Quälen, Schmollen, Kämpfen – alles für den berühmten Satz

Für unsere Bloggerin Anita Horn sind es nur noch sieben Wochen bis zu ihrer ersten Langdistanz. Das umfangreiche und intensive Training zahlt sich aus, bringt sie allerdings auch an ihre Grenzen.

Von > | 16. Mai 2018 | Aus: SZENE

Langsam wird es ernst: Nur noch sieben Wochen bis zum Ironman Frankfurt.

Langsam wird es ernst: Nur noch sieben Wochen bis zum Ironman Frankfurt.

Foto >Isabel Falconer

Ruhetage sind wichtig. Ich weiß. In dieser Phase regeneriert der Körper und passt sich an. Superkompensation. Eigentlich findet hier der wahre Trainingseffekt statt. Triathlon-Profis können an solchen Tagen vermutlich weitestgehend wirklich ausruhen. Schlafen. Zur Massage. Ich habe an meinem Ruhetag gearbeitet wie ein Esel, hatte richtig Stress, bin kaum zum Essen gekommen und habe in der Nacht dann auch noch schlecht geschlafen. Ruhetage fallen zumindest mir also nicht einfach in den Schoß. Für mich sind sie Arbeit. Ich muss mir aktiv frei nehmen und mich zwingen nichts zu tun. Oder zumindest nicht so viel. Diesmal hat es nicht geklappt. Aber ich habe ja hoffentlich noch die eine oder andere Gelegenheit.

Laufintervalle

Wobei ich sagen muss, dass ich gar nicht mehr so viele davon haben möchte. Denn der Wiedereinstieg ins Training danach fällt mir dann doppelt schwer. Dienstag konnte ich mich kaum aufraffen. Ich habe mich morgens irgendwie zum Schwimmen gequält, drei Kilometer gemacht, aber das Programm schon leicht abgeändert. Nach dem ersten Intervallblock war einfach die Luft raus. Kraft hatte ich noch. Nur keine Lust mehr. Und nach der Arbeit stand dann noch ein 14-km-Lauf in meinem Plan. Das Wetter war super und 5 x 1.500m in einer 4:45er Pace klangen jetzt auch nicht unüberwindbar. Ich habe mich also locker eingelaufen, Lauf-Abc gemacht und dann bin ich am Rheinufer losgeprescht. Ein Herr auf dem Fahrrad kam an mir vorbei und sagte noch: "Da schlagen Sie aber ein ganz schönes Tempo an, nicht schlecht." Das tat irgendwie gut. Denn gefühlt bin ich gerade alles andere als schnell.

Mein Element

Am Wochenende hatte ich nämlich Training mit der Gruppe von meinem Coach Micha. Wir waren Samstag 115 Kilometer Radfahren – ich mit meinem TT - inklusive Ballern auf einem herrlich flachen 18-km-Abschnitt hinter Nideggen in der Eifel. Das klappte alles wunderbar und wir sind auf dem ersten Teil mit knapp 58 km/h neben den Autos her geschossen. Was für ein Gefühl! Auf dem Zeitfahrrad bin ich einfach voll in meinem Element. Ich liebe mein PR3 und fühle mich darauf wie zuhause. Zurück in Köln sollten wir dann 5 bis 6 km koppeln, eine Runde schnell – die habe ich in 4:51 min/km geschafft – und eine ganz easy im 6er-Schnitt. Aber als wir danach noch zum Fühlinger See gefahren sind, um die erste Freiwasser-Einheit der Saison zu absolvieren, hatte ich eine harte Nuss zu knacken.

Schmollen beim Schwimmen

Ich habe in letzter Zeit wirklich viel trainiert, vor allem im Schwimmen habe ich auch echte Fortschritte gemacht. Aber kaum waren wir im Wasser, sind mir alle davon geschwommen. Ich war mit Abstand die letzte und habe dazu noch Krämpfe in den Waden bekommen. Meine Arme waren schwer wie Blei. Gut, das lag vielleicht daran, dass ich am Vortag 3,8 km mit Intervallen geschwommen bin. Aber ich fand es trotzdem sehr deprimierend. Ich habe gekämpft, 1,3 km gemacht und bin dann schmollend aus dem Wasser gekrochen. Ich weiß schon, warum ich meist alleine trainiere. Die einen motiviert Konkurrenz. Die anderen stresst sie. Ich gehöre eher zur zweiten Gruppe. Zumindest in Sachen Training. Sonntag war ich dann auch wieder versöhnlich. Wir haben zwar morgens Bergintervalle gemacht und auch da war ich eher Schlusslicht, aber beim anschließenden Schwimmen im Schwimmbad konnte ich ganz gut mithalten. Ich schiebe die Schuld deshalb gerade meinem Neo in die Schuhe und habe mir schon einen neuen organisiert. Der müsste heute noch ankommen und wird am Wochenende direkt getestet. Da geht es für mich nämlich nach Frankfurt.

Frankfurt Streckentest

Ich möchte ein Gefühl für die Wettkampfstrecke bekommen und natürlich wissen, wo mich welche Kurven und Hügel erwarten. Ich will schon mal schauen, wo ich gut Familie und Freunde platzieren kann und ich möchte dieses Kribbeln spüren, mir vorstellen, wie ich ins Ziel komme und diesen einen Satz höre, für den ich das alles hier gerade auf mich nehme. Deshalb habe ich mich für Frankfurt und gegen Roth entschieden: You are an Ironman! Das ist meine Supermotivation. Das wird mein erster Ironman …