Ryf kämpft ums Triple, Beranek ums Podest

Keine Frage: Daniela Ryf geht beim Ironman Hawaii als klare Favoritin ins Rennen. Spannend wird das Rennen dennoch werden - auch, weil eine Deutsche echte Podestchancen hat.

Von > | 12. Oktober 2017 | Aus: SZENE

Daniela Ryf auf dem Weg zum Sieg bei der Ironman-70.3-WM 2017.

Daniela Ryf auf dem Weg zum Sieg bei der Ironman-70.3-WM 2017.

Foto >Peter Jacob / spomedis

Brett Sutton hatte die Konkurrentinnen schon im Jahr 2014 gewarnt: Sie sollten besser in diesem Jahr beim Ironman Hawaii noch einmal alles auf Sieg setzen, denn ab dem kommenden Jahr würde Daniela Ryf durchstarten - und der Sieg auf Jahre hinweg nur über die Schweizerin gehen. Sutton wusste schon damals, wovon er sprach, war er doch zwischenzeitlich auch Trainer der Britin Chrissie Wellington, die das Rennen zwischen 2007 und 2011 vier Mal gewann. Und Sutton sollte Recht behalten: In den vergangenen beiden Jahren dominierte Ryf das Rennen auf Hawaii geradezu, und sorgte dabei im vergangenen Jahr in 8:46:46 Stunden sogar für einen neuen Streckenrekord, obwohl sie sich ihrer Form im Vorfeld nach einer verkorksten Generalprobe bei der Ironman-70.3-WM nicht hatte sicher sein können.

Die komplette Athletin

Nun neigt sich Jahr drei der Ära Daniela Ryf dem Ende zu - ein Ende ihrer Dominanz scheint bislang aber nicht absehbar. Zwar haderte die Schweizerin im Frühjahr mit einer Rückenverletzung, danach kam sie aber wieder in Schwung und sicherte sich zuletzt im September mit beeindruckender Leistung den Weltmeistertitel auf der Ironman-70.3-Distanz. Die derzeit im Kurzdistanz- und Crosstriathlon aktive Flora Duffy (BER) dürfte zwar in einer ähnlichen Preisklasse spielen wie Ryf - doch auf der Langdistanz gibt es aktuell keine Athletin, die die drei Sportarten so gut vereint wie Ryf, sofern diese auch nur einen "normalen" Tag erwischt. Was nicht heißt, dass ihr die Konkurrentinnen nicht trotzdem allmählich näher rücken würden: Unter den Hawaii-Starterinnen gibt es in jeder Disziplin unterschiedliche Athletinnen, die ähnlich schnell oder sogar schneller sein könnten, was im Rennen für interessante Konstellationen sorgen könnte.

Schließlich hat gerade eine Deutsche im vergangenen Jahr vorgemacht, wie man den Ryf-Zug für sich nutzen kann: Anja Beranek setzte sich 2016 auf dem Rad gemeinsam mit der Schweizerin ab und landete am Ende des Rennens auf dem vierten Rang. Das weckt bei Beranek, die auf Jan Frodenos Coach Dan Lorang vertraut, Podesthoffnungen für das Jahr 2017. Dafür hat sie im Training verstärkt auf das Laufen gesetzt - und ist, glaubt man Aussagen ihrer Trainingspartnerin Anne Haug, in exzellenter Verfassung. Doch auch der Konkurrenz ist Beraneks Taktik im Vorjahr nicht entgangen, und sie dürfte gewillt sein, darauf zu reagieren. Allen voran Lucy Charles könnte das Rennen maßgeblich beeinflussen, denn die Britin gilt als stärkste Schwimmerin im Feld und hat auch auf dem Rad das Zeug dazu, lange mitzumischen. Ähnliches gilt für die Amerikanerin Lauren Brandon, die ebenfalls unter Brett Sutton trainierende Schweizerin Celine Schärer - und in Michelle Vesterby gibt es auch noch eine dänische Konkurrentin, die ein ganz ähnliches Stärkenprofil aufweist wie Anja Beranek.

Offener Kampf um die Top Ten

Doch das sind nicht alle Konkurrentinnen, um die sich Ryf und vor allem Beranek Gedanken machen könnten. Es drohen außerdem auch eine ganze Reihe guter Läuferinnen, die auf Schwächephasen der Spitzendamen lauern. Dazu zählt Ironman-Frankfurt-Siegerin Sarah Crowley (AUS), ähnlich wie Vorjahresfünfte Kaisa Sali (FIN) und auch Heather Jackson (USA), die zwar üblicherweise nicht ganz so schnell läuft wie etwa Sali, aber dafür noch etwas schneller Rad fahren kann. Dazu kommt in Rachel Joyce (GBR) eine - aufgrund spärlich bestrittener Rennen - kleine Unbekannte, und in Susie Cheetham (GBR), Sarah Piampiano (USA), Carrie Lester (AUS), Laura Siddall, Corinne Abraham (beide GBR), Maja Stage Nielsen, Camilla Pedersen (beide DEN), Linsey Corbin, Jocelyn McCauley und Elizabeth Lyles (beide USA) eine ganze Reihe weiterer Athletinnen, denen an einem guten Tag ein Sprung nach weit vorn zuzutrauen wäre. Auch die Deutsche Diana Riesler hätte möglicherweise das Zeug zu einer Top-Fünf-Platzierung, sollte sie sich in bester Verfassung befinden und ihren Startplatz auf Big Island wahrnehmen. Die starke Radfahrerin und Läuferin Melissa Hauschildt (AUS) hat sich ebenfalls für den Ironman Hawaii qualifiziert, war zuletzt nach langen Krankheitsausfällen in diesem Jahr aber nicht in exzellenter Form.

Für die übrigen deutschen Starterinnen geht es auf Big Island wohl im Optimalfall um Top-Ten-Platzierungen. Die größten Chancen darauf dürfte Sonja Tajsich haben, die es in diesem Jahr mit einem furiosen Comeback nach Babypause wieder nach Hawaii geschafft hat. Astrid Stienen und Lauffloh Kristin Möller sind ebenfalls Anwärterinnen auf Platzierungen im Bereich der Top Ten oder Top 15, außerdem wollen Katharina Grohmann und Mareen Hufe im Rennen mitmischen. Aus Österreich geht in Kailua-Kona ausschließlich Michaela Herlbauer ins Rennen.