Patrick Lange: "Es ist noch ein langer Weg bis Oktober"

Patrick Lange ist nach vielen PR-Terminen wieder ins geregelte Training eingestiegen. Wir haben den Ironman-Weltmeister von 2017 auf Lanzarote getroffen und mit ihm über seine Saisonplanung gesprochen. Deutsche Fans werden dem 31-Jährigen häufig zujubeln können.

Von > | 6. Februar 2018 | Aus: SZENE

Patrick Lange sagt die Ironman-Weltmeisterschaft: \"Hawaii ist mein Rennen!\"

Patrick Lange sagt die Ironman-Weltmeisterschaft: "Hawaii ist mein Rennen!"

Foto >Nils Flieshardt / spomedis

Patrick Lange im Interview

Patrick Lange, Ihr überragender Saisonabschluss mit dem Sieg beim Ironman Hawaii 2017 ist immer noch allgegenwärtig. Die Saison lief bis dahin aber gar nicht so sehr nach Plan, wie es im Nachhinein den Anschein macht. Wie fällt Ihr Gesamturteil mit etwas Abstand aus?
Es ist eigentlich ganz schön, dass es jemand mal so sieht. Mir wurde in den letzten Monaten bewusst, wie sehr man am Ergebnis auf Hawaii gemessen wird. Wenn ich meinen 3. Platz aus 2016 mit dem Sieg vergleiche, fällt einfach ein frappierender Unterschied im medialen Echo und der Aufmerksamkeit durch Fans und Sponsoren auf. Da wird einem die Bedeutung des Rennens noch einmal deutlich vor Augen geführt. Klar ist aber auch, dass ich mit dem Beginn der letzten Saison ganz und gar nicht zufrieden sein kann. Die Verletzung hat mir viele Steine in den Weg gelegt, wobei sie auch positive Dinge in Gang gesetzt hat und ich viel Neues lernen durfte. Ich musste mich natürlich in Geduld üben, konnte aber auch den Verstand schärfen, wodurch mir der Wiedereinstieg extrem leicht viel, weil ich richtig Bock hatte und nach dem Motto „Jetzt erst recht!“ agieren konnte. Je näher es dann in Richtung Hawaii ging, desto besser lief es dann ja auch.

Welche Dinge sind das, die Sie während der Verletzung lernen konnten? Geht es da um Trainingsansätze?
Auch darum geht es. Ich hatte wirklich eine ganz gute Frühform und konnte im Januar bei einer olympischen Distanz mit Windschattenfreigabe in Abu Dhabi eine gute Leistung abrufen. Ich weiß jetzt aber auch, dass ich so früh in der Saison noch nicht so viele Intensitäten trainieren und nicht unbedingt an mein Limit gehen möchte. Vor allem habe ich aber während der Verletzung viele Ärzte, Physiotherapeuten und Osteopathen getroffen, wodurch ich sehr viele neue medizinische Ansätze kennengelernt habe. Ich habe zum Schluss jemanden gefunden, der mit einem alternativmedizinischen Ansatz an die Probleme herangegangen ist und mich hinsichtlich Schwermetallbelastungen untersucht hat, was in Deutschland im Prinzip noch gar nicht Gang und Gebe ist. Im Nachhinein konnten wir feststellen, dass die Verletzung daher rührt. Diese Belastung konnten wir beseitigen und ich habe das Gefühl, dass ich jetzt mit einem „sauberen“ Körper deutlich besser regeneriere und diese Tatsache natürlich einiges an Potenzial für die Zukunft bedeutet.

Nach Ihrem Sieg bei der Weltmeisterschaft waren Sie sehr viel unterwegs, nahmen viele Medien- und Sponsorentermine wahr. Hatten Sie mittlerweile die Möglichkeit, alle Eindrücke der vergangenen Monate zu verarbeiten?
Es ist wirklich so, dass jeder Termin für sich gesehen positiv war. Wir haben schon viel ausgesiebt und mit meinem Management gründlich ausgewählt, welche Termine für mich am meisten Sinn machen. In der Zeit waren alle Abläufe sehr gut organisiert, so dass ich jeden Tag mein Briefing bekommen habe, aber es war auch Arbeit und hat dazu geführt, dass ich nach einer Weile wirklich müde wurde. Auch die Regenerationszeit nach dem Ironman hat sich natürlich verlängert. Dadurch wurde es auch schwer, das Rennen zu rekapitulieren und diese typischen langen Radausfahrten, bei denen man mit niemandem redet und einfach mal nachdenken kann, haben auch gefehlt. Von daher habe ich immer noch nicht vollständig realisiert, was in den letzten Monaten alles passiert ist. Mein Trainer Faris Al-Sultan war ja in der gleichen Situation und hat mir erzählt, dass es bei ihm auch über ein dreiviertel Jahr gedauert hat, bis er alle Ereignisse aufgearbeitet hat. Jetzt komme ich aber so langsam wieder in den gewohnten Trainings-Rhythmus, was mir auch dabei hilft, aus diesem Hamsterrad herauszukommen und einen klaren Kopf zu bekommen.

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