Nieschlag hofft auf Top-Ergebnis bei Duffy-Heimspiel

Nach einem unglücklichen Auftakt in Abu Dhabi hofft Justus Nieschlag beim zweiten Rennen der World Triathlon Series auf Bermuda auf ein Topergebnis. Auf Frauenseite steht Weltmeisterin Flora Duffy gehörig unter Druck.

Von > | 25. April 2018 | Aus: SZENE

Flora Duffy

Flora Duffy

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Sie sei eigentlich eine introvertierte Person, und als solcher ist ihr der Trubel um ihre Person manchmal etwas zu viel, erklärte die von den Bermudas stammende Flora Duffy unlängst nach ihrem Sieg bei den Commonwealth Games. "Es lastete vor dem Rennen ein enormer Druck auf mir, weil mein kleines Land nicht so viele Medaillenchancen hat. In meiner Heimatstadt hängt ein 15 Meter hohes Poster von mir", erzählte Duffy nach dem Sieg Anfang April. Eine Erlösung war dieser Sieg allerdings nur vorübergehend. Rund drei Wochen später steht Duffy schon wieder unter Druck - und vielleicht sogar noch ein wenig mehr als zu den Commonwealth Games. Denn die World Triathlon Series macht am Samstag, quasi zu Ehren der zweimaligen Kurzdistanz-Weltmeisterin, erstmals Station auf den Bermudas - und natürlich wird Flora Duffy von den Veranstaltern als Zuschauermagnet für die Veranstaltung genutzt.

Duffy geht im Vorfeld auf Nummer sicher

Wie sehr das die 30-Jährige beschäftigt, offenbarte sie schon wenige Tage nach ihrem Sieg im Triathlonrennen der Commonwealth Games. Da sagte die mehrfache Xterra-Weltmeisterin nach einem Streckencheck nämlich ihren usprünglich geplanten Start im Mountainbike-Event der Spiele ab, weil der außergewöhnlichen Radfahrerin der Kurs zu heikel und das Verletzungsrisiko im Hinblick auf ihr Triathlon-Heimspiel zu groß war.

Es lässt sich also erahnen, wie aufgeregt Flora Duffy sein wird, wenn sie sich am Samstagabend (mitteleuropäischer Zeit) an der Startlinie der olympischen Distanz um das zweite Rennen der World Triathlon Series 2018 aufreiht. Doch wenn sie das beim Schwimmen in gewohnter Weise kanalisieren kann, nämlich in Form von Vortrieb, hat Duffy beste Chancen, dass sie den Erwartungen ihrer Landsleute auch gerecht werden kann und einmal mehr eine beeindruckende Show hinlegt. Denn Duffy hat keine Scheu, sich nach einem schnellen Schwimmen auf dem Rad notfalls auch als Solistin gegen das große Hauptfeld zu erwehren - und schafft es anschließend für gewöhnlich trotzdem immer noch, mit einer der schnellsten Laufzeiten aufzuwarten.

Problematisch könnte es für Duffy werden, wenn sie sich auf der hügeligen Strecke nicht lösen können sollte. Dann dürften in Rachel Klamer (NED), Kirsten Kasper (USA), Vicky Holland, Jodie Stimpson (beide GBR), Katie Zaferes (USA), Summer Cook (USA) und Jolanda Annen (SUI) einige Damen bereitstehen, die Duffy das Leben in einer reinen Laufentscheidung schwer machen könnten. Auch die einzige Deutscheim Startfeld, Laura Lindemann, sollte aus einer Laufentscheidung heraus in den Kampf mindestens um eine Top-Ten-Platzierung eingreifen können.

Nieschlag mit guten Karten

Eine solche Platzierung ist auch Justus Nieschlag zuzutrauen, der beim Serienauftakt in Abu Dhabi trotz eines Radsturzes den 15. Rang erreicht hatte. Und auch wenn der Niedersachse sich im Vorfeld bedeckt hält, ist davon auszugehen, dass er als starker Radfahrer die hügelige Radstrecke - ein gutes Schwimmen vorausgesetzt - ähnlich wie Duffy gerne nutzen würde, um einige schnelle Läufer auf den 40 Radkilometern abzuschütteln. Mit dem Sieger des Auftaktrennens, Henri Schoeman (RSA), sowie Ben Kanute (USA) und Richard Varga (SVK) - allesamt gute Schwimmer und minestens solide Radfahrer - scheinen sich auch gleich mehrere potenzielle Fluchthelfer aufzudrängen. Allerdings dürfte das Hauptfeld gewillt sein, sich einer solchen möglichen Attacke entgegenzustemmen. In Mario Mola, Fernando Alarza (beide ESP), Vincent Luis (FRA), Richard Murray (RSA), Aaron Royle (AUS) und Kristian Blummenfelt (NOR) steht nämlich eine ganze Reihe von Athleten am Start, die eine Entscheidung um den Tagessieg angesichts ihrer eigenen Laufstärke wohl gerne erst auf den letzten zehn Kilometern herbeiführen würden.

Neben Nieschlag haben sich auch noch zwei andere deutsche Männer für das Rennen auf den Bermudas qualifiziert. Jonas Schomburg, der wie Nieschlag aus Niedersachsen stammt, könnte dabei für seinen Landsmann sogar eine Schlüsselrolle spielen, schließlich sind beide gute Schwimmer und könnten sich somit gemeinsam in einer Spitzengruppe auf dem Rad wiederfinden. Der Wormser Linus Stimmel wird so weit vermutlich noch nicht denken - denn für den 21-jährigen Informatikstudenten wird das Rennen auf den Bermudas der erste Renneinsatz auf höchster Ebene der International Triathlon Union.