Reisebericht: Anja in Afrika

Zusammen mit Anja Knapp verbrachte Anja Beranek ein mehrwöchiges Trainingslager in Südafrika. In ihrem Reisebericht berichtet sie von den Trainingsbedingungen und ihren Erlebnissen aus Stellenbosch.

Von > | 20. März 2018 | Aus: SZENE

Hoch die Hände! Anja Beranek berichtet von ihrem Trainingslager in Südafrika.

Hoch die Hände! Anja Beranek berichtet von ihrem Trainingslager in Südafrika.

Foto >Privat

Traumhafte Trainingsbedingungen

Das Radfahren ist landschaftlich ein Traum! Oft haben wir uns unsere Mountainbikes gewünscht, um die Weinberge zu erobern und noch näher der Natur sein zu können. Dies hätte auch den Vorteil von einer noch besseren Bereifung und weniger Platten mit sich gebracht. Zwar hatte ich auf Empfehlung von meinem Partner Continental schon die pannensichersten „Four Seasons“ aufgezogen, aber gegen Dornen und Eisensplitter halfen auch die nichts. Unsere Spitzenreiter-Tour zählte fünf Platten! Nach einer Dornenpassage auf der Standspur hatte Anja vorn und hinten einen platten Reifen, ich hingegen „nur“ vorn. Mit insgesamt zwei Ersatzschläuchen und natürlich keinem Flickzeug war das natürlich nicht so lustig. Aber wir hatten Glück im Unglück und nur zwei Kilometer entfernt befand sich ein Bike Shop. Daher wurde die Einheit um eine längere Laufeinheit (gezwungenermaßen) erweitert. Wir erlebten dort einen Kaufrausch in Sachen „Fahrradschläuche“. Nach dieser (Tor-)Tour „bewaffneten“ wir uns zu jeder weiteren Ausfahrt mit mindestens vier bis fünf Ersatzschläuchen und änderten unseren Trainingsschwerpunkt für den Rest des Camps zu Swim & Run.

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Die Laufbedingungen waren auch ideal. Auch wenn das "400-m-Stadion" gerade (naja, sagen wir eher: seit Monaten) in „afrikanischer Geschwindigkeit“ renoviert wurde, gab es unzählig viele Grasbahnen bzw. Hockeyfelder, die sich perfekt zum Intervalltraining eigneten. Kathrin lud uns auch in ihre Laufgruppe ein, die sich zweimal pro Woche traf und von dem erfahrenen Laufcoach Ernie geleitet wurde. Ernie ist eine Mischung aus einem einfühlsamen und fürsorgliche Laufcoach und gleichzeitig ein totaler Zahlenfreak. Er hat viele Weltmeistertitel und Olympiamedaillengewinner hervorgebracht – auch wenn er diesen Erfolg und Umstand einfach als „Glück", dass er im Leben hatte, bezeichnet.

"Das, was wir machen, hat nichts mit Laufen zu tun"

Wir wurden in der Gruppe mit offenen Armen und einem "warm african welcome" empfangen. Bereits nach der ersten gemeinsamen Laufeinheit waren wir fester Bestandteil der Gruppe. Besonders beim Beobachten der schwarzen Läufer in der Gruppe mussten wir neidlos feststellen, dass das, was wir machen, nichts mit Laufen oder Ästhetik zu tun hat, sondern eher Stolpern und Vorwärtskämpfen gleicht. Wir schmolzen beim Anblick der Leichtfüßigkeit und Dynamik dahin und nahmen das, was wir sahen, als große Motivation. Sehr aufmerksam befolgten wir alle Worte und Zahlen von Ernie.

Viele Kilometer spulte Anja Beranek auf Rasen ab.

Viele Kilometer spulte Anja Beranek auf Rasen ab.

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Die drei Wochen Südafrika vergingen wie im Flug und – um ehrlich zu sein – fiel uns der Abschied aufgrund der Menschen, die wir getroffen und lieb gewonnen hatten, ein wenig schwer. Vor allem aber auch die Auflösung unserer eingespielten 3er-WG, in der jeder seine feste Aufgabe hatte: Michi war der Mann fürs Spülen, da Anja auf keinen Fall Spülhände haben wollte. Ich war die Küchenchefin – oder besser: die „Mutti“ am Kochtop wie zu Hause bei meinen eineinhalb Männern, zwei Katzen und Hund. Alle Drei waren immer bemüht, dass sich während der häuslichen Arbeit niemand „im Leerlauf“ befand und die Arbeit gerecht verteilt wurde.