"Der Plan ist aufgegangen"

Die Saison 2017 lief für Vincent Luis bisher nur durchwachsen. Doch das Beste kommt bekanntlich zum Schluss. Wir haben mit dem Sieger des Grand Finals gesprochen.

Von > | 16. September 2017 | Aus: SZENE

Glücksgefühle: Mit einer unglaublichen Laufzeit von 29:59 Minuten konnte Vincent Luis das Rennen in Rotterdam für sich entscheiden.

Glücksgefühle: Mit einer unglaublichen Laufzeit von 29:59 Minuten konnte Vincent Luis das Rennen in Rotterdam für sich entscheiden.

Foto >ITU Media / Wagner Araujo

Vincent Luis, herzlichen Glückwunsch zum Sieg beim Grand Final. Man hat Ihnen die Überraschung und Erleichterung angesehen. Haben Sie im Vorfeld mit einem solchen Ergebnis gerechnet?
Nein, ehrlich gesagt nicht. Umso schöner und wertvoller ist dieser Sieg. Natürlich habe ich mir einen Plan zurechtgelegt und bin verschiedene Szenarien im Kopf durchgegangen. Aber bei einem so starken Feld geht man nicht einfach davon aus, dass alles reibungslos klappt.

Wie sah der Plan denn aus?
Ich war zuletzt relativ unzufrieden mit meinen Ergebnissen. Mir hat speziell im Laufen die Substanz gefehlt, aber auch gesundheitlich habe ich ein paar kleine Sachen verschleppt. Deshalb habe ich zuletzt den Fokus extrem aufs Laufen gelegt, eigentlich ist das ja meine Stärke. Ich wusste, dass ich ganz vorne mit vom Rad steigen muss, um eine Chance aufs Podium oder sogar auf den Sieg zu haben. Speziell auf den ersten Kilometern wollte ich schnell anlaufen, um zu gucken, wer mitgeht. Dass meine Chancen in einem Endsprint gut sein würden, war mir klar. Und voilà, der Plan ist aufgegangen.

Was genau haben Sie in der Laufvorbereitung denn umgestellt?
Mitentscheidend war, dass ich einige Wochen im Höhentrainingslager in Font-Romeu war. Ich habe die Laufumfänge leicht erhöht und längere Tempodauerläufe gemacht, um mich speziell auf die olympische Distanz vorzubereiten. Das Training mit kurzen und schnellen Intervallen habe ich dabei trotzdem nicht vernachlässigt. Meine Vorbereitung auf das Grand Final lief nahezu perfekt.

Ab wann haben Sie gemerkt, dass es zum Sieg reichen könnte?
Eigentlich erst, als ich wenige Meter vor der Ziellinie war. Wir waren lange zu fünft, alles Athleten, die einen Sprint für sich entscheiden können. Es hat mich wahnsinnig motiviert, dass ich mich kurz vor Schluss etwas lösen konnte. Aber Kristian (Blummenfelt) hat es ja bis zum Ende spannend gemacht.

Die zehn Laufkilometer haben Sie in 29:59 Minuten absolviert. Hätten Sie sich diese Zeit vorher zugetraut?
Das ist immer schwierig zu sagen und kommt ja auch etwas auf die Bedingungen und den Kurs an. Unter 30 Minuten auf der olympischen Distanz zu laufen, ist wirklich etwas Besonderes. Wir haben unterwegs keine Splits, daher ist es eine schöne Überraschung und bestätigt mich in meinem Training.

Viele sagen, Ihnen würde die Sprintdistanz besser liegen. Was meinen Sie selbst?
Man hat heute ja gesehen, dass es auch über die doppelte Distanz gut funktionieren kann. Ich denke, es ist alles eine Frage der Vorbereitung und vor allem, wie sich die Vorbereitung in die Rennplnung integrieren lässt. Dass ich das Potenzial für beide Strecken besitze, habe ich ja schon öfter gezeigt. Ich war zum Glück in den letzten Wochen gesund und habe mein Training perfekt umgesetzt. Das Grand Final war schon mein großes Ziel, vielleicht geht man da dann unterbewusst auch etwas fokussierter an den Start. Zumal ich es mir nach den durchwachsenen Rennen in diesem Jahr noch einmal richtig beweisen wollte.