Reisebericht: Anja in Afrika

Zusammen mit Anja Knapp verbrachte Anja Beranek ein mehrwöchiges Trainingslager in Südafrika. In ihrem Reisebericht berichtet sie von den Trainingsbedingungen und ihren Erlebnissen aus Stellenbosch.

Von > | 20. März 2018 | Aus: SZENE

Hoch die Hände! Anja Beranek berichtet von ihrem Trainingslager in Südafrika.

Hoch die Hände! Anja Beranek berichtet von ihrem Trainingslager in Südafrika.

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Anja und Anja: ein grandioses Team

Auch so waren wir ein grandioses Team – wir gingen jeden Abend vor dem Schlafen gemeinsam auf Moskitojagd. Während Anja und Michi die Schokolade tafelweise und Cola literweise verschlangen, landeten die Kalorien irgendwie auf meinem Kalorienkonto und Hüften. Dafür war ich der Windbreaker beim Radfahren und übernahm das Steuer im Auto wenn Anja und Michi die Pace beim Laufen machten. Wir tüftelten gemeinsam an einem minimalen Wasserverbrauch, um den vorherrschenden Wassermangel nicht noch durch unseren Aufenthalt zu verschlimmern. Das Spülwasser diente der Toillettenspülung und während wir duschten, wuschen wir die Sportkleidung unter uns gleich mit aus. 

Anja Beranek: \"Anja und ich wurden von Triathlonfreundinnen zu Triathlonschwestern.\"

Anja Beranek: "Anja und ich wurden von Triathlonfreundinnen zu Triathlonschwestern."

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Auf einer Wohnfläche von 50 Quadratmeter bleibt auch nicht viel Platz für Intimitäten oder Privates, aber dafür hat man auch viel Zeit, um sich auszutauschen, gegenseitig zu inspirieren und voneinander zu lernen. Auch wenn Anja noch auf der olympischen Distanz zu Hause ist, können wir Dank guter Planung unseres gemeinsamen Trainers Dan Lorang fast alles zusammen machen. Und wenn ich als Dieselmotor vor jeder Einheit ein mehrminütiges Warm-up oder einen Morgenkaffee brauche, um mich auf Betriebstemperatur zu bringen, nutzt Anja eben diese Zeit zur Regeneration.

So wurden durch drei Wochen Südafrika Anja und ich von Triathlonfreundinnen zu Triathlonschwestern.

Wir haben drei Wochen sehr erfolgreich und ernsthaft trainiert, jedoch nicht eine Stunde ohne Spaß oder ohne einem Lachen. Am lautesten haben wir dabei immer über uns selbst und unser Profi-Dasein mit all unseren Ticks, Tricks und Alltagsroutinen gelacht ... Ich kehrte zurück mit einem Koffer voller Biltong (Trockenfleisch: Lieblingsessen meiner zwei kleinen Nichten) und zwei Flaschen hochwertigstem „Van de Mey“-Wein (Danke an die Weinfarmerin Katrin Walter!) sowie jeder Menge Afrika-Erfahrungen, die weit über den Sport hinausgingen.

"Viele Afrikaner haben keine Uhren, aber sie haben die Zeit"

Südafrika ist ein Land voller Gegensätze – es teilt sich in Schwarz und Weiß und Arm und Reich. In Afrika werden Fremde mit offenen Armen empfangen und das Wenige, was viele nur besitzen auch noch wie selbstverständlich geteilt. Viele afrikanische Menschen haben keine Uhren, aber sie haben Zeit. Bei uns in Deutschland ist das umgekehrt.

Ich versuche, ein klein wenig afrikanische Sonne und vor allem afrikanische Zeit mit nach Hause zu nehmen und zu sagen: Danke, Südafrika! Travelling opens a window to the world. Ukuhamba Kukubona.

Es blieben ein paar mehr oder weniger wichtige Dinge in Südafrika ungeklärt:

  • Warum steckten alle dänischen Nationalkaderschwimmerinnen, die mit uns im Becken trainierten, ihren Badeanzug in die (Popo-)Ritze?
  • Und warum gibt es auf der Welt diese ungleiche Verteilung? 
  • Warum habe gerade ich das Glück, in solch einem Wohlstand leben zu dürfen?
Viele Afrikaner haben keine Uhren, aber sie haben die Zeit.

Viele Afrikaner haben keine Uhren, aber sie haben die Zeit.

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