Flora Duffy gewinnt Olympia-Testevent nach Doppel-Disqualifikation

Jessica Learmonth und Georgia Taylor-Brown laufen beim Olympia-Testevent in Tokio gemeinsam über die Ziellinie und werden dafür disqualifiziert. Flora Duffy, die zunächst als Dritte die Ziellinie überquert, wird bei ihrem Comeback nachträglich zur Siegerin erklärt.

Von > | 15. August 2019 | Aus: SZENE

Flora Duffy kommt bei ihrem Comeback in Tokio zunächst als Dritte ins Ziel – und gewinnt am Ende überraschend nach der Disqualifikation von Jessica Learmonth und Georgia-Taylor-Brown (Archivbild).

Flora Duffy kommt bei ihrem Comeback in Tokio zunächst als Dritte ins Ziel – und gewinnt am Ende überraschend nach der Disqualifikation von Jessica Learmonth und Georgia-Taylor-Brown (Archivbild).

Foto >Delly Carr | ITU

Die erste von vielen Überraschungen beim Frauenrennen des Olympia-Testevents in Tokio gab es bereits vor dem Startschuss: Aufgrund der angekündigten Hitze von über 30 Grad in Kombination mit der hohen Luftfeuchtigkeit von etwa 85 Prozent wurde schon im Vorfeld reagiert und die zehn Kilometer lange Laufstrecke wurde auf fünf Kilometer verkürzt. Eine Entscheidung, die für geteilte Meinungen sorgte und bei einigen Nationen unmittelbare Folgen hatte: So gab Australien beispielsweise sofort bekannt, dass das Rennen mit dieser verkürzten Laufstrecke nicht mehr als Qualifikationsrennen für die Olympischen Spiele im kommenden Jahr zähle, da keine olympische Distanz absolviert wird. Wie bei anderen Nationen mit diesen Änderung umgegangen wird, ist noch nicht abschließend geklärt. 

Learmonth dominiert das Schwimmen

Bei den 1,5 Kilometern der Auftaktdisziplin, die erwartungsgemäß ohne Neoprenanzug absolviert werden mussten, war es direkt von Beginn an die Britin Jessica Learmonth, die sich an die Spitze setzte und für ein hohes Tempo sorgte. Bereits nach der ersten von zwei Schwimmrunden hatte sie einige Meter Vorsprung auf ihre erste Verfolgerin. Diesen Vorsprung baute sie auf den zweiten 750 Metern weiter aus und kam nach 19:26 Minuten als Erste aus dem Wasser. Ihren Vorsprung von rund zehn Sekunden auf die ersten Verfolgerinnen konnte Learmonth nutzen, um die Radstrecke nach einem schnellen Wechsel ebenfalls alleine in Angriff zu nehmen. Laura Lindemann ging 41 Sekunden hinter der Führenden auf die Radstrecke und verpasste damit die erste Radgruppe knapp.

Zaferes stürzt, Lindemann in zweiter Gruppe

Die erste Viertelstunde auf dem Rad konnte Learmonth ihre alleinige Führung behaupten und die erste große Verfolgergruppe mit den äußerst starken Radfahrerinnen um Katie Zaferes (USA) und Flora Duffy (BER) zunächst auf Distanz halten. Die zehnköpfige Verfolgergruppe, in der sich außerdem die Mitfavoritinnen Georgia Taylor-Brown (GBR), Taylor Spivey und Summer Rappaport (beide USA) befanden, machte allerdings Sekunde um Sekunde gut. Das lag vor allem daran, dass Duffy und Zaferes an der Spitze der Gruppe für ein enorm hohes Tempo sorgten. Diesem Tempo konnten Rappaport und Emma Jackson (AUS) nach drei Runden nicht mehr folgen und fielen aus der Gruppe heraus. Wenige Minuten später kam es zum Schockmoment des Rennens: Katie Zaferes und Kirsten Kasper stürzten nach einer Kurve, für Topfavoritin Zaferes war der Wettkampf damit vorbei. Die von dort an sechsköpfige Spitzengruppe baute ihren Vorsprung auf die Verfolgergruppe nichtsdestotrotz weiterhin aus. Gemeinsam und mit knapp zwei Minuten Vorsprung vor der zweiten Gruppe, in der sich auch Laura Lindemann befand, wechselte die Führungsgruppe in die Laufschuhe.

Duffy gewinnt nach britischer Doppel-Disqualifikation, Lindemann auf Rang sechs

Statt der vier geplanten Laufrunden mussten auf dem verkürzten Kurs nur noch zwei Runden absolviert werden. Schon nach wenigen Sekunden setzten sich Learmonth, Taylor-Brown und Duffy von ihren drei restlichen Mitstreiterinnen ab. Kurz danach musste Duffy, die nach einjähriger Verletzungspause in Tokio ihr Comeback gab, die beiden Britinnen ziehen lassen. Statt es auf einen Endsprint ankommen zu lassen, entschieden sich Learmonth und Taylor-Brown dazu, gemeinsam und Hand in Hand die Ziellinie zu überqueren. Damit verstießen sie allerdings (unwissend) gegen die Wettkampfregeln der ITU und wurden – nachdem Learmonth zunächst als offizielle Siegerin und Taylor-Brown als Zweite gewertet wurde – nachträglich disqualifiziert. Die zweifache Kurzdistanz-Weltmeisterin Flora Duffy, die als Dritte über die Ziellinie lief, wurde demnach offiziell zur Siegerin mit einer Endzeit von 1:40:19 Stunden erklärt. Ein Szenario, das es bisher so in der ITU-Geschichte noch nicht gegeben hat. Die Italienerin Alice Betto landete mit einer Endzeit von 1:40:54 Stunden auf Platz zwei, Rang drei ging an die Britin Vicky Holland (1:41:11 Stunden). Laura Lindemann sicherte sich nach starker Laufleistung den sechsten Platz und damit nach DOSB-Kriterien vorerst das Startrecht für die Olympischen Spiele im kommenden Jahr – sofern sich durch die verkürzte Strecke nicht auch an den deutschen Kriterien etwas ändert. Die weiteren drei deutschen Starterinnen Lisa Tertsch, Caroline Pohle und Nina Eim belegten die Ränge 26, 33 und 48.

Olympia-Testevent 2019 | Frauen

  1. August 2019 | Tokio (Japan)

Name

Land

Gesamt

1

Flora Duffy

BER

1:40:19

2

Alice Betto

ITA

1:40:54

3

Vicky Holland

GBR

1:41:11

4

Vittoria Lopes

BRA

1:41:21

5

Summer Rappaport

USA

1:41:25

6

Laura Lindemann

GER

1:41:27

7

Non Stanford

GBR

1:41:32

8

Taylor Spivey

USA

1:41:38

9

Sophie Coldwell

GBR

1:41:59

10

Annamaria Mazzetti

ITA

1:42:04

26

Lisa Tertsch

GER

1:43:53

33

Caroline Pohle

GER

1:44:39

48

Nina Eim

GER

1:48:32

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