Dienstag, 29. November 2022
SzeneRait Ratasepp will 60 Langdistanzen an 60 Tagen absolvieren

Rait Ratasepp will 60 Langdistanzen an 60 Tagen absolvieren

Jakob Meier Hohe Temperaturen, starke Winde: Die Bedingungen auf Fuerteventura sind für Rait Ratasepp eine echte Herausforderung.

Triathlonprojekte über eine einfache Langdistanz hinaus sind heutzutage keine Seltenheit mehr. Für Ultrasportler steht dabei weniger die reine Zielzeit im Fokus, sondern das Erlebnis an sich. Das beweist derzeit Jonas Deichmann, der auf seinem Triathlon rund um die Welt die dritte Disziplin abgeschlossen hat und auf eine Möglichkeit wartet, den Atlantik in Richtung Portugal zu überqueren, um die letzten 4.000 Kilometer auf dem Rad bis nach München zu fahren. Dann hat der Abenteurer einen Triathlon rund um den Globus gefinisht, der den Gesamtumfang von 120 Langdistanzen aufweist. Auf Fuerteventura steckt Rait Ratasepp aktuell in einem Projekt, das genau die Hälfte dieser Gesamtdistanz umfasst – und doch ganz anders ist. Rait Ratasepp will an 60 Tagen insgesamt 60 Langdistanzen im Las Playitas auf Fuerteventura hinter sich bringen. Jeden Tag 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und einen Marathon zum Tagesabschluss. Der Este – als Ultrasportler kein unbeschriebenes Blatt – ist das Projekt am 5. Oktober angegangen und hat mittlerweile seinen Rhythmus gefunden. Insgesamt warten auf ihn 228 Kilometer Schwimmen im 50-Meter-Pool des Ressorts, 10.800 Kilometer Radfahren auf der Insel mit 1800 Höhenmetern pro Tag und 2532 Kilometer Laufen rund um die Anlage. Gegenüber tri-mag.de erzählt der Este, der schon 20 beziehungsweise 40 Langdistanzen in 20 beziehungsweise 40 Tagen absolviert hat, von den ersten Tagen, Lehren aus den bisherigen Projekten und Leistungsdruck.

Rait Ratasepp, du absolvierst derzeit 60 Langdistanzen an 60 Tagen. Es ist nicht dein erstes Projekt dieser Art, die immer auch von Unwägbarkeiten begleitet werden. Sind die ersten Tage dennoch wie erwartet verlaufen?
Die ersten Tage waren tatsächlich wie erwartet. Was die Marathonzeiten angeht, so sind meine Erwartungen sogar übertroffen worden.

- Anzeige -

Du hast bereits zwei ähnliche Projekte absolviert. Inwiefern konntest du die Erfahrungen in die aktuelle Herausforderung einfließen lassen?
Ich habe diese zwei Projekte ja bereits am selben Ort absolviert und versuche natürlich, die Lehren aus früheren Herausforderungen für mich zu nutzen. Diesmal konnte ich zum Beispiel die Muskelprobleme und die Steifheit vermeiden, die durch den Sattel verursacht wurden und mir in der ersten Hälfte des 40-tägigen Ultratriathlons Probleme bereiteten. Im Gegensatz zu früheren Herausforderungen kam ich diesmal dreieinhalb Wochen früher nach Fuerteventura, um mich an die Temperaturen zu gewöhnen und einen zweiwöchigen umfangreichen Trainingszyklus zu absolvieren. Letzterer diente dazu, den Körper an die Radposition anzupassen. Eine weitere wichtige Änderung war die Verbesserung der Laufbelastbarkeit. Das Laufen ist der körperlich anspruchsvollste Teil, und die meisten Probleme treten genau dort auf. Deshalb habe ich in den vergangenen zwei Jahren mit einem sehr hohen Laufpensum trainiert – in dieser Zeit bin ich mehr als 14.000 Kilometer gelaufen. Die Vorbereitung auf den Lauf scheint sich ausgezahlt zu haben, denn die ersten Marathons waren, was die Muskelkondition angeht, völlig unproblematisch.

Impressionen von Rait Ratasepps Ultratriathlonprojekt im Las Playitas auf Fuerteventura. Fotos: Jakob Meier

Welche konkreten Ziele hast du während deines Projekts?
Ich versuche jeden Tag, schneller zu sein als bei früheren Herausforderungen. Da ich schon einmal einen 40-fachen Ultratriathlon erfolgreich absolviert habe, kann ich erst ab dem 41. Tag sagen, dass ich weiter gekommen bin. Bis dahin muss ich meine tägliche Motivation hoch halten und den Fokus aufrecht erhalten. Deshalb habe ich mir mehrere Ziele gesetzt, um schneller zu sein als bisher. Bis jetzt ist mir das gelungen. In den ersten neun Tagen bin ich 3:20 Stunden schneller als beim 40-Tage-Ultratriathlon 2019 unterwegs gewesen.

Inwiefern spürst du angesichts dieser Ziele selbstauferlegten Leistungsdruck oder eher Motivation?
Ich mag es nicht, nur dieselbe Herausforderung zu wiederholen. Ich versuche immer, schneller zu sein oder weiter zu kommen, was die Distanz angeht – oder beides. Die Zeitaspekte setzen mich unter Druck und erhöhen das Risiko für Überlastungsverletzungen oder Radstürze – was nach sieben Tagen beinahe passiert wäre. Aber sie sind auch eine Quelle der Inspiration und Motivation für mein Handeln. Ich lasse mich von meinen eigenen Fortschritten motivieren und inspirieren und lerne, wie mein Körper und mein Geist funktionieren.

Worin liegen die größten Probleme bei diesem Projekt?
Der größte unbekannte Faktor ist immer das Wetter. Auf Fuerteventura ist es immer windig, aber besonders schwierig ist es, wenn der Wind besonders stark wird. Am vierten Tag zum Beispiel betrug die Windgeschwindigkeit hier acht bis neun Meter pro Sekunde – und sofort wurde dieser Tag zu meinem bisher härtesten Tag bei diesem Projekt. Auch die Hitze bereitet beim Laufen einige Schwierigkeiten. Obwohl ich in den letzten Tagen bei 26 bis 27 Grad trainieren konnte, werden ab Samstag eine neue Hitzewelle und Temperaturen über 30 Grad vorhergesagt.

Bengt Lüdke
Bengt Lüdke
Bengt-Jendrik Lüdke ist Redakteur bei triathlon. Der Sportwissenschaftler volontierte nach seinem Studium bei einem der größten Verlage in Norddeutschland und arbeitete dort vor seinem Wechsel zu spomedis elf Jahre im Sportressort. In seiner Freizeit trifft man ihn in Laufschuhen an der Alster, auf dem Rad an der Elbe – oder sogar manchmal im Schwimmbecken.
- Anzeige -

Kommentiere den Artikel

Bitte gib hier deinen Kommentar ein (und bitte sei dabei fair anderen gegenüber)!
Bitte gib deinen Namen ein

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Verwandte Artikel

Ausbruch des Mauna Loa auf Hawaii: Der Stand der Dinge

0
Der größte Vulkan der Welt spuckt wieder Feuer. Was hat es mit dem Ausbruch des Mauna Loa auf sich, was bedeutet das für Kailua-Kona und ist der Ironman Hawaii gefährdet? Ein Update.

triathlon-Awards: Das sind die Besten des Jahres 2022

0
Zum 12. Mal wurden im Rahmen der Sailfish Night of the Year die triathlon-Awards vergeben. Ihr konntet abstimmen, welche Personen, Rennen und Produkte zu den besten und beliebtesten des Jahres 2022 gehören. Hier sind die Sieger.

Ultraman-Weltmeisterschaft: Dede Griesbauer gewinnt mit Kursrekord, Richard Thompson siegt bei den Männern

0
Eine Inselumrundung innerhalb von drei Tagen mit einer Gesamtstrecke von 515 Kilometern - das ist die Ultraman-Weltmeisterschaft auf Big Island, Hawaii. Dede Griesbauer hat sie am Wochenende gewonnen.

Eruption auf Big Island: Mauna Loa bricht erstmals seit 1984 aus

1
Seit Mitte September hat es sich angedeutet, in der Nacht zum Montag (Ortszeit) ist es passiert: Der Mauna Loa, der größte Vulkan der Welt, bricht seit wenigen Stunden wieder aus. Eine Eruption könnte auch Auswirkungen auf die Ironman-Planungen haben.

Léo Bergère gewinnt WTCS-Finale und WM-Titel in Abu Dhabi

0
Überraschend hat sich der Franzose Léo Bergère mit dem Tagessieg beim WTCS-Finale in Abu Dhabi den Kurzdistanz-WM-Titel 2022 gesichert. Die favorisierten Alex Yee und Hayden Wilde belegten die Plätze vier und sechs und musste sich mit WM-Silber und -Bronze zufriedengeben.

Zwift: Alles, was du wissen musst!

3
Der dritte Teil des Zwift-Guides erklärt dir, wie du dein Rennen am besten gestaltest, um Energie zu sparen und wie du Freunde auf ein Meetup einlädst.

ePaper | Kiosk findenAbo

58,393FansGefällt mir
52,476FollowerFolgen
23,900AbonnentenAbonnieren

Aktuelle Beiträge