Dienstag, 25. Juni 2024

Platz drei für Daniela Bleymehl: Jackie Hering gewinnt Ironman Hamburg

Sturz, Defekt, Disqualifikation: Beim Ironman Hamburg erlebten Profiathletinnen und Zuschauer ein ereignisreiches Rennen. Die US-Amerikanerin Jackie Hering triumphierte in 8:19:14 Stunden. Rang zwei ging an Maya Stage Nielsen vor Daniela Bleymehl. Favoritin Katrina Matthews erwischte einen gebrauchten Tag.

Frank Wechsel / spomedis Rückkehr auf die Langdistanz nach neun Jahren Pause: Jackie Hering gewann den Ironman Hamburg.

Eine Europameisterin aus den USA: Jackie Hering hat den Ironman Hamburg gewonnen. Damit sicherte sich die 38-Jährige den EM-Titel und feierte eine triumphale Rückkehr auf die Langdistanz – ihr letzter Ironman-Wettkampf lag beinahe neun Jahre zurück (vierter Platz beim Ironman Mont-Tremblant im August 2015). Hering erreichte das Ziel am Hamburger Rathausmarkt in 8:19:14 Stunden und sicherte sich damit zugleich einen Slot für die Ironman-WM in Nizza. In einem ereignisreichen Rennen komplettierten die Dänin Maja Stage Nielsen (8:21:54 Stunden) und Daniela Bleymehl (8:28:09 Stunden) das Podium. Die Deutsche erhielt damit ebenfalls eines von insgesamt sechs Nizza-Tickets bei dem Rennen. Für die lange Zeit führende Fenella Langridge blieb am Ende Rang vier (8:29:36 Stunden), nachdem die Britin auf der Laufstrecke ihrem hohen Tempo Tribut zollen musste. Die große Favoritin Katrina Matthews aus Großbritannien war zuvor während der zweiten Disziplin disqualifiziert worden.

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Fenella Langridge gleich vorn dabei

In der Alster hatten sich schnell Mitfavoritin Fenella Langridge und die starke Schwimmerin Julie Iemmolo aus Frankreich abgesetzt. Beide führten das Feld nach 3,8 Kilometern und 50:40 Minuten zum Schwimmausstieg am Rathausmarkt. Dahinter hatte sich eine Verfolgergruppe mit Maja Stage Nielsen, Katrina Matthews, der Jackie Hering und den Deutschen Sabrina Roth und Laura Jansen formiert, die rund drei Minuten nach dem Spitzenduo in der Hamburger Innenstadt zum ersten Wechsel kamen. Rund sechs Minuten nach den Führenden wechselten die Niederländerin Els Visser und die Deutschen Katharina Wolff und Daniela Bleymehl auf das Rad.

Frank Wechsel / spomedis Auf dem Weg zum Rad: Daniela Bleymehl schält sich nach dem Schwimmen aus dem Neoprenanzug und nimmt die Verfolgung auf.

Katrina Matthews mit Problemen

So setzte sich das Feld in Richtung Deich in Bewegung. Nach wenigen Kilometern ein Schreckmoment für Katrina Matthews, die nach rund 1:25 Stunden Rennzeit mit Problemen an der BTA-Aeroflasche bei ihrer Verfolgungsjagd ausgebremst wurde und anhalten musste. Die Aufhängung der Flasche hatte sich offenbar gelöst. Nach endlos wirkenden Sekunden hatte Matthews die Flasche aus der Halterung befreit. Die Britin verstaute die Aeroflasche im Käfig hinter dem Sattel – und nahm die dort befindliche Flasche vorerst in die Hand, ehe sie ihre Fahrt so bepackt fortsetzte. Regelkonform, da sie die Flasche weder einfach wegwerfen noch vorn im Rennanzug verstauen durfte. Aber keine ideale Situation, um die Aufholjagd einzuläuten. Es kam aber noch schlimmer.

Verfolgergruppe formiert sich

Anstatt auf der restlichen Distanz der 180 Kilometer langen Strecke auf sich allein gestellt zu sein, fand Matthews auf dem Weg zurück nach vorn eine starke Radgruppe mit Daniela Bleymehl, der Schwedin Sara Svensk und Els Visser, die vor dem Rennen alle ebenfalls zu den Podiumskandidatinnen zählten. Mittlerweile war die Siegerin des Ironman Texas allerdings komplett ohne eigene Flaschen am Rad unterwegs und musste sich an einer Verpflegungsstelle bedienen.

Frank Wechsel / spomedis Auf sich allein gestellt: Fenella Langridge fährt an der Spitze des Feldes.

Vorn hatte Fenella Langridge ihre Radstärke gegen die Konkurrentin aus Frankreich ausgespielt und sich abgesetzt. Nach einem Drittel der Radstrecke fuhr Iemmolo mittlerweile rund eine Minute hinter der Britin her. Maja Stage Nielsen und Jackie Hering, in T1 noch rund drei Minuten hinter Langridge, hatten zu dem Zeitpunkt weitere 1:30 Minuten verloren. 30 Sekunden später, mit circa fünf Minuten Rückstand folgten Visser, Svensk, Bleymehl und Matthews. Laura Jansen auf Rang neun passierte die Messmatte sechs Minuten nach der Führenden, 1:23 Minute später komplettierte Sabrina Roth die Top Ten.

Sara Svensk stürzt

Die Gruppe um Matthews schloss im Laufe der ersten Runde schließlich auf Maja Stage Nielsen und Jackie Hering auf. Die Halbzeitmarke in der zweiten Disziplin passierte Langridge nach 3:06:22 Stunden (Radzeit: 2:12:08 Stunden) als Erste. Die Britin hatte auf den ersten 90 Kilometern 3:44 Minuten zwischen sich und Iemmolo gepackt. Die Französin ihrerseits lag nur noch 20 Sekunden vor Bleymehl, Matthews und Co., die den Rückstand auf die Spitze leicht verkürzt hatten. Aus dieser Gruppe herausgefallen war kurz vor dem Ende der ersten Runde Sara Svensk. Die Schwedin war eine 180-Grad-Kehre vor dem Wallringtunnel offenbar zu schnell angefahren. Beim Versuch zu bremsen blockierte ihr Hinterrad und Svensk stürzte, nachdem sie die vor ihr in die Kurve einbiegende Els Visser touchiert hatte. Die Niederländerin musste ihren Kurs kurz korrigieren, konnte aber direkt wieder zu den Konkurrentinnen aufschließen. Auch die Schwedin konnte ihre Fahrt später zwar fortsetzen, hatte allerdings fast zwei Minuten verloren und konnte allein das Tempo vorn nicht mitgehen.

Plattfuß stoppt Els Visser

Iemmolo wurde zu Beginn der zweiten Runde von den Verfolgerinnen geschluckt, die jetzt richtig Druck auf das Pedal brachten. Im Laufe der zweiten 90 Kilometer allerdings ohne Katrina Matthews, die die rote Karte erhielt und damit disqualifiziert wurde. Ihr Vergehen: Die Britin hatte in einer Passage mit Überholverbot andere Athleten überholt. Sie verzichtete darauf, das Rennen zu beenden und gegebenenfalls Protest einzulegen. Knapp 30 Kilometer vor T2 lag Fenella Langridge noch rund 2:30 Minuten vor Els Visser und Daniela Bleymehl. Die Deutsche musste die Verfolgung kurze Zeit später jedoch allein fortsetzen. Visser wurde von einem Plattfuß gestoppt und schaffte es nicht, den Defekt schnell genug zu reparieren, um zumindest in der zweiten Verfolgergruppe um Maja Stage Nielsen mitzufahren. Die Dänin hatte mit Jackie Hering und Julie Iemmolo eine Hypothek von  3:45 Minuten. Stattdessen reihte sich Visser hinter dem Trio ein, nachdem sie den Defekt behoben hatte.

Frank Wechsel / spomedis Schnell unterwegs: Daniela Bleymehl erzielte mit 4:20:47 Stunden den schnellsten Bikesplit der Profifrauen.

Die zweite Wechselzone erreichte Fenella Langridge nach einem Bikesplit von 4:26:50 Stunden als Erste – aber nur 26 Sekunden vor Daniela Bleymehl, die in 4:20:47 Stunden förmlich über den Kurs geflogen war. Eine schnellere Radzeit stand bisher nicht in den Ironman-Ergebnislisten. 1:45 Minuten nach der Britin folgten Julie Iemmolo und Maja Stage Nielsen. Im Schlepptau hatten beide Jackie Hering. Für Els Visser ging es hinter Sara Svensk (10:37 Minuten Rückstand) auf Position sieben in den Marathon, 11:13 Minuten nach Fenella Langridge. Die Top Ten komplettierten Laura Jansen, Katharina Wolff und Stephanie Wunderle.

Jackie Hering rückt in den Fokus

Auf der Laufstrecke strebte Maja Stage Nielsen direkt an Iemmolo vorbei auf Rang drei und legte sukzessive Meter um Meter zwischen sich und die Französin. Die fiel im Feld anschließend weiter zurück. Vorn lief derweil Fenella Langridge, musste Stage Nielsen und Bleymehl allerdings näher kommen lassen. Dahinter drückte Jackie Hering aufs Tempo. Nach einem Viertel der 42,195 Kilometer spürte Langridge bereits den Atem von Daniela Bleymehl in ihrem Nacken. Nur noch 24 Sekunden trennten die beiden. Und doch rückte eine andere Athletin in den Fokus. 40 Sekunden hinter der Deutschen lieferten sich Stage Nielsen und Hering ein Duell, das die US-Amerikanerin nach circa elf Kilometern für sich entschied und an der Dänin vorbeizog. Dies sollte nicht die letzte Konkurrentin bleiben, die sich Hering schnappte. Erst schob sie sich an Bleymehl vorbei auf Rang zwei, ehe sie nach circa 13 Kilometern Fenella Langridge von der Spitze verdrängte. Jackie Hering zog anschließend davon.

Daniela Bleymehl läuft auf Rang drei vor

Hinter der US-Amerikanerin sortierte sich das Feld neu. Maja Stage Nielsen blieb auf Tuchfühlung im Abstand von rund 20 Sekunden und lief vor auf Position zwei. Fenella Langridge und Daniela Bleymehl kämpften um den dritten Podiumsplatz, den sich die Deutsche noch vor der Halbzeitmarke im Marathon schnappte und die Britin kontinuierlich distanzierte. An der Spitze blieb es derweil vorerst spannend. Würde Maja Stage Nielsen noch einmal zurückschlagen können? Zunächst sah es so aus: Die Dänin verkürzte den Abstand auf unter 20 Sekunden, musste anschließend aber den Konter der US-Amerikanerin hinnehmen, die die Pace hochhielt und damit auf der letzten Runde alle Zweifel an ihrem Sieg ausräumte.

Mit einem Laufsplit von 2:52:32 Stunden durfte die US-Amerikanerin das Zielbanner in die Höhe recken und ein gelungenes Comeback auf die Langdistanz feiern. Maya Stage Nielsen blieb beim Marathon ebenfalls unter der Drei-Stunden-Marke (2:55:45 Stunden) und sicherte sich Rang zwei. Unter dem tosenden Applaus der Zuschauer lief Daniela Bleymehl schließlich mit einem Lächeln als Dritte ins Ziel.

Frank Wechsel / spomedis „Am Ende war es hart.“ Daniela Bleymehl läuft als Dritte ein.

„Es war einfach ein richtig guter Tag“, sagte die Siegerin nach dem Rennen. „Ich musste beim Schwimmen hart arbeiten. Auf dem Rad war ich in der Gruppe, in der ich sein wollte, mit Kat und Maya. Beim Marathon musste ich mich auf meinen Lauf fokussieren und durfte nicht zu schnell zu werden. Am Ende war es sehr hart und schmerzhaft – und ich bin froh, dass es vorbei ist.“ Die Zweitplatzierte Maya Stage Nielsen erklärte: „Ich bin so glücklich. Ich konnte nicht anders als lächeln, mit so viel Unterstützung da draußen. Jackie ist so gut gelaufen. Als sie mich eingeholt hat und wir zusammen gelaufen sind, dachte ich, das ist verrückt und dass sie eventuell zu schnell unterwegs ist.“ Daniela Bleymehl sagte nach ihrem dritten Platz: „Es war vor allem am Ende sehr hart. Bis zur Halbmarathonmarke habe ich mich gut gefühlt.“ Irgendwann habe sie aber über die Konkurrenz gedacht: „Wie können die so schnell laufen?“ Sie selbst sei zu schnell angelaufen und habe am Ende Krämpfe gehabt.

Ironman Pro Series Hamburg | Profi-Frauen

2. Juni 2024 | Hamburg (Deutschland)
PlatzNameLandGesamt3,8 km Swim180 km Bike42,195 km Run
1Jackie HeringUSA8:19:140:53:524:25:482:52:32
2Maja Stage NielsenDEN8:21:540:53:264:25:402:55:45
3Daniela BleymehlGER8:28:090:56:484:20:473:03:24
4Fenella LangridgeGBR8:29:360:50:404:26:503:05:24
5Els VisserNED8:32:450:56:304:32:182:57:08
6Julie IemmoloFRA8:34:030:50:384:28:273:08:15
7Laura JansenGER8:35:330:55:394:33:572:58:21
8Katrine Græsbøll ChristinsenDEN8:36:131:02:144:36:102:50:37
9Elisabetta CurridoriITA8:40:030:55:424:38:582:58:33
10Erin SchenkelsCAN8:41:590:59:214:38:312:55:32
11Katharina WolffGER8:44:130:56:444:35:213:05:11
12Henrike GüberGER8:45:391:05:044:29:333:03:36
14Stephanie WunderleGER8:57:351:02:394:29:513:16:41
15Sabrina RothGER8:59:140:53:314:40:293:17:50
17Sabrina ExenbergerAUT9:21:311:09:414:47:403:15:49
18Margrit ElfersGER9:23:180:59:284:40:213:34:34

Lars Wichert schnellster Agegrouper aller Zeiten

Bei den Agegroupern gewann derweil mit Lars Wichert ein deutscher Athlet die Gesamtwertung. Der 37-Jährige lief nach 7:50:42 Stunden ins Ziel – mit der schnellsten jemals von einem Altersklassenathleten bei einem Ironman-Wettkampf erzielten Zeit. Bisher hielt Dan Plews den Rekord mit 7:56:55 Stunden, den der Brite im Jahr 2023 in Sacramento aufgestellt hatte.

Frank Wechsel / spomedis Sieger in der Gesamtwertung der Agegrouper: Lars Wichert.
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Bengt Lüdke
Bengt Lüdke
Bengt-Jendrik Lüdke ist Redakteur bei triathlon. Der Sportwissenschaftler volontierte nach seinem Studium bei einem der größten Verlage in Norddeutschland und arbeitete dort vor seinem Wechsel zu spomedis elf Jahre im Sportressort. In seiner Freizeit trifft man ihn in Laufschuhen an der Alster, auf dem Rad an der Elbe – oder sogar manchmal im Schwimmbecken.

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