Noch drei Tage bis zum Ironman Frankfurt

180 Schwimmkilometer, 1.020 Laufkilometer, 5.800 Radkilometer – soviel hat unsere Bloggerin Anita Horn seit November trainiert. Alles für ihren großen Traum: den ersten Ironman.

Von > | 5. Juli 2018 | Aus: SZENE

Eine der letzten Einheiten vor dem Ironman Frankfurt absolviert Anita Horn (r.) mit Profi-Läuferin Sabrina Mockenhaupt.

Eine der letzten Einheiten vor dem Ironman Frankfurt absolviert Anita Horn (r.) mit Profi-Läuferin Sabrina Mockenhaupt.

Foto >Anita Horn

Lange habe ich mir vorgestellt, wie es die Tage vor dem Wettkampf wohl sein muss, wie nervös man ist, was man denkt und wie man sich fühlt. Jetzt kann ich es euch sagen: seit Tagen meine ich ein leichtes Halskratzen zu spüren, beim letzten längeren Lauf habe ich mich gefragt, wie ich Sonntag bloß einen Marathon schaffen soll und beim Freiwassertraining neulich habe ich mich zwar schnell gefühlt, war es aber nicht. Was soll's. Ich kann jetzt eh nichts mehr rausholen. Höchstens meine Nerven schonen und schniefenden Menschen aus dem Weg gehen - die gibt es nämlich im Moment überproportional häufig, in Supermärkten, in der Bahn, einfach überall. Meine ich zumindest zu glauben. Fort mit euch! Ich kontere mit selbst gemachten Rote-Beete-Karotten-Apfelsaft, Zink, Bergen an Obst und viel Schlaf. Die Nacht auf Sonntag wird schließlich kurz. Außerdem habe ich zur Zeit selbst an den heißesten Tagen immer ein Halstuch dabei.

Apropos heiß: Der Wetterbericht verspricht ein heißes Rennen. 31 Grad, Sonne pur, wenig Wind. Als ich diese Vorhersage diese Woche gesehen habe, habe ich geweint vor Freude. Ich bin eher der karibische Typ und liebe es im Hochsommer zu laufen. Ein Triathlon in Mexiko letztes Jahr war für mich die reinste Freude. Meine zwei ersten (und bisher einzigen) Marathons in Köln vor ein paar Jahren habe ich bei über 30 Grad absolviert. Natürlich wird es eine Herausforderung, aber sicher auch die reinste Party für das Publikum. Ich freunde mich mental schon mit einem Neo-Verbot an. Mit Neo wäre zwar entspannter, aber wir sitzen ja alle im selben Boot. Danach setze ich mich auf mein Rad, ohne zu frieren und beim Laufen, naja, wird es halt anstrengend. Aber das wird es eh.

Die letzten Präparationen am Equipment stehen an.

Die letzten Präparationen am Equipment stehen an.

Foto >Anita Horn

Genieße den Augenblick

Zahlreiche Freunde und Bekannte, die vergangenes Wochenende an der Challenge Roth und beim Ironman Klagenfurt teilgenommen haben, haben mir schon exklusiv berichtet, Renntipps gegen Sonnenstich und Sonnenbrand gegeben. Und alle sagen sie am Ende dasselbe: Vergiss deine ausgerechnete Zeit, genieße das Rennen und mach einfach. Leichter gesagt als getan, aber vermutlich wird es am Ende genau so sein. Jegliche Planung und Taktik werden irgendwann in Frage gestellt oder über Bord geworfen und dann heißt es einfach durchhalten. Denn es wäre kein Ironman, wenn es einfach wäre.

Gestern habe ich noch ein kleines Lauftraining absolviert. Und zwar nicht alleine, sondern mit Sabrina Mockenhaupt. In Reutlingen hat ein Teamtreffen von ihrem Sponsor Orthomol Sport stattgefunden und ein paar Sportler, Blogger und Journalisten waren auch eingeladen. Mocki und ihr Coach Manuel haben uns mit Mobility-Übungen, Lauf-ABC, Tempo- und Bergläufen ordentlich ins Schwitzen gebracht – auch wenn ich mich sehr zurück gehalten habe. Schließlich bin ich im Tapering und will mich jetzt nicht mehr platt machen. Als Mocki von sich erzählt hat, ist mir übrigens eins nochmal klar geworden: Es gibt so viele große Wettkämpfe – Deutsche Meisterschaften, die Olympischen Spiele –, der Ironman ist für mich zwar das Größte, aber dass andere Sportler sich für andere Wettkämpfe vorbereiten, lenkt den Fokus auch mal weg vom Ironman und das beruhigt irgendwie. Es ist nur einer von vielen Wettkämpfen. Nur ein Ironman. Hmmm ... klappt irgendwie nicht immer, aber manchmal :)

Frankfurt ist genauso schön wie Hawaii

Oft wurde ich in meiner Vorbereitung zwei Dinge gefragt: Macht man das alles am Stück? Und ist das dieser Triathlon auf Hawaii? Ja, ich mache das alles am Stück. Aber sicher nicht ganz ohne Trink- und Gehpause. Und nein, ich fliege nicht nach Hawaii. Davon bin ich Lichtjahre entfernt. Ich fahre einfach nur nach Frankfurt und ich freu mich wie Bolle. Freitag geht es los, mit dem Zug. Wettkampfbesprechung, dann noch mal 1,5 km im See schwimmen. Samstag wird das Rad eingecheckt und dann geht es Sonntag endlich an den Start.

Ich platze vor Neugier, Aufregung und Energie. Ich kann es kaum abwarten, all meine Freunde und auch unbekannten Supporter an der Rennstrecke zu sehen und am Ende hoffentlich über den roten Teppich ins Ziel zu laufen. Bei dem Gedanken bekomme ich Gänsehaut. Selbst bei der Hitze gerade. Aber eine bessere Kühlung kann ich mir für den Marathon nicht vorstellen. 42 Kilometer Gänsehaut. Brüllt mich einfach alle an. Seid so laut, wie ich es mir in meinen schönsten Träumen nicht vorstellen kann. Weil ich dann nämlich merke, dass es real ist. Ein echter Ironman. 3,8 km Schwimmen, 180 km Rennrad, 42 km Laufen. Das bisschen schaffe ich jetzt auch noch.