Der Reiz des ersten Rennens

Auch Profi-Triathleten sind nervös, wenn das erste Rennen der Saison ansteht. Laura Philipp erzählt, welche Gedanken ihr durch den Kopf gehen.

Von > | 18. April 2018 | Aus: SZENE

Passt das neue Material? Eine von vielen Fragen, die sich Profi-Triathletin Laura Philipp vor ihrem ersten Rennen in 2018 stellt.

Passt das neue Material? Eine von vielen Fragen, die sich Profi-Triathletin Laura Philipp vor ihrem ersten Rennen in 2018 stellt.

Foto >Philipp Seipp

Seit dem Xterra auf Maui habe ich kein Triathlonrennen mehr bestritten. Das ist jetzt ziemlich genau sechs Monate her, in denen ich nun fast fünf Monate an mir gearbeitet habe, um zu zeigen, dass die sehr gute Saison nur ein vorläufiger Höhepunkt in meinem Sporttreiben war und um mich auf ein neues Rennformat vorzubereiten.

In den fünf langen Monaten absolvierte ich viele gute Einheiten, in denen ich mich stark fühlte und auch Leistungen erbringen konnte, die mir zeigen, dass die Entwicklung weitergeht. Gleichsam gab es aber auch Phasen, in denen kein Fortschritt sichtbar wurde und auch kleinere Wehwehchen das gnadenlose Durchziehen des Programms bremsten. Dieses Auf und Ab der Gefühle kennt sicher jeder, der schon mal auf ein sportliches Ziel hingearbeitet hat.

Der eine oder andere wird sich fragen: Wieso macht ein Profi solange keine Rennen? Dabei ist die Auswahl der möglichen Rennen, so wirkt es, die es rund um den Globus gibt, schier unerschöpflich? Diese Frage ist voll und ganz berechtig, weil es ja auch bekannte Vielstarter gibt, die nicht mal schlecht performen. Und andere Sportarten (siehe Biathlon) uns vormachen, dass man sogar mehrfach an einem Wochenende racen kann. Dem möchte ich entgegen halten, dass ich all dies sehr genau beobachte und auch meine Auswahl mit Bedacht treffe.

Die lange Zeit ohne Rennen hat gleich mehrere Effekte, die ich für wichtig erachte. Erstens: Sie ermöglicht mir Entwicklung in Bereichen, die ich während einer Rennphase nicht antasten kann und sollte. Da sind folgende Bereiche zu nennen: Maximalkraft, Fett-Oxidation, extensives aerobes Grundlagentraining, maximale Geschwindigkeit über 5 bis 10 Sekunden in allen drei Disziplinen , technische Skills und vieles mehr. Zweitens: Ich fokussiere mich auf wenige große Events, bei denen die Form stimmen soll. Eine Vielzahl von Rennen hält mich vom Training ab und bremst die Entwicklung.

Mir ist es im vergangenen Jahr in Chattanooga beispielsweise wirklich gelungen, die höchste Durchschnittsleistung am Tag X zu zeigen.

Für mich steht am 29. April der 70.3 Marbella auf dem Plan. Ich freue mich, dass es endlich wieder losgeht! Es geht mir darum, einen guten Start ins Jahr zu erwischen, aber dennoch im Kopf zu haben, dass eine lange Saison folgen soll. Aus diesem Grund darf meine Form noch gar nicht so gut sein, obwohl ich natürlich immer gut sein möchte. Diesen Widerspruch diskutiere ich häufig mit meinem Trainer. Es ist ein Spagat, die Umfänge so zu steigern, dass sie für Frankfurt passen und andererseits nicht an Qualität auf der Mitteldistanz einzubüßen.

Und natürlich bin ich riesig gespannt, wie sich die Änderungen des Winters in der Realität anfühlen, denn echte Bestätigung hatte ich nicht. Kann ich die Kraftzuwächse aus dem Gym umsetzen? Wie gelingt mir das Schwimmen, an dem ich viel gearbeitet habe? Bin ich schon ausreichend vertraut mit meinem neuen Radmaterial? Wird es mir gelingen, die Lauftechnik auch unter dem Renndruck aufrecht zu erhalten?

Das Spiel mit der Ungewissheit hat einen besonderen Reiz, von dem ich nicht weiß, ob ich ihn liebe oder hasse. Rennen zu bestreiten, verlangt mir alles ab. Vielleicht ist es die Bandbreite der möglichen Emotionen, die mich das Renngeschehen so intensiv erleben lässt. Geht es euch genau so?

Ich freue mich, dass es wieder losgeht!

Eure Laura