Nicola Spirig: "Gwen Jorgensen verdient Gold"

Auf der Laufstrecke triezten sie sich mit Psychospielchen, doch im Ziel waren die kleinen Meinungsverschiedenheiten zwischen Nicola Spirig und Gwen Jorgensen schnell wieder vergessen. Nur Non Stanford muss sich anstrengen, dem Ergebnis dieses Olympia-Rennens etwas Positives abzugewinnen: Die Stimmen der vier schnellsten Frauen.

Von > | 20. August 2016 | Aus: SZENE

Nicola Spirig, Gwen Jorgensen und Vicky Holland | Die Medaillengewinnerinnen von Rio 2016: Nicola Spirig (SUI, Silber), Gwen Jorgensen (USA, Gold) und Vicky Holland (GBR, Bronze)

Die Medaillengewinnerinnen von Rio 2016: Nicola Spirig (SUI, Silber), Gwen Jorgensen (USA, Gold) und Vicky Holland (GBR, Bronze)

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Gwen Jorgensen (USA) - 1. Platz

"Ich kann nicht aufhören zu weinen, weil Gold gewonnen habe. Wir haben in den vergangenen vier Jahren so viel in dieses Ziel investiert, dass ich nun einfach nur glücklich bin. Ich wusste, dass ich heute eine Zielscheibe auf dem Rücken habe, aber das ist besser, als in letzter Minute aufsteigen und alles umkrempeln zu müssen. Mir war klar: Wenn ich einfach weiterhin tue, was ich die ganze Zeit getan habe, könnte es funktionieren. Ein perfektes Rennen gibt es, glaube ich, nicht, aber es hat heute Spaß gemacht. Nicola hat ein paar Spielchen gespielt. Das war unterhaltsam und hat die Sache hoffentlich auch für die Fans aufregend gemacht. Ich wusste, dass die anderen versuchen würden, auszureißen, aber ich wollte nicht in die Situation kommen, mir Zeit zurückerarbeiten zu müssen."

Auf die Frage, ob Nicola Spirig beim Laufen zu ihr sagte: "Ich habe eine Medaille und Du nicht."

"Das hat sie - und das war ja komplett richtig. Nun habe ich eine und sie zwei."

Nicola Spirig (SUI) - 2. Platz

"Gwen hat beim Laufen zuerst geführt, dann hat sie mich nach vorne und führen lassen, als wir etwas Gegenwind hatten. Wir haben dann mit ein paar Psychospielchen angefangen, weil in der dritten Runde niemand mehr führen wollte. Ich habe ihr gesagt "Come on, Gwen" - aber sie erwiderte, dass sie zuvor geführt hätte. Darum meinte ich, dass ich bereits eine Medaille habe und es deshalb natürlich an ihr ist, jetzt zu arbeiten. Das waren nur Psychospielchen, am Ende war sie stärker und schneller als ich. Es war klar, dass Gwen eine extrem starke Läuferin ist, deshalb musste ich alles versuchen und habe das auch getan. Ich bin sehr glücklich. Sie verdient Gold!"

"Ich bin aber sehr stolz auf mein Ergebnis, denn das war kein leichter Weg da hin. Ich habe mir im März die Hand gebrochen und seitdem drei Platten und 23 Schrauben in meiner Hand. Es war nicht einfach, zurückzukommen. Und ich hatte Verpflichtungen, weil ich eine Olympiasiegerin bin, ein Vorbild. Die Vorbereitung war dementsprechend schwierig, und trotzdem habe ich es geschafft, sehr gut zu trainieren. Ich bin extrem glücklich mit dieser Silbermedaille. Für mich dieser Triumph noch emotionaler als die Goldmedaille vor vier Jahren."

Vicky Holland (GBR) - 3. Platz

"Im Zielsprint gegen Non Stanford um Bronze habe ich immer nur gedacht: "Eine von uns wird es machen, eine von uns wird Bronze gewinnen." Ich musste in diesem Moment versuchen, nicht daran zu denken, dass wir Mitbewohner sind, denn mit diesem Gedanken kann man kein Rennen seriös bestreiten. Wir sind gut befreundet, aber das ist kein Grund, nicht zu sprinten. Das erste, was ich zu Non im Ziel gesagt habe, war: "Es tut mir so leid"."

Zu Non Stanford: "Du solltest auf den vierten Platz wirklich stolz sein. Es ist besser als der fünfte, der sechste, besser als der siebte Platz."

Non Stanford (GBR) - 4. Platz

"Wir wollten heute jemanden auf das Podium bringen, das war das Ziel und darüber freue ich mich. Es ist natürlich bittersüß, wenn man selbst so nah dran war und ausgesprintet wird. Aber wenn die andere deine beste Freundin und Mitbewohnerin ist, ist das irgendwie auch ein Sieg. Ich freue mich wirklich sehr für Vicky, aber der vierte Platz ist natürlich nicht der schönste, den man bei den Olympischen Spielen belegen kann. Immerhin haben wir nun eine Medaille im Haus."