Auf Trainingsparntersuche

Katrin Friedrich geht im Trainingslager auf Trainingspartnersuche und wird dank Freundin Sylvie fündig. Wie ihr erstes Rad-Date lief, erzählt Katrin in ihrem Blog.

Von > | 25. September 2017 | Aus: SZENE

Katrin Friedrich

Katrin Friedrich

Foto >Privat

Partnersuche ist nicht leicht. Das gilt auch im Training. Manchmal hat man so ein Glück, dass aus Trainingspartnern Freunde werden. Und wenn diese Freunde in die USA auswandern, dann hat man gute Gründe in das Land zu reisen. Meine Freundinnen Nina und Sylvie zu besuchen, war vielleicht sogar das wichtigste Ziel meines USA-Trips. Nina ist vor mehr als zehn Jahren nach Florida und Sylvie vor fast zwanzig Jahren nach Kalifornien gezogen. Dass beide praktisch in Mekka und Medina des Triathlonsports leben, ist für meine Hawaii-Vorbereitung natürlich super. Einmal wie ein Profi in Clermont, im NTC, trainieren. In Encinitas zum Triathlon-Kult-Laden Nytro gehen, auf dem Highway 101 fahren, Ironman-Ikone Paula Newby-Fraser nacheifern…

Leider sorgt in Florida Hurrikan Irma dafür, dass ich nur ein einziges Mal ins National Training Center zum Schwimmen gehen kann, ansonsten ist der Laden – wie alles andere – mehrere Tage geschlossen. Nina nimmt mich und meine Alligatoren-Angst stattdessen mit auf den See. Open-Water-Swim. Mein Trainingspartner vor Ort, David, hat nach dem Sturm tagelang weder Wasser noch Strom, einen total verwüsteten Garten und demnach anderes zu tun, als mit mir aufs Rad zu gehen. Nina trainiert seit zwei Jahren überhaupt nicht mehr. Sie hat ihr Wettkampf-Rad verkauft und dann, trotz des Sturmchaos vor ihrem Haus, auf ihrer uralten Trainingsgurke mit mir los, um mich auf die richtigen Strecken zu bringen. Und diese Strecken sind wunderbar! Clermont ist ein Radfahrer-Traum! Null Verkehr, geschmeidiger Asphalt kilometerlang, weite, grüne Natur. Mal sieht´s nach Allgäu aus, mal nach Dschungel. Nina jagt mich wie ihren Hund, wirft Stöckchen und ruft: „Du fährst jetzt bis zur nächsten Kreuzung dein Tempo, das sind 25 km, dann drehst du wieder um und triffst mich.“ Ich apportiere. Danach machen wir in Ninas Garten bei einem Bierchen Ordnung.

Weil auch mein Haus tagelang keinen Strom hat, breche ich ein paar Tage eher als geplant nach Kalifornien zu Sylvie auf. Ich texte ihr: „Brauche dringend Trainingspartner.“ Sie textet zurück: „Gut, ich gehe schon mal trommeln.“ Mit Sylvie könnte ich eine Triathlon-Tinder-App erfinden. Trainingspartnersuche.

In Kalifornien findet unsere Bloggerin Katrin Friedrich beste Trainingsbedingungen vor.

In Kalifornien findet unsere Bloggerin Katrin Friedrich beste Trainingsbedingungen vor.

Foto >Privat

 Sylvie schreibt auf Facebook:

„Shout out to all my triathletes who are training for Hawaii or any other long distances. I’ll have a (fast!) German friend in town getting ready for Hawaii and would like to hook her up with some training buddies (because I don ´t want to die trying to keep up with her right now) – is anyone riding long on sunday?“

Mein erstes Rad-Date habe ich mit Kathy. Sylvie sagt: „Kathy ist eine Erscheinung. Etwas älter. Weiß-blond gefärbtes Haar, schwarzbraungebrannte Haut, Muskeln wie ein Stier und das überall.“ Ich habe Angst vor Kathy. Außerdem möchte sie, dass wir uns um 7 Uhr treffen. Am Sonntag! Gut, in Kalifornien gehört das Aufstehen vor dem Wach-Werden wohl zum Ethos dazu, wir sind ja nicht in Hannover beim 10-Uhr-Sonntagstreff am Maschsee.

Ich quäle mich aus dem Bett und franse mich mühsam zum Treffpunkt, College Blvd., Ecke El Camino Real. Mehrere athletisch wirkende, braun gebrannte, blonde Erscheinungen kreuzen meinen Weg, aber Kathy taucht nicht auf. Normal bei der Partnersuche. Es kommt, wie es bei Fake-Dates immer kommt. Wenn das Date nicht auftaucht, muss die Freundin herhalten. Sylvie pellt sich unmotiviert in ihre Radklamotten und bringt mich auf den Weg. So wie Nina. Danach höre ich auf Facebook eine Beschwerde über mich.

 „I rode with her what had sounded like 60 miles of getting acclimated. WTF kind a whirlwind pace (big ring, chain right) do people acclimate at?! I send her off to La Jolla and rode home.“

Natürlich bin ich eigentlich geschmeichelt. Blöd nur, dass sich hier alles schnell rumspricht. Und: Offensichtliche Übertreibungen werden in diesem Land ernst genommen. Whirlwind pace!! Ich bin jetzt Triathlon-Tinderella mit einem maßlos unrealistischen Poser-Profil. Morgen fliegt Daniela Ryf aus Maui ein und fragt, ob sie mal in meinen Windschatten darf. Updaten nennt man das. Ich bin nach Sylvies Getrommel gespannt auf meine nächsten Trainingspartner! Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Aloha, Eure Katy