„Schwimmen ist nicht ohne“

Anfang September hat Doppelolympia-Sieger und Zeitfahrspezialist Fabian Cancellara seinen ersten Triathlon absolviert. Wir haben den 36-Jährigen nach seinen Erfahrungen befragt.

Von > | 27. September 2017 | Aus: SZENE

\"Spartacus\" war der Spitzname des Schweizer Ex-Rennradfahrers Fabian Cancellara. Der Zeitfahrspezialist gewann u.a. bei Olympia zwei Goldmedaillen und dreimal die Klassiker Paris–Roubaix und die Flandern-Rundfahrt.

"Spartacus" war der Spitzname des Schweizer Ex-Rennradfahrers Fabian Cancellara. Der Zeitfahrspezialist gewann u.a. bei Olympia zwei Goldmedaillen und dreimal die Klassiker Paris–Roubaix und die Flandern-Rundfahrt.

Foto >Daniel Eilers / spomedis

Wir haben Ex-Rennradfahrer Fabian Cancellara beim „Chasing Cancellara“ in Lugano getroffen. Dort fand das letzte von den drei diesjährigen Radrennen gegen den Doppel-Olympiasieger (2008 und 2016) statt, das über 10,1 Kilometer und 458 Höhenmeter von Melide nach Carona führte. Gleich 10 Radfahrer kletterten den Berg schneller hoch als Fabian Cancellara. Knapp drei Wochen zuvor hat der 36-jährige seinen ersten Triathlon beim TriStar in Rorschach über die olympische Distanz absolviert.

Wie fühlt es sich an, als Doppel-Olympiasieger gleich zehnmal geschlagen zu werden?
Beim „Chasing Cancellara“ in Andermatt war ich konditionell noch nicht so fit wie jetzt. In Villars-sur-Ollon war es auch verdammt sehr hart für mich; da war jemand dabei, der hatte ein Level, das ich zu meinen besten Tagen hatte. Diese Events sind auch für mich auch eine Messung, wie fit ich tatsächlich bin. Im Vergleich zu früher ist es aber was ganz anderes. Die Leute denken häufig, dass ich noch viel trainiere. Aber ich mache eigentlich nur noch Bewegungssport.

Was ist das Besondere an dem Format „Chasing Cancellara“?
Ich möchte den Sport mit anderen Sportlern teilen. Durch dieses Format kann ich ein Miteinander schaffen, sozusagen eine Plattform zum Austausch. Ich bin über das ganze Wochenende von A bis Z da: Abends beim Essen, am Vortag bei der Ausfahrt oder im und nach dem Rennen. Es macht mir jedes Mal Spaß, zu sehen, wie viel Zuspruch das Format erfährt. Es kommen Leute aus der ganzen Welt. Nächstes Jahr kommen übrigens auch weitere Events dazu – die Serie wird sich nicht mehr nur auf die Schweiz erstrecken. Wir haben internationale Anfragen, die wir verfolgen werden.

Warum organisieren Sie nicht gleich eine eigene Rundfahrt?
Es ist gar nicht so einfach, eine Genehmigung für gesperrte Straßen zu bekommen. Es ist zum Beispiel etwas ganz anderes, ob man in Andermatt oder der italienischen Schweiz in Lugano solch eine Veranstaltung implementieren will. Mit diesem Format sind wir flexibel, weil wir keine 100 Kilometer sperren müssen. Es macht auch einfach Spaß, den Berg hochzutreten.

Am 3. September haben Sie beim TriStar Switzerland Ihr Triathlon-Debüt gegeben. Wie haben Sie das Rennen erlebt?
Ich muss dazu sagen, dass ich Teilhaber der Veranstaltung bin. Daher habe ich das Rennen gleich doppelt erlebt. Einerseits war ich als Teilnehmer am Start, konnte das Thema Triathlon einmal hautnah erleben. Was heißt das, einen Triathlon zu machen? Ich kann jetzt sagen, dass ich einen Triathlon absolviert habe. Und andererseits hatte ich den Blick als Veranstalter aufs Rennen: Was könnte man besser machen? Wo gibt es Engpässe? Was brauchen die Triathleten? Wenn ich eins mitgenommen habe aus dem Rennen: Man braucht kein Profi-Niveau zu haben, um einen Triathlon zu absolvieren. Ich bin kein Schwimmer und kein Läufer – und habe die Olympische Distanz trotzdem gut hinter mich gebracht. Mir hat das Rennen unglaublich viel Spaß bereitet – auch in meiner Doppelrolle.

Ergebnis Fabian Cancellara beim TriStar 55.5 in Rorschach
Gesamt: 2:23:50 Stunden (17., M35 4.)
500 m Swim: 11:26 Min.
50 km Bike: 1:45:27 Std.
5 km Run: 20:58 Min.

Wie lief das Schwimmen – für viele Athleten der größte Angstfaktor?
Das Problem ist tatsächlich das Schwimmen, davor haben die meisten Panik. Das Schwimmen ist ja das eine, aber die Herausforderung war bei mir das Schwimmen im offenen Gewässer, in die Weite hinaus; das war völlig ungewohnt. Und dann sind noch Leute um dich herum. Schwimmen ist wirklich nicht ohne. Aber auch das habe ich aus dem Rennen mitgenommen: Es war für mich wichtig, über meinen Schatten zu springen. Ich will den Leuten damit aufzeigen, was man kann, wenn man nur will. Wenn man den Willen nicht hat, sich etwas zu trauen, kann man auch zu Hause bleiben.

Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Es hat geregnet und war kalt. Viele Triathleten hatten sich nicht richtig vorbereitet, was die Kleidung betrifft. Einige mussten aufgeben, weil sie nicht warm genug angezogen waren. Manche Radfahrer  musste ich unterwegs aus dem Rennen nehmen, weil sie unterkühlt waren. Das war für mich in dem Moment wichtiger als meine eigene Zeit. Ich finde, das muss jeder mal probieren, drei Disziplinen hintereinander zu absolvieren.

Wie haben Sie sich auf den Triathlon vorbereitet?
Ich bin meine 60 bis 120 Minuten auf dem Rad gefahren. Dann habe ich ein paar Schwimmeinheiten mit Triathlonprofi Ronnie Schildknecht gemacht und bin ein bisschen gejoggt. Viel habe ich nicht machen können. Ich bin ehrlich: Neben den Verpflichtungen konnte ich nicht viel trainieren.

Wie viel Radtraining entfiel aufs Rollentraining?
Ich bin kein großer Rollenfreund, aber es gibt Momente, wo es wichtig ist. Das Rollentraining kann bei der Vorbereitung auf eine Langdistanz der psychologische Tod sein. Man kann zwar spezifisch trainieren, aber für lange Fahrten ist das Rollentraining ungeeignet. Ich bin Naturmensch gewesen, ich musste raus. Bei schlechtem Wetter bin aber auch ich auf die Rolle ausgewichen, allerdings nicht in dem Umfang wie eine Daniela Ryf, die sogar auf Hawaii auf dem Rollentrainer trainiert. Aber auch das ist sehr individuell. Jeder muss seinen eigenen Weg zum Erfolg finden.

Was können Triathleten von Zeitfahrern vielleicht lernen?
Das ist natürlich die Position auf der Maschine, die stimmen muss. Aber hier tut sich meiner Beobachtung nach schon sehr viel. Das andere wäre, dass Triathleten eine konstante Wattzahl fahren müssen. Motorpacing wäre hierfür ein gutes Trainingsmittel, um einen konstanten Rhythmus zu üben. Ich glaube, dass beim Triathlon der Rhythmus entscheidend ist. Beim Motorpacing kann man genau hierfür ein Gefühl bekommen.