Ryf gegen den Rest der Welt

Es müsste schon etwas Außergewöhnliches passieren, um Daniela Ryf bei den Ironman-Europameisterschaften in Frankfurt am Sonntag an der Titelverteidigung zu hindern. Doch so überlegen Ryf wirkt, so offen ist auch der Kampf um die weiteren Podestplatzierungen. Zwei Lokalmatadorinnen haben gute Karten.

Von > | 29. Juni 2016 | Aus: SZENE

Ironman Frankfurt 2015 - Laufen - 10 | Daniela Ryf bei ihrem Sieg in Frankfurt 2015.

Daniela Ryf bei ihrem Sieg in Frankfurt 2015.

Foto >Michael Rauschendorfer

Beim Schwimmen macht ihr niemand etwas vor, auf dem Rad gehört sie zu den Besten der Welt und dachte Anfang des Jahres sogar über einen Olympiastart im Radsport nach - und beim Laufen musste Daniela Ryf in ihren jüngsten Ironman-Rennen noch einmal wirklich alle Karten auf den Tisch legen. Keine Frage: Wenn am Sonntag in Frankfurt die Ironman-Europameister gesucht werden, dann führt an der Titelverteidigerin Daniela Ryf kaum ein Weg vorbei. Es müsste schon ein mittelschweres Wunder passieren, sollte eine Konkurrentin die Schweizerin in Frankfurt ernsthaft in Probleme bringen, sofern Ryf gesund ins Rennen startet und ihr dort keine all zu groben Fehler passieren.

Zwei Lokalmatadorinnen mit Podestchancen

Dass die Favoritin auf den Sieg so deutlich heraussticht, heißt aber nicht, dass das Rennen der Frauen in Frankfurt auch automatisch langweilig wird. Im Gegenteil: So überlegen Ryf auf den Mittel- und Langstrecken derzeit auch wirkt, so spannend und unvorhersehbar gestaltet sich beim Rennen in Frankfurt der Kampf um die übrigen Podestplätze. Vor allem den Lokalmatadorinnen aus Frankfurt und Umgebung ist dabei viel zuzutrauen: Die 27-Jährige Daniela Sämmler lebt in Darmstadt und kennt sich auf den Strecken des Frankfurter Rennens deshalb bestens aus. Der Ironman stellt für die gute Radfahrerin die große Chance dar, ihren Sieg beim Ironman Mallorca zu bestätigen und nach Rang fünf in Roth vergangenes Jahr auch national den Durchbruch zu schaffen.

Eine ihrer Hauptkonkurrentinnen um die Podestplätze lebt aber nur wenige Kilometer von Sämmler entfernt: Natascha Schmitt stammt aus Frankfurt und hat ihre Stärke, anders als Sämmler, vor allem im Laufen. Das ist allerdings auch ein Grund dafür, weshalb Schmitts Start in Frankfurt eine kleine Wundertüte ist: Denn über den Winter war die 30-Jährige verletzt und musste mit dem Lauftraining aussetzen, was sie bei ihren ersten Saisonrennen noch spürte. In Luxemburg konnte Schmitt Mitte Juni aber den in einen Duathlon umgewandelten Ironman 70.3 mit rund 26 Laufkilometern für sich entscheiden - und ließ dabei auch Sämmler hinter sich. Ob es für Schmitt auch schon wieder zu 42 schnellen Laufkilometern reicht, bleibt aber abzuwarten.

Corbin sagt ab, Hauschildt rückt nach

Damit ist die Liste deutscher Podestanwärterinnen aber noch nicht zu Ende: Auch Diana Riesler möchte in Deutschland endlich den Durchbruch schaffen und hat sich dafür den Ironman in Frankfurt ausgesucht. Außerdem könnte Astrid Stienen, Siegerin des Ironman in Schweden im vergangenen Jahr, der Sprung aufs Treppchen gelingen. Eine Spezialistin für die Abschlussdisziplin ist Kristin Möller: Die 32-Jährige läuft regelmäßig die schnellsten Marathonzeiten und könnte das Feld nach dem Radfahren von hinten aufrollen.

Ähnliches wäre auch Linsey Corbin zuzutrauen gewesen, doch die US-Amerikanerin hat ihren Start nach ihrem zweiten Rang beim Ironman Cairns vor wenigen Wochen wieder abgesagt. Stattdessen hat sich kurzfristig die Australierin Melissa Hauschildt für das Frankfurter Rennen gemeldet - und auch sie als ehemalige Leichtathletin hat Qualitäten in der Abschlussdisziplin. Emma Bilham (SUI), Dimity-Lee Duke (AUS), Christine Fletcher (CAN) und Caroline Livesey (GBR) gehören ebenfalls zu den internationalen Mitfavoritinnen auf Podestplatzierungen. Aus Deutschland gehen als Profis außerdem Evi Neuscheler, Celia Kuch, Katharina Grohmann, Angela Kühnlein, Verena Walter, Katja Konschak, Carolin Lehrieder und Nicole Woysch ins Rennen.