon und wohl auch wieder The Championship in Samorin. In den Rennen versuche ich zu zeigen, was ich drauf habe. Es ist auch noch möglich, dass ich bei weiteren deutschen Rennen an den Start gehe. Ich hätte zum Beispiel total Lust auf den Ironman Hamburg, aber noch weiß ich nicht, ob mein Körper ein Rennen so kurz vor Hawaii verkraften kann und ich mir die Strapazen in diesem Jahr schon zutrauen würde. Vor Freunden und der Familie starten zu können, hätte aber natürlich einen großen Reiz.