Patrick Lange: "Ich bin einer der besten Kletterer"

Nach seinem Sieg beim Ironman in Texas hat sich Patrick Lange bewusst rar gemacht. Nun nimmt der Darmstädter wieder Fahrt auf und will vor dem Ironman Hawaii noch einmal seine gute Verfassung unter Beweis stellen.

Von > | 13. August 2016 | Aus: SZENE

Patrick Lange | Patrick Lange

Patrick Lange

Foto >Fabian Fiedler / spomedis

Patrick Lange, im Mai haben Sie Ihre Ironman-Premiere in Texas auf Anhieb gewonnen. Seitdem haben wir sportlich von Ihnen nicht mehr viel gehört.
Das stimmt, und das habe ich bewusst so gehandhabt. Nach dem Sieg in Texas hat mir mein Trainer Faris Al-Sultan mit all seiner Erfahrung vier Wochen eingeräumt, in denen ich sehr freie Hand hatte und den Körper und auch den Kopf Erholung von den Strapazen einräumen durfte. Ich habe mich zwar schon bewegt, aber auch wirklich einige Wochen gebraucht, bis ich wieder in Tritt kam. In den ersten zwei, drei Wochen kam es immer wieder vor, dass ich Einheiten abgebrochen habe. Die Sicherheit, dass ich das tun darf, wenn der Körper mir in den ersten Wochen nach dem Rennen entsprechende Signale sendet, hat mir Faris gegeben.

Hätten Sie das auch so gehandhabt, wenn Ihre Premiere in Texas nicht so überragend gelaufen wäre?
Vermutlich nicht. Es kann gut sein, dass ich dann noch einen zweiten Ironman gemacht hätte, und dann mit Hawaii möglicherweise sogar noch einen dritten. Das konnten wir uns jetzt ersparen und das Rennen erst einmal richtig sacken lasse, um mich jetzt wieder ins Training zu begeben.

Und wie läuft es dort? Ihr Sieg beim HeidelbergMan vor zwei Wochen legt zumindest nahe, dass Ihre Form nicht besonders schlecht ist.
Die ist sogar richtig gut. In Heidelberg bin ich auf dem Rad Bestwerte getreten. Meine Erfüllungsquote im Training liegt bei ungefähr 100 Prozent: Ich tue genau das, was Faris mir sagt. Nicht mehr, nicht weniger - und das scheint ja zu funktionieren. Verrückte Dinge, weil ich nach dem Sieg in Texas jetzt vielleicht zu viel will, mache ich aber nicht.

Woran müssen Sie noch besonders arbeiten?
Nach der Pause haben wir dann auch im Hinblick auf die Mitteldistanz und auf den taktischen Verlauf wieder etwas am Tempo getan. Faris sagt auch, dass mir vielleicht noch etwas der Punch auf dem Rad auf den langen Geraden, vielleicht noch mit Gegenwind, fehlt. Daran arbeiten wir ebenfalls. Im Hinblick auf das Rennen in Wiesbaden ist das aber kein Nachteil, weil Faris auch sagt, dass ich einer der besten Kletterer im Triathlon bin.

Welchen Stellenwert hat das Rennen morgen für Sie?
Als Darmstädter ist es mir natürlich wichtig, weil es ein Heimrennen ist. Das ist auch einer der Gründe, warum ich es ausgesucht habe: Ich wollte mich vor dem Ironman Hawaii noch einmal in Deutschland zeigen, und da gibt es auf großer Bühne nicht so viele Möglichkeiten. Dass der Wettkampf dann auch noch so brutal gut besetzt ist, ist das Sahnehäubchen. Nach dem Rennen in Wiesbaden werde ich dann noch in Viernheim und möglicherweise in Gerardmer an den Start gehen, bevor ich zusammen mit Boris Stein ein Trainingslager in Texas einlege, um mich dort gezielt auf Hawaii vorzubereiten.

Und was nehmen Sie sich für das Rennen am Sonntag vor?
Eine Top-Fünf-Platzierung sollte es schon werden, auch wenn das Feld, wie gesagt, extrem stark besetzt ist. Aber es kann ja noch keiner abschätzen, was genau auf der Radstrecke mit dieser Besetzung passieren wird. Ich bin nicht so vermessen, zu glauben, dass ich auf den 90 Kilometern komplett mitgehen kann, wenn ein Boris Stein, Andi Dreitz oder Lionel Sanders wirklich richtig loslegen - aber ich bin auch überzeugt, dass ich stärker bin als viele andere Jungs. Deswegen habe ich keine schlechte Ausgangsposition und werde wohl erst situativ entscheiden, wie offensiv ich mich morgen im Rennen verhalte.